US-Biosupermarktkette
Amazon will Whole Foods übernehmen

Amazon wird zum Aldi-Konkurrenten im Einzelhandel: Der Onlinehändler will die US-Biosupermarktkette Whole Foods übernehmen. Amazon-Chef Jeff Bezos lässt sich den Deal knapp 14 Milliarden Dollar kosten.
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Seattle/DüsseldorfAmazon steigt groß in den stationären Lebensmittelhandel in den USA ein. Der weltgrößte Online-Händler will die Bio-Kette Whole Foods Market für rund 13,7 Milliarden Dollar übernehmen, teilten beide Unternehmen am Freitag mit. Das ist ein Aufschlag von 27 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von Donnerstag. In diesem Kaufpreis sind auch die Schulden des Lebensmittelhändlers enthalten.

Seit Jahren schon versucht Amazon, im Lebensmittelhandel Fuß zu fassen. Doch von einem Durchbruch ist auch in den USA der Onlinehandel mit frischen Lebensmitteln noch weit entfernt. Mit dem Mega-Deal holt sich der Tech-Konzern nun im großen Stil Handelsexpertise ins Unternehmen. Damit dürfte er für die klassischen Händler zur noch größeren Bedrohung werden.

Ganz überraschend kommt die Übernahme von Whole Foods nicht. Im April bereits hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg entsprechende Gerüchte gestreut und berichtet, dass Amazon schon im vergangenen Herbst über einen Kauf des Einzelhändlers nachgedacht hatte. Aktuell wurden die Gespräche offenbar wieder, nachdem der aktivistische Investor Jana Partners bei Whole Foods eingestiegen ist und auf einen Verkauf gedrängt hatte.

Amazon zeigte in jüngster Zeit in zahlreichen Bereichen Interesse am Einstieg ins stationäre Geschäft. So eröffnete Amazon mehrere Buchläden und schmiedet auch Pläne für kleine High-Tech-Supermärkte, bei denen die Einkäufe automatisch abgerechnet werden und die deswegen keine klassische Kassen mehr benötigen.

Entscheidend für Amazon ist dabei stets, das stationäre Geschäft intelligent mit dem E-Commerce zu verknüpfen. Damit dürfte die Whole-Foods-Übernahme auch ein Angriff auf den Amazon-Konkurrenten Instacart sein. Das aufstrebende Start-Up liefert Online-Bestellungen direkt aus Supermärkten aus zum Kunden - und arbeitet dabei bisher auch mit Whole Foods zusammen.

Whole Foods gilt in den USA als Hauptkonkurrent von Trader Joe's – der US-Tochter von Aldi Nord. Die deutschen Discounter Aldi und Lidl treiben derzeit ihre Expansion in den USA massiv voran. Am Donnerstag hatte Lidl seine ersten neun Filialen in den Vereinigten Staaten eröffnet.

Whole Foods wurde 1978 gegründet und ist der US-Pionier der Bio-Food-Bewegung. Das Unternehmen zeichnete sich lange durch starkes Wachstum und hohe Renditen aus. Bei Whole Foods einzukaufen gilt als Statussymbol der gesundheitsbewussten Neureichen. Doch Bio-Lebensmittel haben längst den Massenmarkt erreicht und mit dem Eintritt starker Wettbewerber aus dem Billigmarkt-Segment wie Walmart oder der Großhandelskette Costco wurde das Hochpreis-Image für Whole Foods zuletzt immer mehr zum Problem. Die Umsätze gingen deutlich zurück. In der Branche gilt Whole Foods aber trotzdem noch als sehr starke Marke.

Mittlerweile gibt es mehr als 460 Filialen in Nordamerika, in denen zuletzt ein Jahresumsatz von 16 Milliarden Dollar erwirtschaftet wurde. Der Markenname Whole Foods bleibe erhalten, teilte das Unternehmen am Freitag mit. John Mackey bleibe zudem Konzernchef und der Sitz des Unternehmens in Austin (US-Bundesstaat Texas).

Ein Tipp vom 8. Februar 2017

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " US-Biosupermarktkette: Amazon will Whole Foods übernehmen"

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  • Bio von Amazon?- Never. Kaufe gar nichts bei der Firma. Ist mir bis in den Kern zuwider.

  • Ich frage mich, wann sich endlich mal eine Kartellbehörde o. ein Finanzminister mit Firmen wie Amazon etc befasst.
    Ich frage mich aber auch, warum sich so viele - selbsternannte schlaue - Leute damit brüsten, Amazon intensiv zu nutzen und damit direkt Strukturen fördern, die im Land keine/ kaum Steuern zahlen, klein- bis mittelständische Anbieter aus dem Markt drängen, schlechte Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter schaffen und marktdominierende Konditionen ggü. Zuliefern durchsetzen. Und die gleichzeitig davon überzeugt sind, bessere Menschen zu sein als ihre angeblich so bösen Nazi-Großeltern.


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