US-Einzelhandel
Das Weihnachtswunder bleibt wohl aus

Kurz vor Weihnachten beginnt für den US-Einzelhandel das große Zittern. Alle Prognosen deuten auf ein katastrophales Geschäft hin. Die Händler reagieren mit radikalen Rabatten. Doch die Verbraucher zeigen sich unbeeindruckt.

NEW YORK. Der Christbaum ist geschmückt, der Gabentisch gedeckt. Musik dudelt, irgendwas mit Weihnachtsglocken, und ein Kind packt strahlend seine Geschenke aus. So weit, so kitschig. Doch während Mama und Papa dabei zusehen, kippt auf dem elterlichen Sofa plötzlich die Stimmung: Der Vater blickt besorgt, wendet sich zu seiner Frau und fragt leise: „Was hat das alles bloß gekostet?"

Die Szene aus einem Fernsehspot des US-Discounters K-Mart will das beschreiben, was Millionen von Amerikanern umtreibt: Weihnachten naht, doch es ist kein Geld da. Viele haben ihren Job verloren oder stehen kurz davor, anderen wurde das Haus weggepfändet, Rentner sehen ihre in Aktien angelegte Pension mit den Börsenkursen davonschwimmen, und die Kreditkarte verweigert ihren Dienst. Wo bleibt da noch Luft für Weihnachtsgeschenke?

In der Werbung bietet K-Mart gleich Rettung an: Sonderangebote, die alle Sorgen von den Sofas vertreiben sollen. Geschäfte und Versandhäuser im ganzen Land halten es genauso, denn sie fürchten das schlimmste Weihnachtsgeschäft der vergangenen Jahrzehnte. So werfen sie sich verzweifelt in noch nie dagewesene Rabattschlachten um die klamme Kundschaft. „Die Preisstürze sind tiefer und beginnen früher als sonst“, sagt Dawn Iacobucci, Professorin an der Vanderbilt Graduate School of Management in Nashville, Tennessee.

Bereits in der Woche vor dem wichtigen „Black Friday“, dem Tag nach Thanksgiving und dem offiziellen Start des Weihnachtsgeschäfts, ist New York mit roten und gelben „Sale“-Schildern zugepflastert. Bei Shoe Mania am Union Square etwa gibt es das zweite Paar zum halben Preis, bei Aldo noch mal 20 Prozent auf ohnehin schon reduzierte Schuhe. Der Kleiderladen OMG im Szeneviertel Soho verramscht zwei Levi’s Jeans für 49,99 Dollar, die Konkurrenz von Lucky Brand ein paar Blocks weiter gibt 50 Prozent auf alle Hosen. Selbst die großen Ketten wie Esprit oder Banana Republic stehen nicht zurück. Die notleidende Elektronik-Kette Circuit City wirft ein 50-Zoll-Plasmafernseher-Monster von Samsung für unter 1 200 Dollar auf den Markt und verführt seine Kunden damit, beim Ratenkauf bis 2011 keine Zinsen zu verlangen.

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