Umsatzrendite im Süden: doppelt so hoch
Die ungleichen Brüder

Im ersten Stock ein Parkhaus, daneben das Restaurant „Samos“, ein Bilderrahmen-Laden, ein paar Recycling-Container vor dem Betonklotz in Hamburg-Volksdorf. Über das Aldi-Schild im Erdgeschoss robben sich Schimmelnasen, chamäleonesk passen sie sich dem grau-blauen Anstrich an.

DÜSSELDORF. In den 70ern galt so was als Symbol neuer Urbanität, heute als Denkmal alter Schäbigkeit. Damals war der Aldi-Verkaufsraum sicher milchig-weiß, heute kämpfen die Neonlampen auf aussichtslosem Posten gegen Grauschleier, der auch den teuersten Wein umflort, den es hier gibt: Rioja Riserva, die Flasche zu 2,59 Euro.

Ein Neu-Hamburger gibt die Suche nach seinem Aldi-Lieblingsprodukt auf und fragt die Verkäuferin nach dem Traubensaft, den er aus dem Rheinland kennt. Antwort: „Wenn Sie Glück haben, ziehen wir nach. Das macht Aldi-Nord oft, wenn es bei Süd gut läuft.“

Ein Name, zwei Konzerne – was bis in die späten 80er kaum jemand wusste, ist heute Allgemeingut: Hinter Aldi stehen zwei unabhängige Firmengeflechte, die sich Deutschland feinst-säuberlich aufgeteilt haben. Ähnliche Logos, andere Sortimente, andere Preise – und vor allem unterschiedliche Erfolge: „Aldi Süd macht mit rund 12,5 Milliarden Euro den gleichen Umsatz wie Aldi Nord – aber mit rund einem Drittel weniger Filialen“, sagt Herbert Kuhn, Marktforscher bei Tradedimensions M+M Eurodata.

Das wirke sich auch in der Umsatzrendite aus: Knapp über sechs Prozent seien es im Süden, rund 3,6 Prozent im Norden. Die Aldis selbst sagen nichts. Absolut nichts, egal zu welchem Thema. Immerhin gibt es noch die Pflichtveröffentlichungen der verschachtelten Konzerne im Bundesanzeiger – und die wertet Kuhn systematisch aus.

Quer durch Nordrhein-Westfalen und Hessen läuft der „Aldi-Äquator“. Nördlich der Grenzlinie gehören 2 385 Filialen zum Reich von Theodor „Theo“ Albrecht, 82, der von Essen aus regiert. Südlich davon liegt das 1 495-Läden-Imperium seines Bruders Karl, 84, dessen Hauptsitz in Mülheim liegt. Auch das Ausland ist exakt verteilt. Reich sind beide: Das US-Magazin „Forbes“ taxiert Karl Albrechts Vermögen auf rund 18,5 Milliarden Euro, das von Theo auf 14,5 Milliarden. Damit liegen sie in der Liste der Superreichen weltweit auf den Rängen drei und 14.

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