Urteil: Deutsche Bahn muss 1900 Bahnhöfe nachrüsten

Urteil
Deutsche Bahn muss 1900 Bahnhöfe nachrüsten

Das wird nicht ganz billig: Die Bahn muss gut ein Drittel ihrer Bahnhöfe nachrüsten, damit wartende Fahrgäste über Zugausfälle und Verspätungen "aktiv" informiert werden. Der Konzern grollt über die Millionen-Ausgaben.
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Essen/KölnDie Bahn hat genau 18 Monate Zeit und muss 1900 ihrer bundesweit 5500 Bahnhöfe und Haltepunkte mit elektronischen Hinweistafeln oder Lautsprecheranlagen nachrüsten. Dazu zwingt sie das Kölner Verwaltungsgericht, das mit seinem Urteil die Rechte der Bahnreisenden deutlich stärkt.

Ein Sprecher der Deutsche Bahn bestätigte einen entsprechenden Bericht der Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Dienstag). Das Gericht und das Amt waren zunächst nicht zu erreichen. Allein in Nordrhein-Westfalen müssen jetzt mehr als 300 Bahnhöfe nachgerüstet werden. Die Nachrüstung kostet pro Anlage 6000 bis 8000 Euro, heißt es bei der WAZ.

Laut Urteil (Az.: 18 K 4907/11) ist die Bahn verpflichtet, auf allen Bahnhöfen und selbst auf Kleinststationen wartende Fahrgäste über Zugausfälle und Verspätungen „aktiv“ zu informieren. Es reiche nicht aus, wenn Plakate auf Nummern von Info-Telefonen hinweisen würden.

Nach Angaben eines Sprechers will das Staatsunternehmen der Gerichtsentscheidung im Wesentlichen folgen. Nicht akzeptieren will die Bahn allerdings die Forderung, auch Haltepunkte mit weniger als 100 Ein- und Aussteigern am Tag nachzurüsten. Dagegen will sie juristisch in die nächste Instanz gehen.

Ein Sprecher der Bahn betonte, es gehe bei dem Streit nur um die "allerkleinsten Bahnhöfe", 600 bis 700 Stationen vor allem in den Flächenländern. Auf den betroffenen Strecken komme es selten zu Verspätungen, "die Beschwerden sind gleich null". Daher wolle die Bahn angesichts der Kosten von je 6000 bis 8000 Euro für eine elektronische Hinweistafel vom Oberverwaltungsgericht prüfen lassen, ob dies auf den kleinen Stationen wirklich nötig sei.

Die Deutsche Bahn strebe eine zweitinstanzliche Klärung darüber an, ob eine Ausstattung mit den sogenannten Schriftanzeigern mit integriertem Lautsprecher wirtschaftlich angemessen sei, sagte der Sprecher der dpa. Dies betreffe aber nur einen „Bruchteil“ der 1900 Stationen und Haltepunkte.

Wie die WAZ-Zeitungen weiter berichteten, war die fehlende Ausstattung der Bahnhöfe und Haltepunkte mit Informationssystemen dem Eisenbahnbundesamt bei der Überprüfung von zwei Stationen in Schleswig-Holstein aufgefallen. Bundesweite Prüfungen ergaben dann, dass dies tatsächlich auf einem Drittel aller Bahnhöfe der Fall ist. Zunächst hatte sich die Bahn geweigert, einer entsprechenden Weisung des Bundesamtes nachzukommen, das dann geklagt hat.

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  • Eine Billiglösung mit PC-Monitor in einem Schaukasten (Panzerglas) sollte möglich sein!

  • Tja, liebe Bahn, anstelle teuerer Prestige-Objekte, die der Kunde nicht wirklich braucht (S21), hättet Ihr mal lieber in die ganz normalen kleinen Bahnhöfe investieren sollen. Auch der Kunde auf einem kleinen Bahnsteig ist ein Kunde, pst...

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