Umsatzanstieg für Marks & Spencer
Posh Spice und das 149-Pfund-Modell

Promi puscht Profit: Von dieser Vermarktungsweisheit profitiert nun – ungeplant – auch das britische Bekleidungshaus Marks & Spencer. Ein Einkaufsbummel von „Posh Spice“ wird dem Einzelhändler in diesem Jahr einen Umsatzanstieg bescheren.

Bloomberg DÜSSELDORF. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, erwarb die Pop-Sängerin, mit richtigem Namen Victoria Beckham, ein schwarzes Lederkleid für 149 Pfund (208 Euro). Das löste einen Ansturm anderer Kundinnen aus, die genau dieses Stück haben wollten - und nebenbei vermutlich auch noch die eine oder andere Kleinigkeit einkauften.

Nachdem die Ehefrau des Fußballstars David Beckham das Kleid aus der „Limited Collection" von Marks & Spencer erworben hatte, war es innerhalb weniger Tage in der größten Londoner Filiale am Marble Arch ausverkauft, berichtet Unternehmenssprecherin Clare Wilkes. „Die Verbraucher suchen nach Exklusivität und nach Marken mit einem deutlichen Profil, das sich von den Wettbewerbern absetzt", sagt Maureen Hinton, Analystin bei dem Marktforschungsunternehmen Verdict in London. „Davon profitiert Marks & Spencer."

Insgesamt legen die Konsumenten in Großbritannien offenbar mehr Wert auf Qualität und kaufen lieber wenige hochwertige Stücke als viele Billigklamotten. Marks & Spencer hat mehr teure Artikel in seine Kollektionen aufgenommen, auch der Konkurrent Next setzt verstärkt auf das hochpreisige Segment. „Schlechtere Zeiten lassen die Leute manchmal mehr an Qualität und Haltbarkeit denken", sagt Ian MacDougall, Analyst bei Blue Oar in London.

Das beflügelt Umsatz und Gewinn der beiden Einzelhändler. Die neuen Luxus-Produkte werden den Gewinn bei Marks & Spencer bis 2010 um 34 Prozent auf 1,3 Mrd. Pfund anschwellen lassen, erwarten Analysten der Citigroup. Bei Next rechnen die Analysten der Schweizer UBS im gleichen Zeitraum mit einem Gewinnanstieg von 13 Prozent auf 542 Mill. Pfund.

Auch die Aktienkurse, die dieses Jahr deutlich verloren haben, sollten davon profitieren. Analysten rechnen damit, dass die Marks & Spencer-Aktie in den kommenden zwölf Monaten 26 Prozent zulegt, bei Next rechnen sie mit einem Kursanstieg von 35 Prozent. Für den Aktienkurs von Associated British Foods, der Mutter der Billigkette Primark, sehen sie nur ein Plus von 3,6 Prozent.

Mit den Qualitätsangeboten von Marks & Spencer dürfte die ein Jahrzehnt dauernde Spitzenposition der Discounter beim Wachstum im Markt beendet werden. Immerhin kommt der britische Bekleidungsmarkt auf ein Volumen von 34,8 Mrd. Pfund (49 Mrd. Euro).

Allerdings kämpfen die Einzelhändler in Großbritannien derzeit mit der Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Das Verbrauchervertrauen ist im November so stark wie seit drei Jahren nicht mehr gefallen, denn höhere Zahlungen für Hypotheken, steigende Energiekosten und Nahrungsmittelpreise lassen den Briten immer weniger Geld zum Ausgeben im Portemonnaie. Das hindert sie jedoch nicht daran, für Qualität gutes Geld auszugeben. Die Chefsekretärin Caroline Fleck sagt auf einer Shopping-Tour in Londons Oxford Street: „Wenn ich etwas wirklich Schönes will, das länger hält, gebe ich ein bisschen mehr Geld aus", erklärt sie. Sie will bis zu 200 Pfund für ein Kleid ausgeben, doppelt so viel wie im vergangenen Jahr.

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