Unfälle und Fehler
Wie das Gift ins Germanwings-Cockpit kam

Gerne würde die Lufthansa bekanntgeben können, dass Ölaustritte seltener sind als befürchtet. Doch seit Jahren schlägt sich der Konzern mit dem Problem herum - mit gravierenden Folgen für Insassen und Bordpersonal.
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FrankfurtDas Thema ist fast so alt wie die zivile Luftfahrt mit Düsentriebwerken: Ist das System, das die Kabine und das Cockpit mit Atemluft versorgt, wirklich sicher? Ein aktueller Bericht über einen schweren Vorfall bei der Lufthansa-Tochter Germanwings Ende 2010 hat jetzt die Debatte über das heikle Thema massiv angeheizt.

Was der von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig am vergangenen Donnerstag publizierte Zwischenbericht beschreibt, hat es in sich. Es geht um einen Flug von Wien nach Köln/Bonn am 19. Dezember 2010. Kurz vor der Landung nehmen beide Piloten einen seltsamen Geruch wahr, den sie später als "elektrisch-süßlich" beschreiben. Eine Rückfrage beim Kabinenpersonal ergibt, dass der Geruch nur im Cockpit auftaucht.

Zunächst scheint der Geruch wieder nachzulassen, dann meldet der Kopilot, dass ihm "kotzübel" sei und er die Sauerstoffmaske aufsetzen werde. Kurze Zeit später bemerkt auch der Flugkapitän ein Kribbeln in Händen und Füßen sowie eine Beeinträchtigung seiner Sinne. Auch er greift zur Sauerstoffmaske.

Doch während der Kapitän schnell eine Besserung verspürt, geht es seinem Kopiloten zunehmend schlechter. Der Kapitän meldet Luftnotlage an den Tower und bittet um eine bevorzugte Landung. Der Kopilot ist mittlerweile so weit beeinträchtigt, dass er den Dingen im Cockpit kaum noch folgen kann. Auch der Kapitän leidet unter der extremen Situation, kann die Maschine aber am Ende sicher landen. Erst als sofort die Feuerwehr und der Notarzt am Flugzeug auftauchen, merken die Passagiere, dass da etwas nicht stimmt.

Germanwings selbst stuft den Fall als "gravierend" ein, wie ein Sprecher des Unternehmens erklärte. Den Vorwurf, den Vorfall in der Meldung vom 20. Dezember 2010 an das BFU verharmlost zu haben, weist der Sprecher aber vehement zurück. Auch wenn es eine Extremsituation gewesen sei, der Kapitän habe auf Befragung angegeben, die Situation jederzeit im Griff gehabt zu haben.

Das BFU war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Behörde weist aber auf seiner Internetseite darauf hin, dass ein Zwischenbericht nur einen Recherchestand wiedergebe, damit weder eine Wertung noch ein abschließendes Urteil darstelle.

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Längst kein Einzelfall

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  • An sich müsste es eine Anweisung geben, dass die Piloten sofort nach dem Bemerken von Qualm oder unnatürlichen Gerüchen die Sauerstoffmaske aufsetzten. So würde das Einatmen von Fremdstoffen verringert. Solche Fremdstoffe lagern sie auch an den Lüftungseinrichtungen wie Filter oder Lüftungsgittern ab und können chemisch untersucht werden. Warum dieses durch die zuständige Behörde nicht veranlasst wurde sollte von der Politik geprüft werden.

  • Es geht wohl nicht um verbranntes Öl.
    Die Einwirkung auf die Piloten nur während des Queranflugs
    hat schon dazu geführt, dass sich Arme und Beine taub
    an fühlten (beim Copiloten) und Tunnelblick beim Piloten
    auftrat.
    Die Piloten sprechen von "eine Mischung aus verbrannt und elektrisch Riechendem".
    Siehe Zwischenbericht der BFU
    http://tinyurl.com/btotx44

  • Wenn man davon ausgeht, daß 80% aller Flüge überflüssig sind, kann ein bischen Angst bei den Umweltverschmutzern nicht schaden.

    Wenn dann wirklich mal was passiert, ist das ein Prozess der natürlichen Auslese.

    Zusätzlich zu den Giftwolken gibt es auch noch eine harte Gamma-Strahlung über den Wolken. Deswegen tragen die Crew-Mitglieder ein Strahlen-Meßgerät.

    Ist die Grenz-Dosis erreicht, müssen die Leute pausieren.

    Also, wer sich in Gefahr begibt, kann darin umkommen, genauso wie der Raucher.

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