Umstrittene Leiharbeiter: Zeitarbeitsbranche steht unter Druck

Umstrittene Leiharbeiter
Wie Amazon an Glanz verliert

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Zeitarbeitsbranche steht unter Druck

Die Vorwürfe, dass aus osteuropäischen Ländern angeworbene Leiharbeiter teilweise zu wenig Geld erhielten oder die Abrechnung von Sozialbeiträgen nicht immer richtig erfolgte, schreckten bereits zum Ende vergangener Woche die Arbeitsbehörden auf.

Der Leiter der Regionaldirektion Hessen, Frank Martin, hatte von dem US-Unternehmen schnellstmögliche Aufklärung „derzeit nicht transparenter Sachverhalte“ verlangt. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) legte am Wochenende nach. „Der Verdacht wiegt schwer, deswegen müssen jetzt so schnell wie möglich alle Fakten auf den Tisch“, sagte sie der „Welt am Sonntag“.

Die Vorwürfe stellten auch Aktivitäten infrage, im Ausland Arbeitnehmer anzuwerben und somit den Bedarf an Fachkräften für die deutsche Wirtschaft zu sichern, erklärte Regionaldirektor Martin in einer Mitteilung. „Die in der Fernsehdokumentation geschilderten Lebens- und Arbeitsbedingungen der spanischen Saison-Arbeitskräfte beschädigen das Ansehen Deutschland zutiefst.“ Nach eigenen Angaben beschäftigt Amazon in Deutschland 8.000 Logistik-Mitarbeiter fest.

Die Zeitarbeitsbranche will angesichts der Debatte um schlechte Arbeitsbedingungen unsaubere Praktiken nicht hinnehmen. „Immer dort, wo illegale beziehungsweise unethische Machenschaften im Zusammenhang mit Zeitarbeitseinsätzen praktiziert werden, distanzieren wir uns ausdrücklich hiervon“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ), Werner Stolz. Die Mitglieder des Verbands hätten sich einem Ethikkodex verpflichtet und arbeiteten zudem mit einer Schlichtungsstelle zusammen.

Rund 90 Prozent der Zeitarbeiter bei den Mitgliedsfirmen hätten einen unbefristeten Arbeitsvertrag, betonte Stolz. Der iGZ ist einer der Arbeitgeberverbände der Branche und vertritt nach eigenen Angaben rund 2700 mittelständische Unternehmen.


Mitarbeit: Carina Groh-Kontio

Kommentare zu " Umstrittene Leiharbeiter: Wie Amazon an Glanz verliert"

Alle Kommentare
  • Typisch deutsche Empörungsmentalität, von Apple über ein Klinkerhaus in Grosburgwedel, Banken in Zypern, der Papst tritt selbst zurück, ESM, jetzt halt AMAZON. In 5 Tagen ist dann die nächste Sau dran über die man sich empören kann. Wie schön auch, dass Frau von der Leyen jetzt aufgeschreckt ist, guten Morgen auch. Das Leiharbeitsthema ist ja auch ganz was neues. Man sieht dort vor lauter schwarzen Schafen das weisse nicht mehr, ist alles hinlänglich bekannt, nur könnte man ohne die Leihsklaventreiber die Arbeitslosen Statistik nicht so schön klein rechnen. Neu ist allerdings, dass nicht mehr nur deutsche Harzer ausbeutet werden, sondern die Skalven aus der ganzen EU kommen. Endlich hat mal einer die Vorteile eines gemeinsamen Binnen Marktes erkannt.
    Wenn man politisch wirklich wollte hätte man das Problem schon längst durch einen flächendeckenden Mindestlohn lösen können. Aber wer will schon seiner Klientel / Koalitionspartner wehtun? So tut man mal wieder betroffen und hofft dass das Thema wieder in der Versenkung verschwindet, dann kann man sich auch wieder ablegen bis zur nächsten Empörung.
    Die kommt bestimmt, spätestens wenn mal einem auffällt, dass Sklaven keine Beiträge ins Sozialsystem zahlen. Denn wenn die Rente knapp wird, dann ist Schluss mit lustig, dann ist in Berlin ganz schnell Götterdämmerung. Robespierre wurde zuerst auch nicht ernst genommen, aber ist der Kopf erst mal ab ändert sich auch die Sichtweise.

  • Lieber ein sog. „Gut Mensch“ als schlechter Mensch! Das Firmen überhaupt so arbeiten können, haben doch die Herrschenden erst zu verantworten. Ausbeuterlöhne zahlen, durch weltweite Filialen, fallen fast bis keine Steuern an. Der Mittelstand zahlt die Zeche. Zum anderen gibt es Millionen von Menschen, die weniger als 5 Euro die Stunde bekommen, die können sich teure Ware, wohl schlecht leisten.

  • Und wen wählen Sie dann dieses Jahr???

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