Unbefristete Streiks: Lokführer nehmen Industrie ins Visier

Unbefristete Streiks
Lokführer nehmen Industrie ins Visier

Die Lokführer haben sich für unbefristete Streiks ausgesprochen. Bahnkunden und Industrie müssen sich auf Chaos einrichten. Politiker befürchten einen großen Schaden - für die Bahn.
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FrankfurtNach dem Reiseverkehr nehmen die Lokführer jetzt die Industrie mit Dauerstreiks ins Visier. Besonders die Stahlbranche muss sich noch diese Woche auf massive Behinderungen einstellen. Am Montag sprachen sich mehr als 90 Prozent der Lokführer per Urabstimmung für einen regulären Dauerstreik aus. „Die Situation ist ernst“, sagte GDL-Gewerkschaftschef Claus Weselsky in Frankfurt. Zwar solle auch der Personenverkehr wie in den drei Warnstreiks zuvor getroffen werden, der Schwerpunkt liege aber diesmal auf dem Güterverkehr der Deutschen Bahn. Diese erklärte, sie setze weiter auf Gespräche: „Der gordische Knoten kann nur auf dem Verhandlungsweg zerschlagen werden“, sagte Personalvorstand Ulrich Weber. Verkehrsminister Peter Ramsauer rief die GDL erneut zur Mäßigung auf.

Auch bei der FDP stießen die bevorstehenden Streiks auf massive Kritik. "Ein flächendeckender Streik wird das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Bahn weiter beschädigen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Döring, Handelsblatt Online. Er könne daher nur hoffen, dass die Gewerkschaft GDL von ihrem Streikrecht "vernünftigen Gebrauch" mache. "Denn wenn am Ende die Kunden ausbleiben, haben die Arbeitnehmer den größten Schaden", warnte Döring.

Die GDL will mit den Streiks höhere Löhne sowie einen Branchentarifvertrag für alle 26.000 Lokführer im Nah-, Fern- und Güterverkehr erzwingen. Zuvor waren die Verhandlungen sowohl mit der DB als auch deren privaten Konkurrenten im Personenverkehr gescheitert. Lediglich mit den privaten Güterbahnen, deren Marktanteil bei 25 Prozent liegt, wird noch gesprochen.

Damit muss sich vor allem die Stahlindustrie im Westen Deutschlands auf massive Behinderungen einstellen. Die Stahlbranche ist der wichtigste Kunde der Güterbahn. Die Lokführer könnten zudem die Autoindustrie empfindlich treffen: Die auf Hochtouren produzierenden Werke sind beim Export auf den Transport der Autos in Nordseehäfen wie Emden angewiesen.

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  • Die Autos, die dank GDL nicht mehr via Emden exportiert werde können, kann man dann gleich den vielen Ex-Bahnkunden verkaufen, die künftig auf die Strasse wechseln. Die Lokführern täten gut daran, über den beschränkten Blickwinkel des Führerstands hinaus zu schauen und sich zu überlegen, wer am Schluss die Zeche bezahlt.

  • Dann wird der Güterverkehr eben noch stärker auf die Straße verlagert und die Lokführer streiken sich noch ein Stück näher an die Arbeitslosigkeit. Man sollte sich nie zu sehr in Sicherheit wähnen.

  • Guttenberg ist zurückgetreten und hat für den Bundesbürger dabei keinen finanziellen Schaden hinterlassen. Die Herren Weswelsky, Bsirske und Sommer aber bereichern sich auf Kosten ihrer Kunden und sind in meinen Augen soziale Brandstifter und Abzocker. Holger Börner, ehem. Ministerpräsident von Hessen, sagte mal: solch eine Brut sollte man mit Dachlatten aus ihren Palästen jagen - dem stimme ich voll zu. Diese scheinheilige Art - wir wollen doch den Bahnkunden nicht verprellen, son-dern die Arbeitgeber treffen ist an Zynismus nicht zu überbieten!

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