Under Armour, St. Pauli
Sturm im Hamburger Kiez

Es ist fast drei Monate her, seit der FC St. Pauli die US-Marke Under Armour als neuen Sponsor verpflichtet hat. Ein Bericht über das Sport-Label sorgt jetzt für Empörung unter Fans. Was ist passiert?

MünchenUnder Armour? Nie gehört! So reagieren die meisten Deutschen, wenn sie auf die Marke von der amerikanischen Ostküste angesprochen werden. Hierzulande kannten bislang höchstens eingefleischte Ausdauersportler das Label aus Baltimore. In dieser Woche allerdings haben sich auf einmal Tausende mit dem Adidas-Konkurrenten beschäftigt. Auslöser war eine Titelseite der „Hamburger Morgenpost“. Die Zeitung hat öffentlichkeitswirksam und in großen Lettern gefragt, ob die Firma tatsächlich als neuer Sponsor zum Zweitligisten FC St. Pauli passe. Schließlich pflege Under Armour ein martialisches Image in seiner Heimat, rüste Jäger, Polizisten und Militärs aus und stehe der Waffenlobby nahe. Der Kiez-Club aus Hamburg hingegen werbe doch für ein friedliches Miteinander, für Multikulti und Toleranz. Daraufhin wurden die schon länger im Internet laufenden Diskussionen unter den St-Pauli-Fans noch einmal angefeuert; viele üben seither harsche Kritik an dem Deal.

„Bin entsetzt von eurem neuen Sponsor“, lautet ein typischer Kommentar auf Facebook. Oder: „Ich bin unfassbar enttäuscht von dieser Entscheidung und erwarte eigentlich, dass ihr diesen Deal wieder abgebt!“ Und: „Das geht gar nicht und passt so gut zusammen wie der Papst auf'n Kiez.“

Der Verein freilich steht felsenfest zu dem Vertrag. Vizepräsident Joachim Pawlik war vor einiger Zeit in der Zentrale in Baltimore – und dabei sehr angetan vom neuen Partner. „Wir haben sehr offen und transparent diskutiert und Dinge angesprochen. Es war von beiden Seiten ein sehr spürbares Interesse da, einander kennen zu lernen und sich gegenseitig zu verstehen.“ Das positive Urteil ist nicht weiter überraschend: Die Führungsriege wusste von vornherein ganz genau, mit wem sie sich einlässt. Under Armour macht schließlich kein Geheimnis aus seiner Produktpalette.

In den USA ist Under Armour eine große Nummer, der Konzern hat den deutschen Rivalen Adidas als Nummer zwei in den Sportgeschäften bereits abgelöst. Seit einigen Monaten greift das Label aus Baltimore auch in der Heimat der Marke mit den drei Streifen an. Erst vor ein paar Wochen hat Konzernchef Kevin Plank gemeinsam mit mehreren Hundert Gästen die neue Deutschland-Zentrale in München eröffnet. Vor Reportern gab sich der 43-Jährige Firmengründer damals angriffslustig: 'Wir wollen eine wahrhaft globale Marke werden.' Das gehe nur, wenn Under Armour auch in Deutschland erfolgreich sei.

Um bekannt zu werden, steigen die Amerikaner deshalb ins Sportsponsoring ein. Aber nicht bei einem Bundesligisten wie Ende vergangenen Jahrzehnts, als Under Armour drei Jahre lang Hannover 96 ausstattete. Diesmal gibt sich die Marke mit dem Zweitligisten FC St. Pauli zufrieden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%