US-Biermarkt
Keine Lizenz zum Brauen

Lokale Brauereien revolutionieren den US-Biermarkt – sie nutzen bereits mehr Hopfen als Budweiser und Miller zusammen. Doch der Wachstumstrend prallt an eine künstliche Grenze. Schuld ist der „Shutdown“ in Washington.
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San FranciscoDraußen auf der 2nd Street wälzt sich die Blechlawine wie jeden Tag quälend langsam Richtung Bay Bridge. Es ist Feierabendzeit und im „21st Amendment“ in San Francisco ist kaum noch ein Stehplatz zu bekommen. Hinter der kleinen Theke im Obergeschoss steht Chris und nimmt die Bestellungen entgegen. Hier heißt es nicht profan: „Ein Bier, bitte!“. Hier bestellt man ein „Fat Bavarian“, ein „5-South“ oder ein „Back in Black“. Sehr beliebt sind auch „Red Head Stranger“ und „The Conventioneer“.

Alle Biere werden nicht nur frisch gezapft, sie werden auch im Haus gebraut. Eine dicke Panzerglasscheibe zwischen zwei Betonpfeilern eröffnet den Blick auf die kleine Brauerei um Untergeschoss. Zwei Braukessel und vier Lagertanks lassen den Nachschub nie versiegen.

Die Vielfalt und die Geschmäcker der Biere ist verwirrend wie eine Kaffee-Bestellung bei Starbucks. Wer sich nicht auskennt, der kann Chris fragen. Mit Baseball-Kappe und Drei-Tage-Bart erklärt er routiniert und freundlich, was gerade im Angebot ist und was in den Bieren drin ist. Denn das ändert sich von Saison zu Saison, zu jeder Jahreszeit gibt es Spezialangebote. Das Lieblingsbier für Zuhause gibt es in der Dose zum Mitnehmen. „Brew free! or die IPA“ steht auf einer der kunstvoll bedruckten Blechkannen. IPA oder „Indian Pale Ale“ ist praktisch das Standardbier in den USA.

Die 21st Amendment Brewery ist nur eine der vielen Craft Breweries, die in den USA entstehen. Die Bewegung ist gewaltig. Gab es 1980 nur noch 42 Braukonzerne in den USA, sind es heute fast 2600. Der Branchenverband der unabhängigen Brauer meldet ständig neue Absatzrekorde. Ein Plus von 15 Prozent beim Umsatz und 13 Prozent beim Absatz für das erste Halbjahr steht in den Büchern. Und das, während der Gesamtmarkt um zwei Prozent geschrumpft ist.

Als Craft Beer Brauerei darf sich bezeichnen, wer weniger als 6 Millionen Barrel Bier pro Jahr (9,5 Millionen Hektoliter) herstellt und nach traditionellen Methoden braut. Natürliche Geschmackszusätze sind erlaubt. Das reicht von Kräutern bis zu Wurzeln, passend zum traditionellen „Pumpkin-Festival“ im nahegelegen Half Moon Bay an der Küste nahe San Franciscos gibt es gerade ein Kürbisbier.

Aber das wichtigste: Unabhängigkeit ist Zugangsvoraussetzung in der Elite der amerikanischen Craft Beers. Nicht mehr als 25 Prozent des Unternehmens dürfen einem der traditionellen Brauerei-Riesen oder Getränkekonzern gehören. Die Hemdsärmel-Brauereien ist ein Job-Motor für die USA. Alleine 1600 Neueröffnungen sind kaut Branchenverband in Planung. Doch im Moment herrscht lähmender Stillstand.

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  • Ich polemisiere hier schon lange gegen die ganze Industrie-Plempe - zuletzt anlässlich der Wies'n. Offensichtlich bin ich mit meiner Meinung nicht alleine.

    Die Tage kam ich in einem amerikanischen Forum auf fränkisches Bier zu sprechen. Was haben die ehemaligen GIs geschwärmt, die mal in Grafenwöhr stationiert waren! OK, Grafenwöhr liegt in der Oberpfalz und damit in Bayern. Aber nach Franken ist's da nicht weit.

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