Urlaubsindustrie
Tui: Umbauarbeiten in der Reisefabrik

Umbauarbeiten in der Reisefabrik Nur Tourismus? Oder nicht? Oder doch? Und wie? Der Reisekonzern Tui wurde in 40 Jahren seines Bestehens oft umstrukturiert und umbenannt. Das Ende der Experimente: nicht absehbar.

1. Eine problematische Hochzeit

Es ist keine Liebesheirat gewesen. Jürgen Fischer hat die Dramen noch vor Augen, er hat alles miterlebt, vom ersten Tag an.

Es ist die Zeit, als die Deutschen beginnen, sich nach Mallorca zu sehnen, nach Paella, Sangria, Sonne und Strand. In Spanien herrscht Diktator Franco, die Beamten sehen mit Missfallen, dass am Strand Damen nur in Bikinis zu sehen sind. Die Deutschen aber sind entzückt, wie günstig die Reisen dorthin zu haben sind. Es sind schon damals 200.000 im Jahr. Die Mallorquiner nennen sie „Ohwiebilligs“.

Doch die vier vereinigungswilligen deutschen Reiseveranstalter mit einst klangvollen Namen – Touropa, Scharnow, Hummel, Dr.Tigges-Fahrten – haben ein Problem. Sie haben die Urlaubsträume der Wirtschaftswunderdeutschen erfüllt, in den 50ern und 60ern. Sie können ganze Sonderzüge mit Urlaubern füllen. Doch plötzlich wollen die lieber fliegen. Einige jedenfalls.

Die Urlaubstraumerfüller aber können sich eigene Flugzeuge nicht leisten. Und keiner von ihnen hätte seine Maschine vollbekommen. Dazu kommt, dass es Neckermann gibt. Der Versandhändler denkt schneller, längst hat er die Touristik als lukratives Geschäftsfeld entdeckt, er droht die fantastischen vier zu überflügeln.

Fischer ist inzwischen 78 Jahre alt, er ist heute nicht mehr Vorstand der Tui, der er so viele Jahre war. Seit 1995 nicht. Aber er kann sich jetzt, am Telefon, noch sehr gut daran erinnern, wie es war, als vier Solisten sich zusammengetan haben. „Neckermann war der Pionier. Die haben uns gezeigt, dass unsere überkommenen mittelständischen Strukturen für das Fluggeschäft buchstäblich eine Nummer zu klein waren.“ Seine Sprachmelodie verrät noch immer seine Herkunft: Wuppertal. „Wir konnten gar nicht anders, als uns zusammenzuschließen.“

Das tun sie, Datum: 1. Dezember 1968. Versuch eines Aufbruchs ins Jet-Zeitalter. Dass daraus Europas größter Reisekonzern wird, dürfen die Beteiligten hoffen. Erwarten können sie es eher nicht. Und von den Problemen, die noch kommen werden, von all den Hins und Hers, ahnen sie nichts.

Einen guten Namen zu finden ist noch das geringste Problem. Man einigt sich auf „Touristik Union International“. Die Abkürzung Tui kommt erst viel später. Auch das heutige Logo, der stilisierte Smiley aus Strich und Punkt, mit dem Europas größter Reisekonzern heute auftritt.

Fischer ist damals Geschäftsführer von Dr. Tigges, einem Reiseveranstalter, der von Wuppertal aus überwiegend das feine Segment der Studienreisen bedient. Er gehört zur Gründerfamilie, die in den 1920er-Jahren das Tourismusgeschäft entdeckt hatte. In diesem wichtigen Jahr 1968 hat er alle Hände voll zu tun.

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