Umstrukturierung
Lufthansa konzentriert Billigflieger in Köln

Die Lufthansa setzt ihre Pläne für den Umbau ihres Billigflug-Angebots um. Einige Töchter werden unter dem Dach der Tochter Germanwings in Köln zusammengefasst. Zwei andere mögliche Standorte haben das Nachsehen.
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FrankfurtDie Lufthansa zieht ihre umstrittenen Pläne für eine konzerninterne Billigfluglinie durch. Zum Jahreswechsel werden die Lufthansa-Direktverkehre mit der Tochter Germanwings kommerziell und organisatorisch zusammengeführt, beschloss am Mittwoch der Vorstand der größten Fluggesellschaft Europas in Frankfurt. Dafür wird keine neue Gesellschaft gegründet, sondern die bereits bestehende Germanwings GmbH als Basis genutzt. Der Sitz des Unternehmens bleibt Köln. Unter anderem waren auch Berlin und Düsseldorf im Gespräch.

Auch Flugzeuge der Lufthansa Tochter Eurowings sollen im Auftrag der neuen Gesellschaft fliegen, die dann über 90 Jets der kleineren Airbus-Reihen verfügt. Sie wird für alle Flüge außerhalb der Drehkreuze München und Frankfurt zuständig sein. Im ersten Jahr sollen rund 18 Millionen Passagiere befördert werden, teilte Lufthansa weiter mit. Ein Markenname für die neue Gesellschaft steht noch nicht fest und soll erst in den kommenden Monaten gefunden werden.

Den Lufthansa-Aktien hat die Ankündigung der neuen Billigfluglinie am Donnerstag Auftrieb gegeben. Die Papiere der Fluggesellschaft lagen am Morgen 1,3 Prozent im Plus, während der Dax 0,6 Prozent niedriger notierte.

Die Gesellschaft werde als Teil des Lufthansa Airline Verbundes mit entsprechendem Qualitätsanspruch unterwegs sein, kündigte Vorstandschef Christoph Franz an. Die Bündelung der Direktverkehre berge erhebliche Effizienzpotenziale. Ziel sei es, die Verkehre unter dem Dach einer Gesellschaft wieder profitabel zu machen. Bislang fliegt Lufthansa in diesem von Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet angegriffenen Bereich hohe Verluste ein.

Die Gewerkschaften wehren sich gegen ein deutlich niedrigeres Tarifniveau im Vergleich zur Lufthansa-Passage. Die Entgelte für die rund 2000 Flugbegleiter sind nach den Streiks auch inoffizielles Thema der Schlichtungsgespräche mit der Kabinengewerkschaft Ufo.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft liegen die Gehälter der Germanwings-Flugbegleiter rund 40 Prozent unter Lufthansa-Niveau. Rund 1200 der 18 000 Stewards und Stewardessen der Lufthansa müssten demnach in die neue Gesellschaft wechseln. Das Unternehmen hatte aber zugesichert, dass sie Angestellte der Lufthansa bleiben könnten.

Um gutes Wetter bemüht sich die Lufthansa bei ihren Kunden. Rund 90 000 vom Streik getroffenen Fluggästen habe man jeweils einen Gutschein über 20 Euro übermittelt, berichtete ein Sprecher. Voraussetzungen waren ein ausgefallener oder mindestens um zwei Stunden verspäteter Flug sowie die an Lufthansa übermittelte E-Mail-Adresse. Die Bonus-Codes seien als Dankeschön für das Verständnis gedacht und können ein ganzes Jahr lang eingelöst werden. Es handele sich um eine reine Geste, verpflichtet sei das Unternehmen dazu nicht.

Zudem teilte die Lufthansa mit, am Frankfurter Flughafen ein modernes Logistikzentrum zu errichten. Der Nachfolge-Bau des über 30 Jahre alten Lufthansa Cargo Centers soll im Jahr 2018 in Betrieb genommen werden. Die Investitionssumme liege im mittleren dreistelligen Millionenbereich.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • LH hätte auf CGN verzichtet um sich in BER als die Nr.1 Airline - wohl mit beiden Produkten Direkt und Klassik zu positionieren.
    Es kam aber anders als das Konzept der Leiharbeit für Flugbegleiter am Berliner Standort kippte und der Termin für die Flughafeneröffnung zum x-mal verschoben wurde.
    Die Lücke in CGN hätte auch Easyjet gelockt. Der Ertrag in Köln ist relativ hoch wegen dem größeren Anteil an Geschäftsverkehr als z.B. Berlin. Easyjet hat für dieses Klientel das passendere Produkt als Ryanair. Besonders was das Anfliegen von Hauptflughäfen betrifft.

  • Auch relativ geschickt von LH auf diese Weise Ryanair von Köln fernzuhalten. Wäre LH weggegangen, dann hätte der Flughafen keine Rücksicht mehr auf LH nehmen müssen und hätte sich mit Ryanair eingelassen.

    Es ist ja bekannt, dass Ryanair sofort zugreifen würden, wenn sie billig ab CGN starten könnten - ist schließlich anders als Hahn und Weeze ein Großstadtflughafen mit bester Anbindung

  • Das sehe ich auch so. Man hätte es der LH nicht übel nehmen können wenn sie wegen der Subventionen nach BER gegangen wären.

    Das ist eher ein Problem der Subventionitis, an der Deutschland krankt und bei der am Ende nur der Steuerzahler der Dumme ist.

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