US-Handelskonzern
Wal-Mart sitzt zwischen allen Stühlen

Das Management des US-Handelskonzerns Wal-Mart hat schon einfachere Zeiten erlebt: Während das flaue US-Geschäft die Investoren beunruhigt, attackieren die Gewerkschaften den weltgrößten Handelskonzern mit Indiskretionen. Neuerdings klagen sogar ehemalige Wal-Mart-Manager gegen das Unternehmen.

ebe NEW YORK. Das Management des US-Handelskonzerns Wal-Mart sitzt in der Zwickmühle zwischen unzufriedenen Investoren und politischen Organisationen, die fortwährend die Konzernführung attackieren. Während die Aktie des weltgrößten Einzelhändlers auch während der aktuellen Börsen-Euphorie kaum vom Fleck kommt, schießen die Gewerkschaften weiter Giftpfeile. Jüngster Beleg: Die Organisation „WakeUpWal-Mart.com“, ein gewerkschaftlich finanziertes Netz von Wal-Mart-Kritikern, reichte der „New York Times“ eine vertrauliche Studie weiter, die das Tiefpreis-Konzept des Unternehmens als schädlich für das Geschäft einstuft.

In einer Untersuchung kommt die langjährige Wal-Mart-Werbeagentur GSD&M Advertising zu dem Schluss, dass Verbraucher die niedrigen Preise des Konzerns automatisch mit niedriger Qualität verbinden. Deshalb werde Wal-Mart bei Textilien, Heimbedarf, Elektronik, Arzneimitteln und im Lebensmittelbereich „nicht als erste Wahl gesehen“, heißt es in der Studie. Das 55-seitige Werk kommt zur Unzeit ans Licht der Öffentlichkeit, denn Wal-Mart muss am heutigen Freitag seinen Anteilseignern Rede und Antwort stehen. Branchenexperten erwarten eine unruhige Hauptversammlung, zumal der Konzern unlängst warnte, die Gewinnprognosen im zweiten Quartal 2007 möglicherweise zu verfehlen.

Wal-Mart steht vor dem Problem, dass die hohen Energiepreise sowie die Krise am US-Immobilienmarkt zusehends auf die Laune der Verbraucher schlagen. Während die jüngsten Quartalszahlen im Heimatmarkt gerade noch ein flächenbereinigtes Umsatzwachstum von 0,6 Prozent ausweisen, steht für den Monat April ein alarmierendes Minus von 3,5 Prozent zu Buche. Die sich abschwächende US-Konjunktur sei ein wesentlicher Faktor für die flauen Verkäufe, teilte Wal-Mart mit. Ökonom David Rosenberg von Merrill Lynch rechnet damit, dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal 2007 nur noch um 0,6 Prozent gewachsen ist – das schwächste Plus seit Jahren.

Zwar ist bei einer Eigenkapitalrendite von über 20 Prozent eine Finanzkrise längst nicht in Sicht. Analysten sehen aber mit Sorge, dass die Wachstumskurve des Weltmarktführers deutlich abflacht. Die starke Abhängigkeit vom Heimatmarkt, der Wal-Mart noch immer rund 75 Prozent der Umsätze bringt, macht den Konzern anfällig für eine konjunkturelle Abkühlung. Zudem galoppieren in einigen Bereichen die Kosten: Als Amerikas führender Stromkonsument und Betreiber der zweitgrößten LKW-Flotte ist Wal-Mart von den steigenden Energiepreisen stark betroffen. Zur Überraschung vieler Analysten waren zudem die Gemeinkosten im Vorjahr um fast 15 Prozent gestiegen. Beobachter verweisen darauf, dass Wal-Mart inzwischen ein ganzes Heer von Juristen und Lobbyisten beschäftige, um auf die Attacken seiner vielen Kritiker besser antworten zu können.

Gebessert hat sich die Lage seitdem nicht, eher im Gegenteil: Neuerdings klagen sogar ehemalige Wal-Mart-Manager wie die vor sechs Monaten gefeuerte Werbechefin Julie Roehm. In einer 40-seitigen Klageschrift wirft sie Topmanagern inklusive Konzernchef Scott vor, teure Nettigkeiten wie Yachten oder Diamantschmuck von Geschäftspartnern zu Vorzugspreisen erhalten zu haben. Ein Wal-Mart-Sprecher sagte, die Vorwürfe gegen Scott seien „unwahr“.

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