Unternehmer mit eigenem Geld und fremdem Wissen arbeiten härter
Franchising erlebt in Deutschland einen Aufschwung

Für die drei Gebrüder Gschwendner endete der erste Schritt ins Unternehmertum mit der Pleite: Nach nicht einmal zwölf Monaten mussten sie ihren 1977 in Trier eröffneten Teeladen wieder schließen. Karl versuchte es anschließend erneut in Trier, Albert ging nach Bonn und Ottmar suchte in Mainz sein Glück. Alle hatten Erfolg und trieben mit einem bis dato in Deutschland kaum verbreiteten Vertriebsmodell ihre Expansion voran: Franchising.

kr DÜSSELDORF. Heute koordiniert Albert Gschwendner 118 Läden in Deutschland und plant bereits den Sprung ins Ausland. Für diesen Erfolg kürte ihn der Deutsche Franchiseverband zum Franchisegeber des Jahres.

Franchising – die Übernahme eines bestehenden Geschäftsmodells durch einen selbstständigen Unternehmer – erlebt nach den Krisenjahren 2000 bis 2003 in Deutschland wieder einen Aufschwung. Was mit Mc Donalds und Obi begann, findet inzwischen immer mehr Nachahmer. Handelsketten wie Rewe und Edeka übertragen ihre Geschäfte an private Betreiber, Modemarken gehen mit Franchising auf Expansionskurs und Restaurantketten breiten sich über diesen Weg im Eiltempo in Deutschland aus. Inzwischen gibt es mehr als 900 Franchise-Systeme, die es im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von rund 37 Mrd. Euro brachten. Nach Prognosen des Brancheninformationsdienstes Forum wird die Branche auch in diesem Jahr wieder zulegen: Auf mehr als 40 Mrd. Euro soll der Umsatz steigen.

Für den Branchenexperten Felix Peckert hat der Boom des Franchising vor allem einen Grund: „Die Unternehmen erzielen damit höhere Gewinne“, sagt er. Als eigenständige Unternehmer seien Franchise-Partner motivierter als die Angestellten einer klassischen Filiale. Bei Unternehmen, die sowohl Franchise-Filialen als auch eigene Häuser betreiben, werde der Unterschied deutlich. „Der Franchise-Nehmer ist bis zu 20 Prozent profitabler als der angestellte Filialleiter“, meint Peckert. Franchising biete den Unternehmen die Möglichkeit, ihre Marke besser zu positionieren.

Aus diesem Grund bauen immer mehr Markenhersteller eigene Franchise-Systeme auf und umgehen den Einzelhandel. Seit zwei Jahren betreibt der Chemiekonzern Degussa unter dem Label „Point of Colour“ für seine Farbsparte ein eigenes System, das er bis zum Jahr 2010 auf bundesweit 70 Filialen ausbauen will. Ein anderes Beispiel ist Villeroy & Boch. Der Porzellanhersteller will in den nächsten Jahren in Deutschland zu seinen jetzt 18 eigenen Läden weitere 60 hinzufügen. „Am liebsten über Franchising“, sagt Otto Sievers von der Vertriebsleitung. Zehn Franchise-Partner betreue das Unternehmen bereits und die Erfahrungen seien bislang nur positiv. „Unsere Franchise-Nehmer arbeiten das 1,4Fache eines Filialeiters und erzielen im Schnitt eine bessere Umsatzrentabilität“, meint Sievers.

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