Urban Gardening

Deutschlands neuer Garten-Trend

Sie sind Hobbykoch und kaufen ihre Zutaten noch im Supermarkt? Da sind Sie nicht zeitgemäß. Wer etwas auf sich hält, erntet seine Tomaten oder Paprika auf dem eigenen Balkon – sehr zur Freude von Garten-Centern.
Immer mehr Menschen in der Stadt pflanzen ihr Gemüse selbst an. Der Trend des „Urban Gardening“ sorgt in Garten-Centern für neue Kundschaft. Quelle: Imago
Urban Gardening

Immer mehr Menschen in der Stadt pflanzen ihr Gemüse selbst an. Der Trend des „Urban Gardening“ sorgt in Garten-Centern für neue Kundschaft.

(Foto: Imago)

MünchenGeranien waren gestern: Heute wachsen auf Deutschlands Balkonen Tomaten, Paprika oder Erdbeeren. Baumärkte und Gartencenter freuen sich zum Auftakt der Saison über wachsende Umsätze mit Obst und Gemüse zum Selbstanbau mitten in der Stadt („Urban Gardening“). „Die Selbstversorger-Bewegung hat eine wahre Renaissance der Nutzpflanzen eingeläutet. Die Nachfrage nach Gemüsepflanzen zum Eigenanbau, auch auf kleinstem Raum, sowie passendem Zubehör hat in den letzten Jahren stark zugenommen“, sagt Anne Hahnenstein, Werbeleiterin der Gartencenter-Gruppe Dehner.

Auch Konkurrent Kölle freut sich über gute Geschäfte mit den Stadtgärtnern. „Urban Gardening ist ein starker Trend, den wir in unterschiedlichen Sortimenten spüren“, sagt eine Sprecherin. Auch Baumärkte und Supermärkte profitieren von der neuen Lust am Gärtnern und haben ihr Angebot deutlich ausgeweitet. „Für ihr grünes Wohnzimmer geben die Deutschen gerne Geld aus“, sagt Bernd Ohlmann, Sprecher beim Handelsverband Bayern.

Statt es zum Nullzins aufs Konto zu legen, kaufen sich die Verbraucher lieber Blumentöpfe fürs Balkongeländer in knalligen Farben, Handharken aus Edelstahl oder ein Hochbeet mit Thermohaube: Im Schnitt gab jeder Verbraucher einer Studie der BBE Handelsberatung zufolge 2014 rund 34 Euro pro Jahr für Gartenbedarf aus und damit rund ein Drittel mehr als 2005. Besonders stark legten jedoch die Umsätze mit Outdoor-Lampen und Grills zu.

Diese Handelsmarken sind verschwunden
Kaiser‘s
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Kaiser´s ist die lachende Kaffeekanne. Sie begleitet das Unternehmen seit über 100 Jahren. Die Idee, eine Kaffeekanne als Firmensymbol einzusetzen, stammt von Josef Kaiser, der das Unternehmen ab 1880 zum größten deutschen Filialisten für Kaffee ausbaute. Der Berliner Künstler Paul Böhm entwickelte das Logo, das 1904 beim Deutschen Patentamt in München als Schutzmarke eingetragen wird. 1914 schuf der berühmte Gestalter Peter Behrens die heutige Form der Kanne. Wenn die Kaiser´s-Märkte bald sukzessive verkauft werden, wird wohl auch die lachende Kaffeekanne verschwinden.

Minimal
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1973 eröffnete der erste „Minimal“-Markt. Die Kette war vor allem in den frühen Jahren bekannt für seine großen Ladenlokale. Schon 1974 übernahm Rewe 50 Prozent der Marke, 1989 den Rest. Minimal blieb noch bis 2006 als eigenständige Supermarktkette. Dann wurden alle Läden in Rewe-Märkte umgewandelt.

Plus
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Angestachelt vom Erfolg der Aldi-Märkte gründete die Tengelmann-Gruppe 1972 ihre eigene Discount-Kette: Plus – ein Kürzel für „Prima leben und sparen“. Das Konzept entsprach grundsätzlich dem eines Discounters, doch unterschied sich Plus in einigen Punkten von den „Harddiscountern“ wie Aldi und Lidl: Die Produktpalette war größer und es gab einen höheren Anteil an Markenartikeln. Geworben wurde mit den kleinen Preisen. 2008 übernahm Edeka die mehr als 2.300 Plus-Märkte. Bis Mitte 2010 wurden sie sukzessive in Netto Marken-Discount umbenannt.

