Urteil des Bundesgerichtshofs
Gebrauchtwagen-Händler haften für alte Reifen

Erleiden Käufer von Gebrauchtwagen wegen eines überalterten Reifens einen Unfall, können unter bestimmten Voraussetzungen die Händler haftbar gemacht werden.

HB KARLSRUHE. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom Mittwoch muss der Händler vor dem Verkauf des Gebrauchtwagens das Herstellungsdatum des Reifens prüfen - zumindest dann, wenn es Hinweise auf ein höheres Alter und damit Anlass zu Zweifeln an seiner Tauglichkeit gibt. Damit gab das Karlsruher Gericht einer 100 000-Euro-Schadensklage wegen eines Ferraris statt. Das Fahrzeug hatte durch einen geplatzten Reifen - der schon beim Verkauf zu alt war - einen Unfall mit Totalschaden (Aktenzeichen: VIII ZR 386/02 vom 11. Februar 2004).

Laut BGH hätte der Händler das Herstellungsdatum des Reifens schon deshalb prüfen müssen, weil dieser ein bei neueren Modellen längst nicht mehr gängiges Profil aufwies. Ob Gebrauchtwagenhändler jedoch generell vor dem Verkauf das Reifenalter ermitteln und die Pneus gegebenenfalls austauschen müssen, ließ das Gericht ausdrücklich offen. Das Alter lässt sich anhand der DOT-Nummer an der Außenflanke des Reifens feststellen: Die seit dem Jahr 2000 vierstellige Zahl (davor war sie dreistellig) gibt die Kalenderwoche und das Jahr der Herstellung an.

In dem Fall hatte ein Autohaus Ende 1998 den gebrauchten Ferrari für gut 112 000 Euro verkauft, dem er erst ein halbes Jahr zuvor - seither war der Wagen nur 2000 Kilometer gefahren - neue Reifen aufgezogen hatte. Nach dem Unfall stellte sich heraus, dass die Reifen bereits fast sechs Jahre alt und damit ungeeignet für den 295 Stundenkilometer schnellen Sportwagen waren.

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