„Unmittelbare Sicherheitsmängel“
Bahn hat Milliarden-Problem mit maroden Brücken

Die Deutsche Bahn hat ein teures Problem: Ein Viertel aller Bahnbrücken hat „unmittelbare Sicherheitsmängel“, ergab eine Untersuchung des Eisenbahn-Bundesamtes. Jetzt verlangt der Konzern mehr Geld vom Bund.
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BerlinDie Deutsche Bahn hat ein milliardenschweres Problem mit maroden und oft über 100 Jahre alten Brücken. Bei einem Viertel aller Überführungen stellte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) „unmittelbare Sicherheitsmängel“ fest, wie der Prüfbericht der Behörde ergab, der der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlag. Sie verlangt auch deswegen vom Bund künftig 1,5 Milliarden Euro jährlich mehr für das Netz.

Zudem soll in den kommenden beiden Jahren rund eine Milliarde Euro des Bundes für den Strecken-Neubau in das bestehende Netz investiert werden. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Toni Hofreiter, zeigte sich empört: „Es ist dreist von der Bahn, jetzt zusätzliches Geld zu fordern, wo sie jahrelang bei der Instandhaltung der Brücken geschlampt hat“, sagte der Grünen-Politiker.

Ausgelöst hatte die Sonderprüfung die Bahn selbst, die vom Bund bereits im Frühjahr eine massive Aufstockung der Mittel für Ersatzinvestitionen verlangt hatte. Als Begründung wurde unter anderem der Zustand ihrer insgesamt 27.000 Brücken aufgeführt. Die Bahn-Tochter DB Netz bestätigte in einem Schreiben an das Verkehrsministerium die Mängel an den meisten untersuchten Brücken, betonte jedoch, dass „in keinem Fall eine akute Gefährdung des Eisenbahnbetriebs“ gegeben sei.

Ein Bahn-Sprecher ergänzte, der Konzern habe zudem in den vergangenen zwei Jahren jeweils 1,4 Milliarden Euro aus eigenen Mitteln in die Instandhaltung investiert. Gefordert gewesen sei eigentlich nur eine Milliarde Euro.

Das Eisenbahnbundesamt untersuchte in einer Schwerpunktprüfung 257 Bauwerke. Neben den Sicherheitsmängeln bezogen auf Stand-, Betriebs- oder Verkehrssicherheit wurden auch Akten zu den Anlagen geprüft, die ebenfalls in vielen Fälle lücken- oder fehlerhaft waren.

Obwohl DB Netz ein eigenes Sicherheits-Managementsystem habe, seien "Mängel insbesondere in der Umsetzung der vorgegebenen Prozessabläufe festzustellen", kritisiert die Behörde. „Diese Aufsichtsergebnisse zeigen, dass die Eisenbahnaufsicht durch das EBA unverzichtbar ist.“

Die Bahn erhält bislang jährlich 2,5 Milliarden Euro aus Steuermitteln für Ersatz-Investitionen in das Netz inklusive der Brücken. Nach Angaben des Verkehrsministeriums sind davon fast 500 Millionen Euro für Überführungen berechnet worden, dazu kommen 250 Millionen Euro für die regelmäßige Wartung, die das Unternehmen selbst zahlen muss.

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  • Allen Beteiligten dürften diese Probleme schon lange bekannt sein, wurden notwendige Instandsetzungen vom Vorstand mit Blick auf den von der Politik angeordneten Börsengang vorsätzlich verschleppt. Den Preis für diese kurzsichtige Politik (!) hätten danach zuerst die sog. Investoren und schließlich die Kunden bezahlt. Da aus diesem Betrug nichts wurde, bleiben die Kosten schließlich am Steuerzahler hängen. Wenn ich mich richtig erinnere, wurden die Vorstandsgehältern unter Herrn Mehdorn um 400% angehoben.

  • Aber ja doch, man stelle sich vor, Stuttgart 21 geht 2030 in Betrieb und kein Zug kommt... und wir fliegen alle mit unseren neuen Flugautos die läppischen 613 Kilometer zwischen Hamburg und München in nur 2 Stunden.

    Merke: die deutsche Bahn taugt nur für den Güterverkehr und das noch nicht mal richtig, weil die Prioritäten falsch liegen!

  • @realo

    Real hat das E-Netz der Bahn 16 2/3 Hz Wechselspannung, das Allerwelts-E-Netz dagegen 50 Hz. Mit Bahnstrom würde ihr Licht ganz schön flackern. Gelt, REALO

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