United Technologies will Rockwell Collins Mega-Übernahme in der Luftfahrtindustrie

United Technologies will sich den Flugzeugausrüster Rockwell Collins schnappen. Das Kaufangebot liegt bei 30 Milliarden Dollar. Airbus und Boeing machen Druck beim Einkauf – der US-Konzern wehrt sich mit der neuen Größe.
Update: 05.09.2017 - 11:31 Uhr Kommentieren
Turbine des Tochterunternehmens Pratt & Whitney: Der US-Mischkonzern United Technologies will Rockwell Collins kaufen. Quelle: Pratt & Whitney
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Turbine des Tochterunternehmens Pratt & Whitney: Der US-Mischkonzern United Technologies will Rockwell Collins kaufen.

(Foto: Pratt & Whitney)

Cedar Rapids/FarmingtonIn der Luftfahrtbranche bahnt sich eine der größten Übernahmen ihrer Geschichte an: Der US-Mischkonzern United Technologies will den Flugzeugausrüster Rockwell Collins für insgesamt 30 Milliarden US-Dollar (25 Milliarden Euro) kaufen und mit seinen in diesem Bereich tätigen Sparten zusammenlegen. Das teilten beide Unternehmen am späten Montagabend mit.

Damit will United Technologies sich besser gegen Druck der beiden großen Flugzeughersteller Airbus und Boeing bei den Verhandlungen wappnen – zudem rechnet der Konzern mit deutlich niedrigeren Kosten nach dem Zusammenschluss.

„Das ist ein bedeutsamer Deal für United Technologie, alle Flugzeugausrüster und die Luftfahrtindustrie insgesamt“, sagte Unternehmens- und Technologieberater Hans Weber von Tecop International zur Nachrichtenagentur Bloomberg. „Rockwell Collins ist der Zulieferer für die Bordelektronik der 787. Mit der Übernahme wird United Technologies zu einem Zulieferer von besonderer Wichtigkeit für Boeing.“ Der Konzern sei in einer starken Verhandlungsposition, wenn Boeing den Preisdruck auf seine Lieferanten erhöhe.

Die Verhandlungen über einen Zusammenschluss liefen seit Monaten. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte Ende August von einem Insider von Fortschritten erfahren. United Technologies ist der Mutterkonzern des Triebwerkbauers Pratt & Whitney und des Fahrstuhl- und Rolltreppenanbieters Otis. Rockwell Collins hatte erst im April den auf Flugzeugkabinen spezialisierten Konzern BE Aerospace für 8,6 Milliarden Dollar (inklusive Schulden) übernommen. Der Milliardenzusammenschluss bildet den Höhepunkt einer Konsolidierungswelle, die den Markt der Flugzeugzulieferer bereits vor einiger Zeit erfasst hat und durch notwendige teure Investitionen in Zukunftstechnologien wie 3D-Druck und die Vernetzung von Werken ausgelöst wurde.

Das sind die größten Luftfahrtkonzerne der Welt
Platz 10: Safran
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Der französische Konzern verbuchte 2016 einen Ertrag von 18,2 Milliarden Dollar (Vorjahr: 18,0 Milliarden). Safran ist nach Rolls-Royce Europas zweitgrößter Hersteller von Flugmotoren und Strahltriebwerken. In puncto Ertragswachstum lagen die europäischen Unternehmen mit 3,7 Prozent klar vor der US-Konkurrenz (2,4 Prozent) und setzten damit den Trend des Vorjahres fort.

(Quelle: Deloitte Global Aerospace & Defence Sector Financial Performance Study 2017)

Platz 9: Raytheon
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Der US-Hersteller produziert vor allem für das Militär. Der Rüstungskonzern erreichte 2016 einen Ertrag von 24,1 Milliarden Dollar (Vorjahr: 23,2 Milliarden ). Dank der leistungsstarken US-Rüstungsindustrie und einer hohen weltweiten Nachfrage wuchsen die Erträge im militärischen Sektor bei den US-Unternehmen insgesamt um 2,1 Prozent.

Platz 8: BAE Systems
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Der britische Rüstungs- und Luftfahrtkonzern kletterte in der Rangliste vom neunten auf den achten Platz. 2016 betrug der Ertrag 24,1 Milliarden Dollar (Vorjahr: 22,8 Milliarden). In Europa legte der Ertrag im militärischen Sektor laut Studie um insgesamt 0,6 Prozent zu.

