Unternehmen wie Barceló suchen die Nähe zu Reiseveranstaltern, halten sich aber mit Aussagen zu einem Tui-Einstieg zurück
Spanische Hoteliers setzen auf weltweite Expansion

Die Gerüchteküche um Europas größten Reisekonzern Tui brodelt: Jetzt wird spanischen Hoteliers ein Interesse am Tui-Anteil über 31 Prozent nachgesagt, von dem sich die WestLB trennen will. Doch die halten sich mit Aussagen zurück: Marktführer Sol Meliá SA auf Palma de Mallorca hat Unternehmensangaben zufolge kein Gebot für das Aktienpaket der WestLB abgegeben.

BERLIN. Auch das mallorquinische Familienunternehmen Barceló hat nach eigenen Aussagen kein Gebot abgegeben – und plant das auch nicht. In Kreisen der WestLB hieß es gestern, es gibt zwar ein „grundsätzliches Interesse“ an dem Tui-Anteil, wie die Nachrichtenagentur Dow Jones meldete. Gespräche würden jedoch noch keine geführt.

Einer Expansion sind spanische Hoteliers durchaus nicht abgeneigt. Barceló-Vizepräsident Simón Pedro Barceló Vadell betonte mehrfach, man müsse sich an ausländischen Reiseveranstaltern beteiligen – oder sie sogar komplett übernehmen. Für Barceló soll das im Fall Tui aber nicht gelten. „Das wäre eine außerordentlich große Investition“, sagte ein Firmensprecher dem Handelsblatt. Daher wäre es angebracht, dass bei einer Tui-Übernahme verschiedene Unternehmen als Gruppe aktiv würden. Barceló aber halte bereits 22 Prozent an der britischen First Choice. „Damit haben wir genug zu tun“, sagte der Sprecher. Das meint auch Eggert Kuls von der Bank M.M. Warburg. „Tui ist eine ganz andere Hausnummer“, sagte er. Doch wenn gemeinsam für Tui geboten würde, „muss man das sicherlich ernst nehmen“.

Von ihrer internationalen Aufstellung her könnte der Einstieg bei Tui für die Spanier durchaus sinnvoll sein. Die ehemals stark regional beschränkten Hoteliers haben in den vergangenen Jahren kräftig in ihre weltweite Expansion investiert und wollen dies weiter tun. In der Karibik zählen sie zu den führenden Anbietern. Dank dieser Geschäfte konnten sie zuletzt die schleppende Nachfrage vor allem in ihrer spanischen Heimat abmildern.

So weist Barceló, das 1931 als kleines Transportunternehmen auf der Baleareninsel Mallorca begann, für 2003 einen Umsatz von 562,8 Mill. Euro aus. Der Nettogewinn fiel mit 9,1 Mill. Euro deutlich niedriger aus als im Krisenjahr 2002 . Der Konzern, der vorerst der Börse fernbleiben will, hat 125 Hotels in 16 Ländern. In Deutschland soll ab 2005 das erste Hotel betrieben werden.

Auch für Sol Meliá sind bessere Zeiten angebrochen. Das vor allem in Feriengebieten starke Unternehmen ist mit 329 Hotels in 30 Ländern vertreten, darunter mit zwölf Stadthotels in Deutschland. Seit 1996 ist Sol Meliá an der Börse in Madrid notiert, flog 2003 allerdings aus dem spanischen Leitindex Ibex 35. Der Nettogewinn wird für das erste Halbjahr 2004 mit 24,4 Mill. Euro angegeben, ein Plus von 137 Prozent im Vorjahresvergleich. Der Umsatz erreichte 488,5 Mill. Euro.

NH Hoteles, die spanische Nummer zwei und angeblicher Mit-Interessent für Tui, klagte über eine starke Reise-Zurückhaltung – vor allem in Deutschland. NH Hotels ist hier zu Lande seit Übernahme der Astron Hotels 2002 vertreten. Ob die Finanzkraft von NH für einen Einstieg bei Tui ausreicht, darf bezweifelt werden: So wie Sol Melía verdaut der Konzern noch die teure Expansion der Vorjahre. Der Schuldenstand bei Sol Melía überstieg Ende 2003 die Grenze von einer Milliarde Euro. Bei NH waren es 478 Mill. Euro.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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