US-Einzelhandel
Ausverkauf auf Raten

Die einst größte US-Warenhauskette Sears ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Hedgefondsmanager und Großaktionär Edward Lampert will den Konzern sanieren – zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Die Immobilienkrisen und die beginnende Rezession in den USA gefährden Lamperts Pläne.

NEW YORK. Steinquader, eine fensterlose Fassade aus den 30er-Jahren, versperrte Türen – das Kaufhaus Sears im Brooklyner Viertel Flatbush wirkt wie eine Festung, die Kunden abweisen soll. Innen sieht es kaum einladender aus: der Kunststoffboden voller Flecken, die Wände vergilbt. Überall prangen gelb-schwarze Schilder mit den Aufschriften „Clearance“ und „Sale“. In vielen Gängen liegt Ware auf dem Boden: Fußmatten, Küchenreiben, Pullover. Die Verkäufer kümmert das nicht. Vielleicht, weil kaum Kunden unterwegs sind, die die Unordnung stören könnte.

Flatbush ist eines der ärmeren Viertel Brooklyns. Das bekommt die Sears-Filiale zu spüren. Aber beim Gesamtunternehmen sieht es nicht besser aus. Die traditionsreiche US-Einzelhandelskette Sears befindet sich im Niedergang, möglicherweise sogar im Untergang.

122 Jahre alt ist die Firma, in den Vereinigten Staaten eine kleine Ewigkeit. Aus dem Uhrenhandel, den Richard Sears 1886 gründete, wuchs die weiland größte US-Warenhauskette. Doch das ist lange her. Der Umsatz schrumpft, der Aktienkurs hat sich halbiert, die Marke ist beschädigt: Aus dem einst stolzen Konsumtempel ist ein Ramschladen geworden. Sears hat abgewirtschaftet. Manche sagen: Sears wird abgewirtschaftet.

Das hat viel mit Edward S. Lampert zu tun, genannt Eddie. Sein Hedge-Fonds ESL besitzt 48 Prozent der Aktien der Sears Holding. Lampert ist Chairman der Holding, vergleichbar mit einem Verwaltungsratsvorsitzenden. Einen regulären Vorstandschef hat Sears derzeit nicht. Vielleicht braucht das Unternehmen auch keinen, denn Lampert gilt als ungewöhnlich aktiver Chairman, der die Leiter wichtiger Abteilungen gern direkt an sich berichten lässt.

Heute veröffentlicht die amerikanische Statistikbehörde die Einzelhandelsumsätze für März. An den Zahlen wird abzulesen sein, wie stark die beginnende Rezession auf den privaten Konsum drückt. Einige Discounter haben ihre Ergebnisse bereits veröffentlicht: Bei Target und J.C. Penney etwa sank der Umsatz um 4,4 beziehungsweise 12 Prozent – trotz des absatzfördernden Osterfests. Bei Sears gefährdet die schwache Kaufkraft die Sanierung, mit der Lampert gerade begonnen hat.

Bis zu der Sears-Misere war der 45-jährige Eddie für viele Investoren und Analysten ein Erfolgsgarant. Spätestens seit er 2002 spottbillig die angeschlagene Supermarktkette Kmart übernahm und zurück in die Gewinnzone führte, erwarb sich der Mann mit dem jungenhaften Gesicht einen Ruf als Firmenretter.

Wegen seiner Vorliebe für Traditionsunternehmen und seiner konstant hohen Fonds-Erträge – zwischen 1988 und 2006 erwirtschaftete ESL eine Durchschnittsrendite von jährlich 29 Prozent – wurde er schon als zweiter Warren Buffett gehandelt. Diesen Vergleich bemüht keiner mehr: ESL verlor im vergangenen Jahr mehr als 25 Prozent.

Die schlechte Performance traf Lampert auch persönlich, da ein Großteil seines eigenen Kapitals in ESL steckt. Auf der „Forbes“-Liste der reichsten Menschen der Welt war er 2007 mit einem Privatvermögen von 4,5 Milliarden Dollar auf Platz 177. Jetzt belegt er nur noch Rang 307. Sein Privatvermögen ist auf 3,5 Milliarden Dollar geschrumpft.

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