Unsichere Finanzierung
Börse bestraft Air Berlin für Großauftrag an Boeing

Trotz einer positiven Quartalsbilanz und eines optimistischen Ausblicks für das nächste Jahr haben die Anleger die Billig- und Charterfluggesellschaft Air Berlin gestern mit einem Kursrückgang von mehr als 13 Prozent auf gut 14 Euro abgestraft. Als Grund dafür sehen Analysten, dass das Unternehmen für seine weitere Expansion zwar die Bestellung von 85 neuen Flugzeugen beim US-Hersteller Boeing angekündigt, zugleich aber erklärt hat, dass die Finanzierung des Deals noch offen sei.

ek DÜSSELDORF. Air Berlin ist nach Lufthansa die zweitgrößte Airline in Deutschland. Die Fluggesellschaft, die rechtlich als britische Plc aufgestellt ist und im Frühjahr einen eher schwachen Börsenstart hingelegt hat, hat im September die Airline DBA übernommen und danach einen Höhenflug an der Börse erlebt. Die Zeit von Juli bis September – die touristische Hauptsaison – sei „das beste Quartal in der Geschichte von Air Berlin gewesen, obwohl wir uns mehr versprochen hatten“, sagte Vorstandschef Joachim Hunold am Dienstag vor Journalisten. Dass das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres lediglich von 51,7 Mill. Euro auf 54,3 Mill. Euro gestiegen sei, führte der Air Berlin-Chef auf die Terroranschläge in der Türkei und die vereitelten Bombenanschläge in London zurück.

Bei den Kosten hätten die hohen Kerosinpreise alle Versuche, günstiger zu arbeiten, wieder aufgezehrt. Mehr Geld gab Air Berlin für Piloten aus. Das in der Branche als äußerst sparsame bekannte Unternehmen zahlte nach Hunolds Angaben den Flugzeugführern höhere Gehälter, um Abwanderungen zu verhindern. Zum Jahresende gebe es zudem zahlreiche Neueinstellungen. Der Arbeitsmarkt für Piloten ist im boomenden Luftverkehr weltweit eng.

Die Integration von DBA in Air Berlin sei „wesentlich schneller als erwartet“ vorangegangen, sagte Hunold weiter. Vor diesem Hintergrund will der Konzern die gesamte Jet-Flotte im nächsten Jahr um knapp zehn Prozent auf rund hundert Flugzeuge aufstocken. Angepeilt sei ein Umsatzwachstum von 15 Prozent. Finanzchef Ulf Hüttmeyer sagte, die Ergebnissteigerung werde „deutlich“ ausfallen. Denkbar sei eine Ebit-Steigerung von 30 Prozent; sie könne aber auch höher ausfallen.

Die Bestellung von insgesamt 85 Flugzeugen diene mittelfristig der Flottenerneuerung und zum Teil dem Ausbau des Netzes, sagte Hunold. Zum einen handele es sich um eine Order von 25 Boeing 737-700, die bereits von DBA vor der Übernahme unterschrieben worden war. Hinzu kommen soll ein Auftrag über 60 Maschinen des Typs 737-800 der neuesten Generation. Das sei die größte 737-Bestellung der deutschen Luftfahrtgeschichte, erklärte Boeing.

Bei diesem Geschäft will Air Berlin wieder „strategischer Partner“ von Boeing sein – wie bereits bei der Erstausstattung mit Maschinen des Typs 737-800. Gegenüber dem Listenpreis, der nach Angaben von Boeing 5,1 Mrd. US-Dollar beträgt, habe man so erhebliche Rabatte ausgehandelt. Unabhängig davon werde die Gesellschaft weiter die „Zwei-Flotten-Strategie“ verfolgen und gleichzeitig Airbus-Flugzeuge betreiben und auch neu bestellen.

Analysten bewerteten Air Berlin prinzipiell positiv. Sie verwiesen aber – wie etwa HVB-Luftverkehrsexperte Uwe Weinreich – auf die Unsicherheit der Finanzierung des Flugzeug-Großauftrags, für den Finanzchef Hüttmeyer auch eine Kapitalerhöhung nicht ausschließen wollte.

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