US-Konsumflaute Wut auf Walmart

Während der deutsche Einzelhandel sich mit dem ersten Adventswochenende zufrieden zeigt, herrscht in den USA nach dem Start ins Weihnachtsgeschäft am „Black Friday“ der große Frust. Der Unmut konzentriert sich auf den Handelsriesen Walmart. Er gilt als Synonym für das Problem Amerikas.
16 Kommentare
Proteste in Lakewood/Colorado: Walmart-Angestellte demonstrieren gegen die Lohnpolitik des Handelsriesen. Quelle: ap

Proteste in Lakewood/Colorado: Walmart-Angestellte demonstrieren gegen die Lohnpolitik des Handelsriesen.

(Foto: ap)

San FranciscoThanksgiving ist vorbei. Die Rabattschlachten des Black Friday sind geschlagen. Was bleibt, sind Videos von Tumulten und Ausschreitung auf Youtube, Verhaftungen, Verletzte und ein frustrierter Einzelhandel. Den Bürgern fehlt das Geld. Der Unmut konzentriert sich dabei auf den größten Handelskonzern der Welt: Walmart. Er gilt als Synonym für das Problem Amerikas: flächendeckende Armut und Reichtum für wenige.

Die Zahlen sollten die Wall Street beeindrucken und gleichzeitig zeigen, wie gut es doch ist bei Walmart zu arbeiten. „Über 475.000 Vollzeitbeschäftigte bei Walmart in den USA verdienen mehr als 25.000 Dollar im Jahr“, erklärte Bill Simons, Chef der US-Aktivitäten, auf einer Investorenkonferenz von Goldman Sachs im Oktober. Aber das einzige, was von dieser Zahl hängen blieb, war, was er damit indirekt ausgedrückt hat: Es verbleiben damit über 50 Prozent der Angestellten beim größten privatwirtschaftlichen Arbeitgeber der USA, die höchstens 25.000 Dollar im Jahr bekommen.

Eine davon ist Tiffany Beroid aus Maryland. „Ich arbeite hier seit über zwei Jahren in Vollzeit und verdiene weniger als 25.000 Dollar“, sagt die Ehefrau und Mutter. „Um über die Runden zu kommen, brauche ich Lebensmittelmarken vom Staat. Als größter Arbeitgeber des Landes sollte Walmart Löhne zahlen, die den Lebensunterhalt ermöglichen.“

Zusammen mit tausenden anderen Angestellten und Aktivisten stand sie vor einem der Läden des Handelsgiganten von Washington bis San Francisco, um vom Management mehr Lohngerechtigkeit zu verlangen, statt nur den Wohlstand von Aktionären und der Eigentümerfamilie Walton zu mehren. Das Ziel der Protestbewegung ist dabei moderat. Ein Vollzeitstelle sollte 25.000 Dollar einbringen. Die statistische Armutsgrenze für eine Familie von vier liegt in den USA bei 23.550 Dollar.

Die fehlende Kaufkraft im Hauptmarkt USA bekommt Walmart dabei selbst zu spüren. Die größten Kundengruppen – Geringverdiener und Mittelstand – stöhnen unter dem Auslaufen von Steuervergünstigungen für Arbeitnehmer, Jobunsicherheit und den Nachwehen des Government Shutdowns. Zeitweilig 800.000 Staatsbedienstete hatten in den unbezahlten Zwangsurlaub gehen müssen. Die Einkommen der typischen Walmart-Kunden sinken, während die Nahrungsmittelpreise stabil bleiben, räumt auch Walmart-Manager Simon unumwunden ein. Während die Börsenhausse, angefeuert durch billiges Geld, den Wohlstand des oberen ein Prozent der US-Bürger permanent antreibt, fallen alle die zurück, die vom nächsten Gehaltsscheck leben.

Und der Druck entlud sich am Schnäppchen-Freitag, der in vielen Handelsketten schon am Donnerstag begann. In der Hoffnung auf ein paar Dollar Ersparnis fielen die letzten Reste Anstand unter dem Ansturm auf die Walmarts, Targets und Einkaufs-Malls der USA. Wettbewerber um eines der limitierten Schnäppchen wurden schon mal handgreiflich am Kauf gehindert oder angespuckt, bei Youtube kursieren zahlreiche Videos, die Ausraster en masse dokumentieren.

