US-Investor sieht „massives Missmanagement"
Wyser-Pratte will Frenzel kippen

Tui stehen heiße Monate bevor. Nachdem in den vergangenen Wochen mehrere Großaktionäre beim Dax-Konzern eingestiegen sind, hat sich nun der US-Investor Guy Wyser-Pratte ein Prozent an dem Reise- und Logistikkonzern gesichert – und sogleich einen Frontalangriff auf den Vorstandsvorsitzenden Michael Frenzel angekündigt. Beide verbindet eine langjährige Feindschaft.

HB DÜSSELDORF. Als Grund für seine mehr als 40 Millionen Euro schwere Investition nannte er im Gespräch mit dem Handelsblatt „massives Missmanagement“ durch Tui-Chef Michael Frenzel. Wyser-Pratte ist bekannt für seinen ruppigen Umgang mit Führungskräften. „Ich komme nicht zu einen Freundschaftsbesuch. Frenzel muss gehen.“

Der US-Investor und Frenzel sind miteinander verfeindet, seit der Amerikaner mehr als 20 Mill. Euro mit einer Investition beim Maschinenbauer Babcock Borsig verlor. Wyser-Pratte warf Tui damals vor, marode Unternehmensteile an Babcock übertragen zu haben. Babcock meldete 2002 Insolvenz an. Aber auch bei der Tui selbst sieht Wyser-Pratte Unstimmigkeiten: „Es gibt keine vernünftige Strategie, keine Transparenz und keine Leistung. Egal welchen Maßstab man anlegt – Tui liegt immer spektakulär unter dem Durchschnitt.“

Ein Tui-Sprecher lehnte Stellungnahmen zu Äußerungen von Investoren ab. Die Vorwürfe von Wyser-Pratte werden jedoch von unabhängigen Beobachtern gestützt. So kommt eine Studie der Ökonomen Ingolf Dittmann, Ernst Maug und Christoph Schneider, die an den Universitäten Rotterdam und Mannheim arbeiten, zu dem Schluss, dass Frenzels Umbau des Mischkonzerns Preussag zur heutigen Tui die Anleger bis zu acht Mrd. Euro gekostet hat. „Die Preussag verlor an Wert, weil man in eine Branche investiert hat, die man nicht verstand“, schreiben die Wissenschaftler. „Man hat zu viel für Unternehmen gezahlt, deren Wert man nicht steigern konnte.“

Statt dessen stieg der Wert der Unternehmen, von denen man sich getrennt hatte. So hat etwa das ehemalige Preussag-Tochterunternehmen Salzgitter AG heute einen Börsenwert von 8,9 Mrd. Euro – doppelt so viel wie Tui.

Die massive Wertvernichtung zu Lasten der Anleger hat Frenzel und dem übrigen Tui-Management jedoch nicht geschadet: Während das durchschnittliche Tui-Vorstandsgehalt 1997 bei 700 000 Euro lag, waren es 2004 fast zwei Mill. Euro; auf Frenzel entfielen 3,2 Mill. Euro.

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