US-Energiemarkt wird von regionalen Konzernen beherrscht
Hintergrund: US-Energiekonzerne haben sich verschätzt

Die Pleite des US-Energiehändlers und Stromversorgers Mirant ist kein Einzelfall: Mehrere US-Energiekonzerne sind bereits in Konkurs gegangen, viele Unternehmen sind verschuldet. Ihr Problem: Überkapazitäten und niedrige Preise machen der Branche zu schaffen. „Die Marktbedingungen sind extrem schwierig“, sagt Berthold Hannes, Energieexperte der Unternehmensberatung A.T. Kearney. „Die Werte der US-Konzerne sind auf einem historischen Tiefstand.“

NEW YORK/DÜSSELDORF. Mirant hat Gläubigerschutz nach Artikel 11 des US-Konkursrechts beantragt. Dies gibt dem Konzern die Möglichkeit, sein Geschäft trotz der Insolvenz fortzuführen. Mirant hatte monatelang mit Gläubigern über eine Umschuldung verhandelt. Im Grundsatz hätten sie die Umstrukturierung gebilligt, die Zeit sei aber zu knapp geworden, sagte die Chefin des in Atlanta ansässigen Konzerns, Marce Fuller. Eine Neuordnung sei nun im Interesse aller Beteiligten. Gestern wäre ein Kredit über 1,3 Mrd. $ fällig gewesen. Die Schulden summieren sich auf 11,4 Mrd. $. Das Unternehmen hat wegen seines Geschäftsmodells mit doppelt schwierigen Marktbedingungen zu kämpfen: Mirant ist zum einen stark im Großhandel engagiert und zum anderen in 14 Bundesstaaten als Stromversorger tätig.

Der klassische Energiehandel, eine Domäne der US-Konzerne, ist nach der spektakulären Pleite des Branchenriesen Enron zusammengebrochen. Der Skandal um Bilanzfälschungen hat das Vertrauen in das Geschäftsmodell beschädigt. Auch Mirants Buchhaltung wurde von der Finanzaufsicht gerügt.

Andererseits leiden die US- Stromversorger unter großen Überkapazitäten. Nach Angaben des Bostoner Forschungsinstituts Cambridge Energy Research Association (Cera) haben die Konzerne nach der Deregulierung des Marktes in den 90er Jahren die Nachfrage falsch eingeschätzt. Der High-Tech-Boom habe die Branche auf eine rasant steigende Stromnachfrage hoffen lassen, zahlreiche neue Kraftwerke wurden gebaut. Doch der Nachfrageschub blieb aus. Jetzt leiden die Konzerne unter Überkapazitäten und die Strompreise sind niedrig. Verschärft wird die Krise, weil die Preise für die in den Kraftwerken eingesetzten Rohstoffe drastisch gestiegen sind – besonders der Gaspreis ist in den USA hoch.

Allein Mirant hat wegen des Zusammenbruchs des Energiehandels und der schwachen Strompreise im vorigen Jahr einen Verlust von 2,4 Mrd. $ verbucht. Zuletzt mussten die Regionalversorger NRG Energy und National Energy Group Konkurs anmelden. Andere Unternehmen wie Dynegy und Reliant konnten mit einer Umschuldung den Kollaps vermeiden. „In der nächsten Zukunft sollten keine weiteren Bankrotterklärungen anstehen“, gibt sich Shelby Tucker, Analyst bei Bank of America, zuversichtlich. „Ganz ausschließen lässt sich so etwas natürlich nicht.“

Der US-Energiemarkt wird von regionalen Konzernen beherrscht, Schwergewichte wie im Ölsektor gibt es nicht. Von den deutschen Konzernen hat nur Eon eine nennenswerte Beteiligung in den USA. Über seine britische Tochter Powergen gehört dem Konzern der Versorger LG&E Energy im Mittleren Westen. Eon will zwar mittelfristig in den USA expandieren, hat die Pläne aber zurückgestellt – auch wegen der Marktbedingungen. Für Europa dürfte die Krise der US-Energiekonzerne kaum Folgen haben. Die Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren schlicht wieder von dem Markt zurückgezogen.

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