US-Kliniken verlieren Patienten nach Deutschland
Deutsche Kliniken bei reichen Arabern hoch im Kurs

Eine kleine aber feine Klientel des deutschen Gesundheitswesens interessiert sich aber wenig dafür, wenn ein Eingriff ein paar tausend Euro teurer wird.

Reuters BERLIN. Sie schweben im eigenen Jumbo-Jet ein, nächtigen mit Familie und Bodyguards in Luxushotels und lassen sich von deutschen Spezialisten am kranken Herzen operieren oder eine neue Niere einsetzen. Die Rede ist von reichen Arabern, bei denen deutsche Ärzte und Hospitäler immer beliebter werden.

Patient mit 100-Köpfiger Entourage

„Es gibt einen starken Anstieg von Gästen aus arabischen Ländern, die sich in Berlin behandeln lassen“, sagt Emilie Sotomayor vom Nobelhotel Adlon. In den bis zu 7 700 Euro teuren Suiten der Herberge am Pariser Platz im Zentrum der Hauptstadt erholen sich mehr und mehr vermögende Araber, nachdem sie aus der Klinik entlassen wurden. Das Adlon hat kürzlich eine Kooperations-Vereinbarung mit der Traditionsklinik Charité geschlossen, die nur wenige hundert Meter entfernt liegt. Für das Adlon sind die Rekonvaleszenten ein lohnendes Geschäft: Zuletzt hat ein Araber Zimmer für sich und seine 100-köpfige Entourage angemietet.

Grund für den Run arabischer Patienten auf deutsche Hospitäler sind vor allem die strengen Einreisekontrollen in den USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001. „Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, aber der 11. September und der Sicherheits-Wahn in Amerika hat sicher eine Menge damit zu tun“, sagt Stefan Loening, Chefarzt für Urologie an der Charité: „Sie können ohne Probleme nach Deutschland fliegen und müssen nicht befürchten, dass eine Nagelschere im Gepäck Stirnrunzeln hervorruft“, sagt der Arzt über die arabischen Patienten.

US-Kliniken verlieren Patienten nach Deutschland

Der Gesundheitsdienstleister German Health organisiert Behandlungen von Arabern in Deutschland - und im vergangenen Jahr sind die Einnahmen der Firma aus Fürth stark angestiegen. „Prinzen, Prinzessinnen und Scheichs sind in den letzten zwei Jahren nach Deutschland gekommen“, sagt Ozan Samtimiz, Manager bei German Health. Rund 600 Patienten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman, Katar und Saudi-Arabien hat die Medizin-Agentur in den vergangenen beiden Jahren nach Deutschland vermittelt.

Die rege Reisetätigkeit von Patienten nach Deutschland geht vor allem zu Lasten renommierter US-Krankenhäuser. Der Berliner Urologe Loening, der 20 Jahre in Amerika gearbeitet hat, sagt, die deutschen Kliniken könnten durchaus mit den Häusern in den USA mithalten - die Kosten lägen aber grob geschätzt nur auf einem Drittel des US-Niveaus. Allerdings: Die Kosten, sagt Loening, seien für die betuchten Gäste von der arabischen Halbinsel nicht das Hauptargument.

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