Umstrittener Vertrag
Sorglos-Paket für Arcandor-Chef Eick

Während mehr als 40 000 Mitarbeiter des insolventen Arcandor-Konzerns um ihre Arbeitsplätze bangen, arbeitet der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens mit Risiko Null. Mindestens zehn Millionen Euro erhält Karl-Gerhard Eick von Arcandor - ganz gleich, ob er noch drei Wochen bleibt oder bis zum Ende seines Vertrags 2014.

ESSEN. Der Vorstandsvorsitzende des Essener Arcandor-Konzerns, Karl-Gerhard Eick, bleibt von der Insolvenz seines Unternehmens finanziell völlig unberührt. Wie Eick in einem Interview mit der "Bild-Zeitung" erklärte, ist sein Fünfjahresertrag bei Arcandor vom Großaktionär Sal. Oppenheim garantiert. Seine Vergütung enthalte zwei Millionen Euro Grundgehalt sowie eine Millionen Euro variable Prämie. Hinzu kommt ein weiterer erfolgsabhängiger Bonus, der sich am Aktienkurs von Arcandor orientiert. Weder die Insolvenz noch ein vorzeitiges Ausscheiden von Eick würden daran ändern, dass er mindestens zehn Millionen Euro von Arcandor erhält.

Eick bezeichnete diese Regelung als fair: "Da ich einen Vier-Jahres-Vertrag bei der Telekom hatte, war es doch klar, dass der Vertrag bei Arcandor dieselbe Sicherheit haben muss wie bei der Telekom", sagte er. Dort habe er zuletzt 2,8 Millionen Euro verdient.

Beim schlingernden Arcandor-Konzern kann Eick aber sogar ein Vielfaches seines Telekomgehalts kassieren. Die zweite Erfolgsprämie sieht vor, dass er 1,5 Prozent vom Wertzuwachs der Arcandor-Aktie erhält. Dies bedeutet, dass Eick für jeden Euro, den die Arcandor-Aktie steigt, rund 3,5 Millionen Euro Prämie erhält. Bei seinem Amtsantritt am ersten März 2009 lag der Kurs bei 1,34 Euro. Sollte Eick die Aktie zurück auf den Kurs von zehn Euro führen, wo sie vor einem Jahr notierte, stünden ihm 30 Millionen Euro Bonus zu.

Eicks Vorgänger hatte 2007 einen Aktienkurs von "40 Euro plus x" als realistisch bezeichnet. Für Eick würde ein Aktienkurs von 40 Euro eine Prämie von 133 Millionen Euro bedeuten. Der Bonus wird direkt vom Großaktionär Sal. Oppenheim gezahlt.

Aktionärsschützer bezeichnen Eicks Vertrag als fragwürdig. "Als erstes müsste man fragen, ob der Vorstandschef eigentlich nur kassiert, wenn der Aktienkurs steigt, oder ob er auch etwas zahlt, wenn der Kurs sinkt", sagt Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutionelle Privatanleger. "Dem Anreiz muss ja auch eine Verantwortung gegenüberstehen." Gefährlicher noch als die Sorglos-Regelung, sei die Loyalitätsverschiebung, die Eicks Vertrag mit sich bringe, sagen Kritiker. Ein Vorstandsvorsitzender sei rechtlich allen Aktionären gleichermaßen verpflichtet.

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