US-Kaffeekette
Wird Starbucks zum Opfer des eigenen Erfolgs?

„Starbucks stand noch nie besser da“, sagt Firmengründer Howard Schultz. Auch im zweiten Quartal konnte die US-Kaffeekette kräftig zulegen. Doch das hat eine Kehrseite: Mit dem Erfolg steigen auch die Erwartungen.
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New YorkSteuererhöhungen, Angst vor Arbeitslosigkeit, eine schwächelnde Wirtschaft – es sind unsichere Zeiten in den USA. Doch auf eines scheinen die Amerikaner trotz allem nicht verzichten wollen: ihren Caffe Latte, Chai-Tee oder Caramel Macchiato von Starbucks.

Vor allem den guten Umsätzen auf dem Heimatmarkt ist es nun zu verdanken, dass die weltgrößte Kaffee-Kette im vergangenen Quartal kräftig zulegen konnte. „Die anhaltende Stärke im US-Geschäft trotz wirtschaftlicher Unsicherheit hat unser Geschäft angeschoben“, sagte Finanzvorstand Troy Alstead am Donnerstag bei der Vorlage der neuesten Quartalszahlen.

Demnach kletterte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 11 Prozent auf den Rekordwert von 3,6 Milliarden Dollar. Der Gewinn legte um 26 Prozent auf unterm Strich 390 Millionen Dollar zu. In den vergangenen sechs Quartalen hatte Starbucks den Umsatz jeweils um mehr als zehn Prozent gesteigert. Gleichzeitig erhöhte der Konzern auch seine Prognose für das laufende Jahr.

Allein in den US-Filialen, die länger als ein Jahr in Betrieb sind, konnte Starbucks in den vergangenen Monaten 7 Prozent mehr umsetzen. Ebenso stieg die Zahl der Besucher und die Höhe des Betrages, den sie in den Cafés ausgaben. Der amerikanische Kontinent, wovon die allermeisten Filialen in den USA stehen, macht rund drei Viertel des Gesamtgeschäfts bei Starbucks aus.

Stark wachsen – mit acht Prozent – konnte die Kette aber in der Asien-Pazifik-Region. Nur im krisengeplagten Europa lief das Geschäft schleppend: Dort gingen die Umsätze um zwei Prozent zurück. Immerhin verdiente der Konzern anders als im vergangenen Jahr wieder Geld, nachdem er rund 30 Filialen geschlossen hatte. „Europa bleibt ein herausfordernder Ort für uns“, sagte Alstead.

Gründer und Unternehmenschef Howard Schultz zeigte sich am Donnerstag hochzufrieden. Starbucks werde für Kunden in aller Welt immer wichtiger, sagte er am Firmensitz in Seattle. Allein im vergangenen Quartal kamen 590 neue Läden hinzu, darunter 337 Filialen des übernommenen Teespezialisten Teavana. Zuletzt hatte Starbucks insgesamt weltweit knapp 18.900 Filialen.

Wachstum sieht Schultz derweil verstärkt bei Produkten, die gar nichts mehr mit Kaffee zu tun haben. So hatte sich der Konzern vor Teavana bereits unter anderem die Saftfirma Evolution und die Bäckereikette La Boulange einverleibt. Unter dem Namen Verismo verkaufen die Amerikaner auch Kaffeemaschinen für Kaffeekapseln. Dabei arbeitet Starbucks mit dem deutschen Hersteller Krüger aus Bergisch Gladbach zusammen.

„Starbucks stand noch nie besser da“, sagte Schultz nach Vorlage der Zahlen. Die Anleger wollten allerdings nicht so recht applaudieren: Nach Börsenschluss drehte die Aktie rund drei Prozent ins Minus. Das Unternehmen hatte beim Gewinn die Erwartungen in etwa getroffen – beim Umsatz allerdings hatten sich Analysten mehr erhofft.

Und genau das scheint langsam für Starbucks zum Problem zu werden: Das jüngste Hoch kann ja nicht ewig so weitergehen. Steve West von der Analysefirma ITG sieht Starbucks deshalb fast schon als Opfer des eigenen Erfolges: „Die Erwartungshaltung wird immer größer, bis man sie am Ende nicht mehr erfüllen kann“.

Mit Material von dpa und rtr

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik

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