US-Billig-Flieger
JetBlue: Profitabel unter Pleitegeiern

Mit blauen Chips, Bord-Fernsehen und einem frischen Image schreibt der Billig-Flieger JetBlue Gewinne, während die Industrie Milliardenverluste verbucht.

HB NEW YORK. Erst vor drei Jahren kam die US-Fluggesellschaft auf den Markt, seit etwas mehr als einem Jahr ist sie an der Börse. Und bisher ist es eine Erfolgsgeschichte. Das Reisemagazin Condé Nast Traveler wählte JetBlue zur besten Airline des Jahres.

„Unsere Flieger waren im letzten Jahr 83 % voll. Das ist der beste Wert in der Industrie“, verkündet David Neeleman, Vorstandsvorsitzender der Airline, auf der ersten Aktionärsversammlung im New Yorker Sheraton sichtlich zufrieden. Dankbaren Investoren signierte der Unternehmenschef nach dem Treffen auch den Jahresbericht und die charakteristischen Chips-Tüten.

Wie andere Billigflieger konnte sich JetBlue dank niedriger Preise in der Krise gut behaupten. Auch Southwest Airlines Co., die Mutter aller Billigflieger, schrieb in den vergangenen Quartalen noch immer Gewinne. Allerdings sank das Ergebnis von Southwest im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr auf knapp ein Viertel. Der Gewinn von JetBlue hingegen stieg fast kontinuierlich.

JetBlue hat viele Konzepte der klassischen Billig-Flieger übernommen: Die Fluggesellschaft operiert eine einheitliche Flugzeugflotte. Derzeit sind es 41 neue Airbus 320–Maschinen. Erst im April bestellte die Airline zusätzliche 65 Flugzeuge des gleichen Typs. Wenn Airlines nur ein Modell fliegen, sparen sie an der Wartung und der Piloten-Ausbildung. Außerdem bietet JetBlue fast nur Direktflüge an.

Aber die blaue Fluggesellschaft hat das klassische Geschäftsmodell mit neuen Ideen aufgepeppt: In allen Fliegern bietet die Airline Live-Fernsehen mit 24 Kanälen in den Rückenlehnen. Die Technologie kontrolliert JetBlue selbst: Im Herbst 2002 übernahm sie die Mehrheit an LiveTV, LCC. „Das war günstiger, als den Service zu bezahlen“, begründet Neeleman den Schritt.

Außerdem gibt es bei JetBlue mehr Komfort fürs Sitzfleisch: Alle Sessel in der Einheitsklasse sind mit blauem Leder bezogen und haben 81,3 cm Beinfreiheit. Ungewöhnlich ist auch die Auswahl des Flughafens, der als Hauptsitz fungiert: Kein kleiner Flughafen auf dem Lande, sondern John F Kennedy in New York. JetBlue belegt dort ein eigenes Terminal, der Ausbau ist bereits geplant.

Auf richtiges Essen müssen jedoch auch die Kunden von JetBlue verzichten. Und die Crew macht sich einen Spaß daraus: „Heute haben wir Lachs-Pasta und Schwertfischfilet im Angebot. Ach, nein das ist der falsche Zettel. Also noch einmal: Sie können wählen zwischen Chips, Brezeln und Keksen“, scherzte etwa ein Steward jüngstens auf dem Flug von Oakland nach New York.

Und auch beim Aufräumen müssen die Passagiere mit anpacken. Eine freundliche Stewardess erklärt, dass die Preise auch deshalb so günstig sind, weil JetBlue so wenig Zeit wie möglich am Boden verbringt. Es folgt die Aufforderung, doch bitte in die Sitztasche zu schauen, ob noch Müll vorhanden ist, denn die Flugbegleiter einsammeln können.

Tickets gibt es nur per Telefon oder im Internet

Tickets gibt es nur per Telefon oder im Internet. „Wir haben noch kein Papier-Ticket ausgestellt und werden das auch nicht tun“, rühmt sich Neeleman. Den Erfolg kann kaum jemand abstreiten. Dennoch sorgen sich Analysten, dass die Zeiten nicht so rosig weitergehen können: Mit der Zeit werden auch die Wartungskosten für die noch neuen Flieger steigen, warnt etwa Brian Harris, Analyst der Citigroup.

Neeleman räumt ein, dass die Kosten steigen, wenn Garantien auslaufen und die Flugzeuge altern. „Aber andere Kosten werden schneller sinken“, prophezeit er. Vor allem Marketing- und Vertrieb würde billiger, wenn die Marke bekannter ist. „Wir geben wahrscheinlich mehr als alle anderen Airlines für Marketing und Vertrieb aus“, sagt der JetBlue-Chef. Harris prophezeit auch, dass die Airline unter dem „härteren Wettbewerb der großen Airlines“ leiden könnte. Neeleman setzt hier vor allem auf Loyalität. „Wir sind das bevorzugte Produkt.“

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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