Unternehmen zahlungsunfähig
Fleischskandal fordert womöglich erstes Opfer

Die Zusammenhang mit dem Fleischskandal in die Schlagzeilen geratene Deggendorfer Frost GmbH ist zahlungsunfähig. Das niederbayerische Unternehmen habe einen Insolvenzantrag gestellt, teilte das Deggendorfer Amtsgericht am Dienstag mit. Ein Münchner Rechtsanwalt wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

HB DEGGENDORF. Der Betrieb soll in der Vergangenheit in großem Stil Schlachtabfälle im Ausland angekauft und als Lebensmittel weiterverkauft haben. Nach dem Auffliegen des Skandals vor knapp zwei Monaten wurde Haftbefehl gegen den Chef des Deggendorfer Unternehmens erlassen.

Unterdessen hat das Deggendorfer Landratsamt als Reaktion auf einen Bericht des ARD-Magazins „Fakt“ das Unternehmen am Dienstag erneut kontrolliert. Der Sender hatte zwei aus dem Lager der Frost GmbH stammende Proben von einem Labor untersuchen lassen. Die Fleischstücke seien vor dem Einfrieren bereits zum Teil verwest gewesen und enthielten gesundheitsgefährdende Krankheitserreger, berichtete „Fakt“.

Bei der neuen Kontrolle sind nach Angaben des Landratsamtes mehrere Fleischproben genommen worden, die im Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim untersucht werden sollen. Die Kreisbehörde untersagte dem Unternehmen bis zum Vorliegen der Untersuchungsergebnisse in etwa einer Woche, das in dem Kühlhaus gelagerte Fleisch abzugeben. Das Material dürfe in der Zwischenzeit allenfalls in einer Tierkörperbeseitigungsanlage vernichtet werden, erklärte ein Sprecher des Amtes.

Das im Auftrag des ARD-Magazins untersuchte Fleisch stammt nach Angaben der Behörde möglicherweise von Paletten, die das Unternehmen zum Abtransport in die Tierkörperbeseitigungsanlage bereitgestellt hatte. Vor kurzem sollen 14 Tonnen unbrauchbares Fleisch auf diese Weise vernichtet worden sein.

Agrarminister Horst Seehofer (CSU) hatte dem Handel mit „Gammelfleisch“ vergangene Woche den Kampf angesagt. Mit einem Zehn- Punkte-Plan soll schwarzen Schafen das Handwerk gelegt werden.

Als Konsequenz aus dem Fleischskandal sollen Experten in Nordrhein-Westfalen Vorschläge für ein landesübergreifendes Konzept zu Meldepflichten und für Gesetzesänderungen ausarbeiten. Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg habe eine entsprechende Arbeitsgruppe eingesetzt, an der auch Vertreter von Staatsanwaltschaft und Polizei beteiligt seien, teilte sein Ministerium am Dienstag in Düsseldorf mit. Zunächst sollten die Erfahrungen aus den Überprüfungen zahlreicher Kühlhäuser aufgearbeitet werden, um einen einheitlichen Überwachungsstandard zu schaffen. Zudem solle eine Anzeigepflicht beim Umgang mit verdächtiger Ware geprüft werden. In Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern waren bei Kontrollen in Tiefkühllagern immer wieder größere Mengen Fleisches mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum entdeckt worden.

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