Unternehmenschef Gehrig wehrt sich im Handelsblatt gegen Verdi-Vorwürfe
Lidl nimmt neue Auslandsmärkte ins Visier

Die Discounterkette Lidl setzt ihre stürmische Auslandsexpansion fort. „2005 starten wir in Dänemark und Kroatien“, kündigte Klaus Gehrig, Unternehmenschef der öffentlichkeitsscheuen Familiengruppe, im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Gehrig ist Komplementär in der Dachgesellschaft Schwarz Unternehmens-Treuhand.

DÜSSELDORF. Im Ausland wachse die Gruppe wesentlich schneller als in Deutschland und sei europaweit schon größer als Aldi, sagte Gehrig in seinem ersten Zeitungsinterview. Inzwischen erziele der Handelskonzern mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes im Ausland. Lidl sei inzwischen in 19 Ländern aktiv. Jedes Jahr sollen etwa zwei neue Länder hinzukommen. Vor allem dem Auslandsgeschäft sei es zu verdanken, dass der Gruppenumsatz in diesem Jahr um elf Prozent auf 36 Mrd. Euro zulegen werde – und damit stärker als von Branchenbeobachtern erwartet. In Deutschland wachse der Discounter nur durch Neueröffnungen und büße auf vergleichbarer Fläche Erlöse ein. „Deutschland spielt für uns nicht mehr so eine wichtige strategische Rolle“, sagte Gehrig.

In Zukunft will Lidl seinen Kunden mehr Service bieten und stellt dazu 1 500 zusätzliche Mitarbeiter ein. „Wir sind kein reiner Discounter mehr“, sagte Gehrig. Zu Plänen der Deutschen Bahn, bei Lidl und Aldi künftig auch Fahrkarten zu verkaufen, entgegnete er allerdings: „Davon weiß ich nichts.“

Der Lidl-Konzernchef wies Anschuldigungen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zurück, die Lidl „menschenunwürdige Arbeitsbedingungen“ vorwirft. „Ich kann nicht ausschließen, dass einzelne Fehler passiert sind. Aber es gibt definitiv kein System“, sagte Gehrig.

Zuvor hatte Verdi-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold dem Konzern vorgeworfen, ein „brutales Klima der Angst“ und Unterdrückung bei den Beschäftigten zu schaffen sowie Mitbestimmungsrechte mit Füßen zu treten. Zum Verdi-Vorwurf, kaum Betriebsräte zuzulassen, entgegnete Gehrig: „Wir haben über 350 Betriebsratsgremien. Das Problem für Verdi ist nur, dass ein Großteil von ihnen nicht mit der Gewerkschaft zusammenarbeiten will.“

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