Extra
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1970 in Düren gegründet wuchs die Supermarktkette Extra schnell heran und expandierte in viele deutsche Regionen – vor allem in NRW, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Berlin. 1996 wurde das Unternehmen Teil des Metro-Konzerns und 2004 mit deren Lebensmittelsparte Real zusammengeführt. Die Marken traten allerdings weiterhin getrennt auf. 2008 übernahm der Kölner Handelskonzern Rewe die Extra-Verbrauchermärkte mit den 9.700 Mitarbeitern. Seitdem heißt Extra Rewe.

Eduscho
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„Hoch die Tasse, hoch die Tasse – hm, Eduscho – Spitzenklasse!“ In den 1970er-Jahren gehörte Eduscho zu den größten Kaffeeröstereien Deutschlands. Den Grundstein legte Eduard Schopf 1924 mit einem Postversand für frischen Röstkaffee. In den 1950er-Jahren baute Eduscho ein großes Filialnetz auf und war mit Depots in Bäckereien und Lebensmittelgeschäften vertreten. Später begann der Verkauf von Non-Food-Artikeln, mit denen das Unternehmen schon bald mehr verdiente als mit Kaffee. 1997 übernahm der größte Konkurrent Tchibo das Bremer Unternehmen. Die Marke verschwand ab 2000 – zumindest in Deutschland.

Hertie
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Kaum ist sie da, ist sie auch schon wieder weg: Die Marke Hertie. Der Name der einstigen Warenhauskette geht zurück auf den jüdischen Investor Hermann Tietz. Bis in die 1980er-Jahre hinein gehörte Hertie zu den größten deutschen Handelskonzernen. 1993 wurde das Unternehmen von der „Karstadt AG“ übernommen und die Filialen nach und nach in „Karstadt Kompakt“ umbenannt. 2007 dann eine Renaissance: Ein Teil der Märkte firmierte wieder unter dem Namen Hertie. Doch 2009 wurden sie geschlossen und das Hertie-Logo von ehemaligen Berliner Beschäftigten symbolisch in der Spree versenkt. Ein endgültiger Untergang war das allerdings nicht: Heute existiert Hertie als Online-Kaufhaus. Mal sehen, wie lange…

Horten
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Horten war in den 1950er- und 60er-Jahren der Inbegriff des modernen Warenhauses: Die Filialen besaßen Rolltreppen, Boutiquen und sogar eigene Tankstellen. Ein weiteres Markenzeichen: Die „Hortenkacheln“ – ein vom Architekten Egon Eiermann stilisiertes weißes H aus Aluminium – die zum Teil heute noch die Fassaden schmücken. Ende der 1980er Jahre wechselte Horten mehrmals den Besitzer: Zunächst hielt die WestLB den größten Aktienanteil, 1994 übernahm Kaufhof das Unternehmen komplett. Der Name Horten verschwand – zumindest fast: Das „Carsch-Haus“ in Düsseldorf trägt auch heute noch das Horten-Logo – in Stein gemeißelt.

Für die Gartencenter und Baumärkte ist der Trend ein Segen: Denn neben der Stammkundschaft, die Bodendecker für Friedhöfe oder die Stiefmütterchen für den Vorgarten kauft, wächst neue Kundschaft heran: Der Spaß am „Urban Gardening“ treibt zahlreiche junge Kunden in die Gartencenter, die dort früher höchstens eine Topfblume zum Muttertag gekauft haben. „Der Trend zur Selbstversorgung ist in allen Altersgruppen erkennbar“, sagt Garten-Expertin Hahnenstein.

Dabei sind die Kunden auch experimentierfreudig: Im Trend lägen in dieser Saison Pflanzenzüchtungen mit Doppelnutzen wie Kreuzungen aus Tomaten und Kartoffeln oder Auberginen und Kartoffeln. Oder das Saatgut „Möhre mit Radies“. Wer etwas mehr Geld ausgeben will, kauft gleich Sträucher oder Pflanzen, an denen bereits Früchte hängen: Für die schnelle Ernte auf dem Balkon. Daran können sich selbst harte Kerle erfreuen: Actionstar Liam Hemsworth („Die Tribute von Panem“) bekannte vor wenigen Tagen in der Münchner Zeitung „tz“: „Ich bin unter die Gärtner gegangen: Letzte Woche habe ich meine ersten Gemüsebeete angepflanzt.“

  • dpa
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