Unterlassungserklärung
Personalfirma DIS bleibt an der Börse

Unmittelbar vor seinem zweiten Anlauf, den Personaldienstleister DIS von der Börse zu nehmen, ist Vorstandschef Andreas Dinges erneut gescheitert. Der Großaktionär Adecco hat sich nach Handelsblatt-Informationen per Unterlassungserklärung verpflichtet, erst nach einem abschließenden Gerichtsurteil das geplante Delisting zu starten.

DÜSSELDORF. Ein Adecco-Anwalt bestätigte dem Handelsblatt, dass eine Unterlassungserklärung abgegeben wurde. Experten rechnen mit einem abschließenden Urteil erst in einigen Jahren. Auch Konzernchef Dinges sagte dem Handelsblatt: „Bei der Verfahrensdauer reden wir wahrscheinlich nicht über nur ein paar Monate.“ Gleichwohl handele es sich um ein Eilverfahren.

Vor einigen Wochen noch hatte Dinges angekündigt, schon auf der Hauptversammlung (HV) am Dienstag per Beschluss die Aktien aus dem Handel nehmen zu lassen. Inzwischen aber sind seine Pläne Makulatur. Weil der DIS-Chef offenbar wegen des stark gestiegenen Aktienkurses ein erneutes Abfindungsangebot an die außenstehenden Aktionäre scheut – laut Aktienrecht müsste er für die Papiere gut 100 Euro zahlen –, will er sich von der HV laut Tagesordnung lediglich die Beschlüsse des Vorjahres bestätigen lassen. Damals hatte Adecco den übrigen 17 Prozent Anteilseignern 56 Euro je DIS-Aktie geboten. Die aber zeigten sich unzufrieden und sabotierten die HV. Weil sich die Abstimmungen unplanmäßig bis nach Mitternacht hinauszögerten, stoppte das Amtsgericht Düsseldorf die Beschlüsse mit einer einstweiligen Verfügung.

Seither hat sich der mit knapp 400 Mill. Euro Umsatz fünftgrößte Personaldienstleister Deutschlands offenbar im juristischen Wirrwarr verheddert. Nachdem das Landgericht Düsseldorf die einstweilige Verfügung bestätigte, konterte die Düsseldorfer Firma mit einem Widerspruch, blieb dabei aber erfolglos. Hoffnungen darf sich DIS daher erst auf ein Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgerichts machen, das Dinges gegenüber dem Handelsblatt bereits ankündigte. Das aber wird dauern.

Vor diesem Hintergrund schätzen Rechtsexperten die Vorgehensweise des DIS-Vorstandschefs auf der Hauptversammlung am Dienstag als riskant ein. „Erweisen sich die Beschlüsse der vergangenen Hauptversammlung im Nachhinein als nichtig, gilt dies auch für deren Bestätigung“, erläutert ein unabhängiger Düsseldorfer Wirtschaftsanwalt auf Anfrage. „Der Gesellschaft bliebe damit trotz der erneuten Hauptversammlungsbeschlüsse ein wirtschaftliches Restrisiko.“ Ein voreiliges Delisting, glauben auch andere Rechtsexperten, könnte später zu hohen Schadensersatzklagen führen. Beobachter halten dies für den Grund, weshalb Adecco nun vorerst auf diesen Schritt verzichten will.

Unabhängige Rechtsexperten halten es sogar für fraglich, ob eine Bestätigung des alten HV-Beschlusses das niedrige Abfindungsangebot des Vorjahres rettet. Zuletzt nämlich hatte der Bundesgerichtshof die Höhe der Offerte stets vom Börsenkurs am Tag des HV-Votums abhängig gemacht.

Entsprechend siegessicher zeigt sich der Hedge-Fonds Elliott, der mit seinem Zehn-Prozent-Anteil schon im vergangenen Jahr die Delisting-Pläne torpediert hatte. „Der DIS-Vorstand hat die Schlacht um das Delisting verloren“, sagte Portfolio-Manager Franck Tuil dem Handelsblatt. Man werde die Anteile an dem Unternehmen weiterhin behalten, schließlich gehöre DIS mit einem Plus von zuletzt 25 Prozent zu den am stärksten wachsenden Unternehmen seiner Branche. „Selbst wenn weiterhin nur eine geringe Dividende gezahlt wird, profitieren wir vom Anstieg des Unternehmenswerts“, sagte er. Elliott war vor anderthalb Jahren zum Aktienpreis von 45 bis 60 Euro bei DIS eingestiegen. Inzwischen notiert das Papier bei 103 Euro.

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