Platz 7: Northrop Grumman
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Der US-Hersteller von Rüstungstechnik für Luft- und Raumfahrt machte 2016 einen Ertrag von 24,5 Milliarden Dollar (Vorjahr: 23,5 Milliarden Dollar). Die Wachstumsrate der Gesamtbranche fiel von 3,8 Prozent im Jahr 2015 auf 2,4 Prozent im Jahr 2016. Sie war damit immer noch um 0,1 Prozentpunkte höher als das globale Wirtschaftswachstum.

Platz 6: GE Aviation
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Das Unternehmen gehört zur US-Konzern General Electric. Der Konzern erzielte 2016 einen Ertrag in Höhe von 26,3 Milliarden Dollar (Vorjahr: 24,7 Milliarden). GE Aviation stellt Flugzeugtriebwerke für den zivilen und den militärischen Gebrauch her. Insgesamt zeigte die Luftfahrtbranche 2016 bei einem Gesamtertrag von 674,4 Milliarden Dollar ein verlangsamtes Wachstum.

Platz 5: United Technologies
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Der US-Hersteller von Technologieprodukten hat seinen Hauptsitz in Connecticut. Neben Luft- und Raumfahrt ist der Konzern auch in den Bereichen Klimaanlagen, Aufzugsanlagen und Rolltreppen tätig. Der Ertrag im Luftfahrtbereich lag 2016 bei 28,9 Milliarden Dollar (Vorjahr: 27,8 Milliarden Dollar).

Platz 4: General Dynamics
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Der Konzern ist neben Boeing der größte Hersteller von Lenkflugkörpern in den USA. Der Konzern baut neben Raketen auch Hubschrauber sowie Panzer und fertigte 1954 mit der USS Nautilus das erste nuklearbetriebene U-Boot der Welt. Im vergangenen Jahr betrug der Ertrag 31,4 Milliarden Dollar (Vorjahr: 31,5 Milliarden).

Den Aktionären von Rockwell Collins werden insgesamt 140 Dollar je Aktie geboten – davon der Großteil von 93,33 Dollar in bar. Dies entspricht einem Aufschlag von fast 18 Prozent auf den Schlusskurs vom 4. August. Der Rest soll in United-Technologies-Anteilen bezahlt werden. An der Börse hatte eine Rockwell-Collins-Aktie zuletzt 130,61 Dollar gekostet. Seit den ersten Berichten über die Verhandlungen waren die Aktien von Rockwell um fast zehn Prozent gestiegen und die von United um knapp drei Prozent gefallen.

Insgesamt ist die Aktienofferte damit rund 23 Milliarden Dollar hoch. Inklusive Schulden werde das Unternehmen, das in diesem Jahr auf einen Umsatz von etwas mehr als acht Milliarden Dollar kommt, mit 30 Milliarden Dollar bewertet. Die beiden Unternehmen rechnen damit, dass die Transaktion im dritten Quartal 2018 abgeschlossen sein wird. United und Rockwell kommen zusammen auf einen Jahresumsatz von mehr als 62 Milliarden Dollar. Ihr Großkunde Boeing erlöst etwa 95 Milliarden Dollar.

Die neue Unternehmenseinheit aus Rockwell Collins und dem bisherigen Luftfahrtgeschäft von United Technologies soll unter dem Namen Collins Aerospace Systems an den Start gehen. Rockwell-Collins-CEO Kelly Ortberg soll Chef der Einheit werden, der bisherige Chef des United-Luftfahrtgeschäfts Dave Gitlin Präsident und Vorstand für das Tagesgeschäft. „Durch diese Übernahme erhalten wir riesige Möglichkeiten im Luftfahrtgeschäft“, ließ sich United-Technologies-Chef Greg Hayes zitieren. Das Ziel sei es, Flugzeuge „intelligenter und vernetzter“ zu machen.

Die Geschichte von Rockwell Collins geht bis ins Jahr 1933 zurück: Arthur Collins gründete Collins Radio, das zunächst Radio- und Kommunikationsausrüstungen herstellte. 1973 wurde das Unternehmen von Rockwell International aufgekauft und 2001 unter dem Namen Rockwell Collins wieder ausgegliedert. United Technologies ging 1934 aus der Aufspaltung der United Aircraft and Transport Company hervor – eines Konglomerats, zu dem unter anderem auch Boeing und die jetzige Tochter Pratt & Whitney gehörten.

  • dpa
  • rtr
  • Bloomberg
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