Umstrittene Gemeinschaftsflüge
Air Berlin und Etihad erleiden schwere Schlappe

Ein Gericht könnte zum Totengräber für einen Teil der Kooperation von Air Berlin und Etihad werden. Mehr als 30 Gemeinschaftsflüge werden verboten. Der Streit geht in die nächste Runde – und verunsichert die Kunden.

FrankfurtBöse Überraschung kurz vor dem Jahreswechsel: Das Verwaltungsgericht in Braunschweig untersagte Gemeinschaftsflüge von Air Berlin und dem Golf-Anbieter Etihad auf 31 Verbindungen im Winterflugplan. Damit dürfen die beiden Fluggesellschaften diese Flüge ab dem 16. Januar und bis zum Ende des Winterflugplans am 26. März nicht mehr gemeinsam vermarkten.

Geflogen werden die Strecken weiter, allerdings ausschließlich unter der Flugnummer von Air Berlin. Von der Gerichtsentscheidung nicht betroffen sind 52 andere Codeshare-Flüge, die das Luftfahrtbundesamt genehmigt hatte.

Das Gericht verwies in seiner Begründung darauf, dass die Voraussetzungen der erforderlichen Betriebsgenehmigung für die umstrittenen Flugstrecken nicht erfüllt seien. Beim Codesharing werden Flüge von zwei Airlines unter eigenen Flugnummern verkauft. Der Vorteil: Air Berlin erhöht damit die Auslastung der Flugzeuge, dafür kann Etihad ein großes und attraktives Netz anbieten.

Für Air Berlin und Etihad ist das Urteil ein Rückschlag. Beide Unternehmen hatten noch im Herbst vor dem gleichen Gericht eine Einstweilige Verfügung erreicht, mit der das Luftfahrtbundesamt gezwungen wurde, die umstrittenen Flüge zumindest bis zum 15. Januar zu erlauben – mit Rücksicht auf die damals bereits seit Wochen laufende Vermarktung der Flüge und den Schutz der Passagiere, die dafür schon Tickets erworben hatten. Im Hauptsache-Verfahren entschied das Gericht nun gänzlich anders.

Wie es nun nach dem 15. Januar weitergeht, ist unklar. Air Berlin und Etihad erklärten in einer ersten Stellungnahme, dass "alle bisher gebuchten Codeshare-Flüge von Etihad Airways und Air Berlin wie geplant durchgeführt" würden. Der gemeinsame Flugplan bleibe unverändert buchbar. Man bedauere die Entscheidung des Gerichts.

Doch fest steht, dass das Urteil Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den Rücken stärkt. Er hatte die Rechtmäßigkeit der Gemeinschaftsflüge immer wieder angezweifelt. Es geht dabei vor allem um die Frage, ob Etihad das Recht hat, Air-Berlin-Flüge etwa von Berlin ins Ausland unter einer eigenen Flugnummer zu verkaufen. Entsprechend fällt das Statement des Ministeriums aus: „In seiner Begründung hat das Gericht festgestellt, dass der von Etihad Airways vorgetragene Vertrauensschutz keine Grundlage für eine Genehmigung darstellt, da sich Air Berlin seit August 2014 auf die Genehmigungspraxis hatte vorbereiten können“, heißt es dort kurz und knapp.

Damit wird der Druck auf die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) erhöht, endlich mit der Bundesregierung eine Neuregelung des bilateralen Luftverkehrsabkommens zu erreichen. Doch bis zum 15. Januar wird das sicher nicht möglich sein. Denn die VAE müssen für zwei große Fluggesellschaften sprechen: Etihad und Emirates. Beide verfolgen aber sehr unterschiedliche Interessen und Strategien.

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