Umsatzlöcher wegen des langen Winters
Gärtnereien lechzen nach der Sonne

Mit zahlreichen Überstunden versuchen Gärtner und Landschaftsbauern, ihre Umsatzeinbußen durch den langen Winter wieder wett zu machen.

HB HAMBURG. Die Branche mit mehr als 12 800 Betrieben und fast 82 000 Beschäftigten konnte nach Angaben des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (GaLaBau) bis in den April hinein nicht richtig arbeiten. „Die Betriebe waren fast fünf Monate gelähmt“, sagte Verbandsgeschäftsführer Hermann Kurth. Wie eine bundesweite Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, mussten einige Firmen sogar Insolvenz anmelden. Die Umsatzlöcher erreichten oftmals die 25-Prozent-Marke.

Die frostigen Temperaturen vermasselten deutschlandweit den Gärtnereien den Start ins Jahr. Die Frühlingssaison sei praktisch ausgefallen, weil wegen des gefrorenen Bodens nicht gepflanzt werden konnte, sagte Thomas Heiland vom Hessischen Gärtnereiverband. Primeln und Stiefmütterchen - die klassischen Frühlingsblüher - seien gar nicht oder unter Preis verkauft worden. „Die Gärtnereien haben dabei alle draufgelegt.“ Auch in Sachsen machen die niedrigen Preise den Firmen zu schaffen. Es werde immer schwieriger, schwarze Zahlen zu schreiben, teilte der sächsische GaLaBau-Verband mit.

Jetzt setzen die Unternehmen ihre ganze Hoffnung auf den Sommer. Den derzeitigen Auftragsansturm versuchen die Garten- und Landschaftsbauer mit Überstunden zu bewältigen. „Die Betriebe könnten jetzt zum Teil 80 Stunden pro Woche arbeiten“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer von GaLaBau Niedersachsen-Bremen, Reinhard Schrader. „Jeder Mann bräuchte vier Arme, wir sind ziemlich ausgelastet“, hieß es bei der Münchner Gärtnerei.

Auch in Nordrhein-Westfalen setzte der Winter den Gärtnereien zu. Zahlreiche Unternehmen sind nach Angaben des ansässigen GaLaBau- Verbandes an den Rande des Ruins getrieben worden. Einige größere Firmen in Dortmund, Holzwickede und Langenfeld hätten in der vergangenen Woche Insolvenz anmelden müssen. „Und es werden noch Betriebe hinzu kommen“, befürchtete Verbandgeschäftsführer Michael Gotschika. Bei der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau aus Sachsen-Anhalt wird damit gerechnet, dass es auch nach der Frühlingsperiode noch zu zahlreichen Pleiten kommen wird. Auch im zumeist sonnigen Süden Deutschlands lief die Frühjahrssaison rund sechs Wochen später an. „Je weiter südlich, desto mehr Schnee gab es und desto schwieriger war es“, sagte Patrick Schmidt vom bayerischen GaLaBau. Dafür seien die Auftragsbücher jetzt aber randvoll. „Die Firmen wissen nicht, wo ihnen der Kopf steht.“ Nun könnten gar nicht alle Kundenanfragen bewältigt werden, räumt Rotraud Dietzel von einer Gärtnerei aus Alling ein. „Da springt der ein oder andere wieder ab.“ Wegen des winterlichen Wetters mussten zahlreiche Betriebe sogar Mitarbeiter kurzzeitig entlassen. „Diese Angestellten werden meist im Frühjahr wieder eingestellt“, versicherte der Leiter der Abteilung Gartenbau von der Landwirtschaftkammer Kiel (Schleswig-Holstein). Für die kommenden Monate erhoffen sich die Unternehmer, die verlorenen Gewinne wieder einzufahren. „Ich glaube, dass das Umsatzloch in diesem Jahr noch gefüllt werden kann - aber nur mit erheblichen Kraftanstrengungen“, zeigte sich der GaLaBau- Geschäftsführer in Baden-Württemberg, Reiner Bierig, optimistisch. Auch in Mecklenburg-Vorpommern erwarten die Unternehmen, mit gefüllten Auftragsbüchern die Umsatzlücken im Sommer wieder zu füllen.

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