US-Flugzeugbauer leidet unter alten Skandalen
Continental Airlines bestellt Boeings neuen Superjet Dreamliner

Als erste größere US-Fluglinie hat Continental Airlines Boeing-Passagierflugzeuge des Typs 7E7 „Dreamliner“ bestellt. Die insgesamt zehn Maschinen im Wert von 1,3 Mrd. Dollar erhält Continental ab 2009, teilte das Unternehmen mit. „Die 7E7 wird ein wichtiger Teil unserer Wachstumsstrategie“, erklärte Continental-CEO Gordon Bethune. Sie soll vor allem auf den internationalen Routen fliegen.

HB PORTLAND. Boeing rechnet inzwischen weltweit mit 122 Bestellungen für den neuen Flugzeug-Typ, der einen Listenpreis zwischen 120 und 140 Mill. Dollar hat. Der US–Konzern konnte aber erst 56 feste Verträge aushandeln. Mit den Verkäufen des geplanten Langstreckenflugzeugs bleibt Boeing damit hinter den eigenen Erwartungen zurück.

Ursprünglich wollte der führende US-Flugzeugbauer bis Ende des vergangenen Jahres 200 feste Bestellungen für den neuen Passagierjet auf dem Tisch haben. Ab 2008 soll die 7E7 in den Dienst gehen. Doch selbst mit der vor Weihnachten angekündigten Order von Japan Airlines (JAL) über 50 Dreamliner, 20 davon optional, konnte Boeing die Marke nicht erreichen.

Gleichwohl sind die Aufträge von Continental und JAL ein Lichtblick für Boeing. Der Konzern kämpft mit Problemen aus der Vergangenheit und wurde 2004 zum zweiten Mal hintereinander auf dem Markt für Ziviljets von Airbus bei Aufträgen und Auslieferungen überrundet.

Die Airbus-Entscheidung, mit der A350 einen direkten Konkurrenten zur 7E7 anzubieten und die Bekanntgabe des ersten Auftrags für das Flugzeug von der spanischen Air Europa erhöhen den Druck auf den US-Konzern: „Der Erfolg der 7E7 hat für Boeing höchste Priorität“, sagt Analyst Richard Aboulafia von der Teal Group.

Mit einer Reihe von Aufträgen von internationalen Billigfliegern drang Airbus in den vergangenen Monaten tief in einen Markt ein, den Boeing mit der 737 lange Zeit dominierte. Airbus räumte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 87 Prozent aller Aufträge von Discount-Airlines wie Air-Asia, Kingfisher Airlines, Indian Air Deccan, Jetstar oder Spirit Air ab.

Boeing-Chef Harry Stonecipher, der im vergangenen Dezember aus dem Ruhestand geholt wurde, ernannte als Antwort darauf einen neuen Verkaufschef für Ziviljets und bewegte die Bush-Administration zu einer Klage vor der WTO wegen angeblich illegaler staatlicher Subventionierung von Airbus.

Stonecipher ersetzte vor einem Jahr Phil Condit, der nach mehreren Skandalen wegen Industriespionage und unlauteren Wettbewerbs bei einem Großauftrag für Militär- Tankflugzeuge zurücktrat. Stoneciphers harte Linie bei den Kosten und seine Weigerung, die Preise für Jets tief zu diskontieren, sorgte für höhere Gewinne im Zivilgeschäft trotz fallender Erlöse. Weil das Rüstungsgeschäft stark expandierte, verbesserten sich Boeings finanzielle Ergebnisse im Laufe des vergangenen Jahres deutlich und auch der Aktienkurs erholte sich von den Tiefständen des Jahres 2003.

Die Skandale verfolgten das Unternehmen jedoch weiter. In mehreren Untersuchungen prüft das Pentagon 11 Aufträge im Gesamtwert von 33 Mrd. Dollar, die zwischen 1997 und 2001 an mehrere Firmen erteilt wurden. Das Justizministerium untersucht, ob Straftatbestände vorliegen und der geschasste frühere Finanzchef von Boeing, Michael Sears, ist einer der Haupt-Zeugen.

Es gilt als unwahrscheinlich, dass Boeing Aufträge wie die 4 Mrd. Dollar teure Modernisierung des C-130 Transportflugzeuges wieder verliert. Aber der Skandal, über den ebenfalls mehrere hohe Militärs stolperten, legte das Beschaffungsverfahren der Luftwaffe zu einer Zeit unter das politische Vergrößerungsglas, in der Boeing mehr als je zuvor auf Militäraufträge angewiesen ist.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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