US-Konzern Davita bietet für Konkurrent Gambro umgerechnet drei Milliarden Dollar
Dialyse-Firmen stehen vor Großfusion

Unter den Betreibern von Blutwäsche-Kliniken setzt sich die Konsolidierung fort. Der US-Konzern Davita verhandelt über die Übernahme der Dialyse-Aktivitäten des deutlich größeren schwedischen Wettbewerbers Gambro.

wsj/ant/hst FRANKFURT. Dies verlautete aus Kreisen, die mit den Gesprächen vertraut sind. Gambro ist einer größten Anbieter in dem Geschäft weltweit. Die Übernahme soll Davita den Informationen zufolge rund drei Mrd. Dollar wert sein.

Werden die Verhandlungen erfolgreich beendet, hätte die Fusion auch Auswirkungen auf Deutschland: Die Bad Homburger Fresenius Medical Care AG (FMC) würde in den Vereinigten Staaten möglicherweise die Marktführerschaft verlieren. „Für die Gambro und Davita wäre ein Zusammenschluss aber nicht nur deshalb sinnvoll“, sagte Ludger Mues, der den Sektor als Aktienanalyst des Bankhauses Sal. Oppenheim beobachtet. Denn Davita verfolgt– anders als FMC und Gambro – bislang kein integriertes Geschäftsmodell, sondern kauft die für die Blutwäsche (Dialyse) notwendigen Geräte und Verbrauchsartikel zu. Die Gambro-Kliniken könnten nach Einschätzung des Analysten ein Programm zur Margenverbesserung gebrauchen. „Die US-Klinikbetreiber erzielen auf ihrem Heimatmarkt deutlich bessere Renditen als ihre europäischen Konkurrenten“, sagte er dem Handelsblatt.

Bislang stehe jedoch noch nicht fest, ob der Deal tatsächlich zustande kommt, heißt es in den Kreisen. Die Transaktion könne noch scheitern. Würden die Parteien miteinander einig, sei aber noch im Laufe dieser Woche mit einer Veröffentlichung zu rechnen.

Beide Unternehmen lehnten gestern eine Stellungnahme zu den Informationen ab. An der Börse Stockholm wurde die Aktie des Gambro-Konzerns wegen der Spekulationen vom Handel ausgesetzt. Analysten zeigten sich skeptisch ob Davita eine derart große Übernahme überhaupt finanzieren kann: Die Marktkapitalisierung des Unternehmens entspricht mit etwa drei Mrd. Dollar in etwa dem geschätzten Transaktionsvolumen.

Dem Zeitungsbericht zufolge würde Davita den Kauf der Gambro- Geschäfte über Bankschulden und Anleihen finanzieren. Das Unternehmen steht jetzt allerdings mit einer Gesamtverschuldung von rund 1,4 Mrd. Dollar bereits ziemlich tief in der Kreide.

Für einen Erfolg der Verhandlungen spricht dagegen die Aktionärsstruktur des 1964 gegründeten Gambro-Konzerns: Größter Anteilseigner ist die schwedische Familie Wallenberg, die über eine Investmentgesellschaft 19,9 Prozent des Kapitals und 26 Prozent der Stimmrechte hält. „ Investmentgesellschaften leben natürlich davon, dass sie Anteile kaufen und gewinnbringend wieder verkaufen“, sagte ein Analyst einer schwedischen Bank.

In jedem Fall gehen Branchenexperten jedoch davon aus, dass das Geschäft auf kartellrechtliche Widerstände stoßen würde. Der Marktführer FMC kann nach Informationen aus Branchenkreisen in den USA kaum noch Zukäufe tätigen, ohne die Wettbewerbshüter in den amerikanischen Justizbehörden zumindest auf den Plan zu rufen.

Dementsprechend zeigte sich der deutsche Aktienmarkt gestern wenig beeindruckt von den Übernahmespekulationen. Die FMC-Aktie notierte im Tagesverlauf zwar leicht im Minus, bewegte sich damit aber im Einklang mit dem Gesamtmarkt.

In den USA notierten die Titel von Davita dagegen um fast neun Prozent im Plus. Die Aktie hat im Laufe des Jahres um fast zehn Prozent zugelegt. Die Gambro-Aktie kletterte um 3,6 Prozent in die Höhe, bevor der Handel um die Mittagszeit an der Börse Stockholm ausgesetzt wurde.

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