Unterlagen beschlagnahmt
Razzia bei Ahold

Die niederländische Justiz hat Büros des in einen Bilanzskandal verwickelten Einzelhandelskonzerns Ahold und der Wirtschaftsprüfer Deloitte & Touche durchsucht. Bei der Aktion am vorigen Samstag wurden Akten beschlagnahmt, teilte die Staatsanwaltschaft in Den Haag am Montag mit.

HB/dpa DEN HAAG. Bei den Nachforschungen in der Ahold-Zentrale in Zaandam ging es nach Angaben eines Sprechers um den Verdacht der Urkundenfälschung und eventuelle falsche Angaben in den Bilanzen. Anlass für die Aktivitäten der Justiz seien Unterlagen über die Konsolidierung von Gemeinschaftsunternehmen in Schweden/Norwegen, Brasilien, Guatemala und Argentinien gewesen.

Börsianern zufolge bedeutet die überraschende Durchsuchung einen weiteren Imageschaden für den weltweit drittgrößten Einzelhandelskonzern. Die Aktien gaben gegen den Trend nach.

Ahold hatte im Februar Falschbuchungen bei Tochterunternehmen in den USA in Höhe von 970 Millionen Euro gemeldet. Am 1. Juli berichtete Ahold von weiteren Unregelmäßigkeiten in Höhe von 73 Millionen Euro, die bei internen Untersuchungen entdeckt worden seien. Um diese Probleme vor allem bei US Food Service sei es diesmal jedoch nicht gegangen, versicherte die Justiz. Dazu hat die Justiz in den USA bereits Nachforschungen begonnen, deren Ergebnis die Staatsanwaltschaft in den Niederlanden abwarten wolle.

Ahold wollte sich am Montag nicht zu den Untersuchungen der Justiz äußern. Deloitte & Touche bestätigte, dass bei der Durchsuchung von Büros in drei niederländischen Städten Akten über Ahold beschlagnahmt wurden.

Die niederländische Börsenaufsicht hatte ebenfalls im Februar eine Anzeige wegen angeblichen Insider-Handels gegen Ahold eingereicht. Die Anzeige bezog sich auf angebliche Vorgänge bei der Übernahme der argentinischen Supermarktkette Disco im Juli 2002. Ahold hatte im Februar auch „fragwürdige Transaktionen“ bei der Übernahme von Disco gemeldet.

Börsianer zeigten sich überrascht von der Razzia. „Ich habe zwar erwartet, dass noch irgendetwas kommt“, sagte Fondsmanager Gert Jan Geels von Eureffect. „Aber das habe ich nicht erwartet.“ Er fügte hinzu: „Das schadet ihrem Ruf zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, stellten sie die Dinge doch gerade so dar, als würden sie zum Alltag zurückkehren.“

Ahold-Aktien, die auf die abgeschlossene Bilanzprüfung noch mit kräftigen Kursgewinnen reagiert hatten, tendierten am Montag gegen einen sehr starken Markttrend 1,6 Prozent im Minus auf 7,58 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%