Bei allem großen Handelsketten waren die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt worden wie vor einem drohenden Terrorangriff. Auf keinen Fall durfte es eine Wiederholung eines Vorfalls aus 2008 geben, als ein Walmart-Angestellter vom Schnäppchen-Mob zu Tode getrampelt wurde. Manche Geschäfte verteilten Coupons an die Wartenden, damit sie sicher waren, eines der limitierten Billigprodukte zu bekommen. Andere räumten Käufern mehrere Stunden Zeit ein, in der sie nach dem Kauf nach Hause fahren konnten, um später in aller Ruhe ihre bezahlte Beute abzuholen. So sollten die Mega-Schlangen an den Kassen reduziert werden.

Hollywood-Star Ashton Kutcher beschert Walmart PR-Desaster
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

16 Kommentare zu "US-Konsumflaute: Wut auf Walmart"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ich kann Ihnen da nur zustimmen. Es hilft niemandem immer nur zu schimpfen und die USA kleinzureden. An einem Untergang der USA kann uns ebensowenig gelegen sein wie an dem Untergang einer anderen Nation. Das Problem Walmatt zeigt nur Fehlentwicklungen auf und wie in einem Brennglas die Auswirkungen des Turbo-Kapitalismus. Viele Stimmen in den USA sind sich dessen bewusst und wollen das ändern. Es dauert nur seine Zeit.

  • „+++ Kommentar von der Redaktion gelöscht. Bitte halten Sie sich an unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette/ +++“

  • „+++ Kommentar von der Redaktion gelöscht. Bitte halten Sie sich an unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette/ +++“

  • Europa ist noch viel desolater als die USA.
    Und die USA und deren Bewohner immer nur negativ zu sehen, ist von der Funktion her dem Rassismus ähnlich.

    Was wäre die Welt eigentlich ohne die USA ? Europa hat schon lange keine Innovationen mehr hervorgebracht, und der Rest der Welt ?
    Ohne z.B. die US-Innovationen der Agrartechnologie würden heute milliarden Menschen hungern und sterben.
    Selbst wenn die USA kollabieren, und die Welt in den Abgrund reißen, so nur deshalb, weil der Rest der Welt dann wieder da wäre, wo man ohne die USA wäre.

  • "Die einzigen die in die USA am laufen halten sind asiatische Einwanderer, die ehemaligen Europäer sind fett und ähnlich dämlich wie sie." Was für eine Rechtschreibung.

  • German Trash
    Die NPD ist vom Staat unterwandert und warum müssen die Indianer High Tech Unternehmen haben um glücklich zu sein, aber der Rückständigen muß unterjocht werden. Wie ich sehe ist das auch noch Ihr heutiges Motto.Wer hier der Rassist ist brauche ich Ihnen somit nicht zu sagen.

  • Ja, alle sollen mehr verdienen. Nur werden dann auch Produkte und Dienstleistungen teurer. Die Kaufkraft steigt dadurch nicht.
    Letztlich sind es die Schnäppchenjäger die die Löhne, auch ihre eigenen drücken.

    Die USA haben in den letzten Jahrzehnten übrigens Zigmillionen Latinos aufgenommen. Die wollen auch Arbeit, und seltsam - trotz der niedrigen Löhne drängen weitere Zigmillionen in die USA, und auch hierher nach Europa.

    Ohne Einwanderung hingegen würde Mangel an Arbeitskräften herrschen, höhere Löhne wären durchsetzbar. Dann wären auch die Profite der Konzerne geringer. Aber grade die Konzernhaßer wollen doch, zusammen mit den Konzernen, Masseneinwanderung.
    Ich bin übrigens für Einwanderung was aber bedeutet, Wohlstand zu teilen, sprich davon abzugeben.

    Und daß nur die Reichen reicher werden, ist Folge selbstbestimmter Entscheidung der so genannten Armen, wenn sie für wenig Geld KEINE Hebelprodukte zu kaufen, und aus 1000 $ das zehnfache oder 100fache machen. Was können die Reichen dafür, wenn die Armen ihre Chancen nicht nutzen ?

    Würde hingegen der Staat die Steuern senken, insbesondere Sales-Taxes und Energiesteuern - hätten auch die Armen höheren Lebensstandard. Aber in der einfachen Welt der Linken ist der Staat immer der Gute, und die Konzerne sind immer die Bösen. Solche Feindbilder haben unter sozialistischen Regimen zu 100 Millionen Mord- und Hungertoten geführt.

  • „+++ Kommentar von der Redaktion gelöscht. Bitte halten Sie sich an unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette/ +++“

  • Das schlimme an dieser Situation ist nicht nur die Armut der Bürger in den USA und auch im restlichen Teil des Westens.
    Schlimmeres wird uns hier in Europa und dem Rest der Welt widerfahren, wenn die USA bei ihrem Untergang die Welt mit sich reißen wird.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%