Urabstimmung
Lufthansa drohen unbefristete Streiks

Die Flugbegleiter der Lufthansa machen Ernst: Die Stewards und Stewardessen haben sich in einer Urabstimmung mit 96 Prozent für einen Ausstand bei der größten deutschen Fluggesellschaft ausgesprochen. Nun kommt es umso mehr auf die Verhandlungen an – auch im Sinne der Passagiere.

HB FRANKFURT. Der Lufthansa drohen in den kommenden Tagen und Wochen unbefristete Streiks ihrer Flugbegleiter. Die Stewardessen und Stewards haben in einer zweiwöchigen Urabstimmung mit 96 Prozent nahezu geschlossen für einen Ausstand bei der größten deutschen Fluggesellschaft gestimmt, wie die Flugbegleitergewerkschaft UFO am Montag mitteilte. Hinter den Kulissen wird jedoch weiter um eine Lösung ohne Streiks gerungen. In den jüngsten Gesprächen habe es eine Annäherung gegeben, sagte eine mit der Situation vertraute Person zu Reuters.

UFO-Verhandlungsführer Joachim Müller zeigte sich zuversichtlich. „Ich hoffe, dass wir eine Einigung hinkriegen, vielleicht noch vor Streikbeginn“, sagte er Reuters TV. Wann mit dem Ausstand begonnen werden könnte, ließ er offen. Über das weitere Vorgehen wollte zunächst die Tarifkommission entscheiden. Es müsse jedoch nicht unbedingt sofort zu einem flächendeckenden Ausstand in ganz Deutschland kommen, sagte Müller. Auch Lufthansa zeigte sich gesprächsbereit. Das Unternehmen setze weiter auf eine Lösung am Verhandlungstisch, sagte eine Sprecherin.

In den seit Monaten laufenden Tarifverhandlungen für 16 000 Lufthansa-Flugbegleiter hatten sich Unternehmen und Gewerkschaft bereits mehrmals angenähert - allerdings ohne eine Einigung zu erzielen. UFO war von ihrer Forderung von 15 Prozent abgerückt, die sich aus einer Lohnerhöhung und besseren Arbeitsbedingungen zusammengesetzt hatte. Lufthansa hatte auf dieser Basis nach eigener Darstellung zuletzt ein Plus von zehn Prozent geboten.

Sollte es kurzfristig zu einer Einigung kommen, würden den Lufthansa-Kunden neue Flugausfälle und Verspätungen erspart bleiben. Lufthansa müsste dann in der ohnehin schwierigen Wirtschaftslage nicht mit Buchungsrückgängen und Ausfällen kämpfen. Sollte die Gewerkschaft zu Streiks aufrufen, habe das Unternehmen bereits Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen auf die Passagiere so gering wie möglich zu halten, sagte die Sprecherin.

Für die Flugbegleiter wäre es der erste unbefristete Streik in der Geschichte der 1992 gegründeten UFO. Die Gewerkschaft musste sich ihren Status als Verhandlungspartner der Lufthansa erst vor Gericht erstreiten und ist seit 2002 offiziell anerkannter Tarifpartner. Bislang hat UFO lediglich Erfahrung mit Warnstreiks, durch die zu Jahresbeginn mehr als hundert Lufthansa-Flüge ausgefallen waren.

Einer der Knackpunkte in den Verhandlungen war zuletzt der Streit über die Anrechnung von Zugeständnissen, die die Beschäftigten vor Jahren an das Unternehmen gemacht hatte. 2005 hatten die Mitarbeiter im Gegenzug für den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zwei Nullrunden, längere Arbeitszeiten und weniger Urlaub akzeptiert. Nach Auffassung von UFO war der als „konzertierte Aktion“ bekannte Vertrag bis Ende 2007 befristet, während Lufthansa die Einschätzung vertritt, dass die Vereinbarung weiterhin gültig und eine Rückgabe zu verhandeln ist.

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