Unternehmensberatung
Booz & Company startet ins zweite Leben

Neue Strategie, neuer Name: Die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton konzentriert sich nach ihrer Trennung vom Geschäft mit Regierungsstellen in den USA ganz auf die Strategieberatung und firmiert in Zukunft unter dem neuen Namen Booz & Company. Für die Beratungsfirma beginnt jetzt eine neue Ära.

DÜSSELDORF. „Mit Booz & Company zielen wir auf die Top drei der globalen Strategieberatungen“, sagte Stefan Eikelmann, Booz-Deutschland-Chef, dem Handelsblatt. Bislang sieht er sich zusammen mit dem Wettbewerber Bain auf Rang vier.

Von ehemals 4,8 Mrd. Dollar Geschäft bleiben nach dem Split nur 1,3 Mrd. Dollar Weltumsatz. Der Finanzinvestor Carlyle übernimmt nach monatelangen Verhandlungen die Government-Sparte. Mit ihr verabschiedet auch der bisherige BAH-Chef Ralph Shrader, unter dessen Regie die Beratung von US-Steuerbehörden oder des Verteidigungsministeriums zum dominierenden Bereich der Consultingfirma aufstieg. Neuer Chief Executive Officer von Booz ist Shumeet Banerji aus dem Londoner Büro. Er leitete bislang das globale Strategiegeschäft. Das 17-köpfige Board of Directors wird Joe Saddi als Chairman führen. Die meisten der verbleibenden 200 Partner werden außerhalb der USA tätig sein. Nach Einschätzung des Branchenexperten Professor Dietmar Fink ist die Abkoppelung vom starken US-Geschäft auch eine Chance für Booz & Company die internationale Ausrichtung voranzutreiben. Direkte Auswirkung auf das Geschäft in Europa hat die Abspaltung in den USA nicht. BAH arbeitet in Europa weiterhin in geringem Umfang auch mit staatlichen Stellen zusammen. Dieses Geschäft wird nicht abgetrennt. Eikelmann versichert aber, dass ein Teil des Veraufserlöses von 2,54 Mrd. Dollar in die Expansion gesteckt werden sollen. Das hätten die Partner am vergangenen Wochenende in Miami beschlossen. Darüber hinaus sei Booz in Zukunft schuldenfrei. Auch die Partner profitieren über eine Sonderausschüttung von der Abspaltung. Genaue Quoten nennt Booz unter Hinweis auf den Status einer Private-Company nicht.

Aufspaltungen hat es auch schon bei anderen Beratungsfirmen gegeben, wenn auch in anderer Form. AT Kearney etwa trennte sich vom IT-Berater EDS, als sich die erhoffte Synergie zwischen Strategie- und IT-Beratung nicht einstellte. Mehrere Wirtschaftsprüfungsfirmen wie KPMG oder Arthur Andersen kappten ihr Beratungsgeschäft – das allerdings auf staatlichen Druck wegen Interessenkonflikten zwischen den Sparten.

Eickelmann begründet die Scheidung damit, dass es wenig Sinn ergebe, unter einem Dach zwei so grundsätzlich unterschiedliche Geschäftsfelder zu führen. Die Aufträge mit amerikanischen Regierungsstellen seien im Gegensatz zum Industriegeschäft oft sehr langfristig, könnten Größenordnungen von mehreren Millionen Dollar erreichen und erforderten großen Personalaufwand und aufwendige Vorfinanzierungen. „Das bringt Volumen, ist aber deutlich weniger rentabel als Strategieaufträge aus der Privatwirtschaft“, sagt der Deutschland-Chef.

Im Personalbereich wird der Unterschied noch klarer: Von weltweit 300 Partnern steigen 100 mit dem Regierungsgeschäft aus und nehmen zugleich mehr als 15 000 der insgesamt 19 000 BAH-Beschäftigten mit. Booz steht in Deutschland mit 252 Mill. Euro Umsatz auf Platz fünf der Branche. Der Markt wird dominiert von Strategieberatern wie McKinsey, mit Abstand folgen Roland Berger, Boston Consulting und Oliver Wyman.

Befreit vom Status des Behördenberaters in den USA, der auch komplizierte und umständliche Sicherheitsanforderungen zur Folge hatte, startet die 1914 gegründete Booz jetzt in eine neue Ära. Deutschland ist nach Worten Eikelmanns federführend für die Expansion der Gruppe nach Osteuropa und in den Nahen Osten.

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