US-Konzern
Nike im Steuerparadies

Die Enthüllungen der „Paradise Papers“ zeigen: Auch der Sportartikelhersteller Nike hat mit Tricks der Appleby-Kanzlei seine Gewinne in anderen Ländern anfallen lassen und damit Milliarden an Steuern vermieden.
  • 0

New YorkDer Sportartikelhersteller Nike gehört zu den größten Steuervermeidern der Welt. Das geht aus den „Paradise Papers“ hervor, die die „Süddeutsche Zeitung“ an die Öffentlichkeit gebracht hat. Zu verdanken hat das Nike der geschickten Struktur, die die Kanzlei Appleby entworfen hat.

Damit gesellt sich Nike zu Unternehmen wie Allergan, Facebook und Uber, die alle über ausländische Firmen ihre Gewinne vor dem Zugriff der Steuerbehörden sichern. Laut einer Analyse des Berkeley-Professors Gabriel Zucman fallen 63 Prozent der im Ausland verdienten Gewinne der US-Konzerne heute in nur einer Handvoll Länder an – vor allem in Bermuda, Irland, Luxemburg und den Niederlanden.

Das Geld von Personen, die in Deutschland Nike-Schuhe kaufen, wandert nicht etwa zum Deutschland-Ableger von Nike und damit auch nicht in die deutschen Steuerkassen. Stattdessen geht der Großteil der satten Marge offensichtlich in die Niederlande. Die deutschen Läden und Kaufhäuser agieren lediglich als eine Art Vermittler.

Nike hat seine Konzernstruktur vor etwas mehr als einem Jahrzehnt komplett verändert, damit so wenig Steuern wie möglich in den USA anfallen. Dafür ist die Gesellschaft, die die Markenrechte für Nike verwaltet, auf die Bermudas gezogen. Dort liefen milliardenhohe Zahlungen von Nike-Töchtern weltweit ein, die innerhalb des eigenen Konzerns für die Nutzung des geschwungenen Logos zahlen mussten.

Auch das Geld, das aus Deutschland in die Niederlande kam, floss größtenteils weiter auf die Bermudas. Dort musste Nike die Gewinne nicht versteuern. Und in den Ländern wie Deutschland, wo die Gewinne ursprünglich erwirtschaftet wurden, fielen so hohe Kosten für Lizenzzahlungen an, dass von den Profiten kaum etwas übrig blieb.

So hat es Nike geschafft, die Steuerlast von rund 35 Prozent auf 25 Prozent zu drücken. Die außerhalb der USA gelagerten Gewinne wuchsen in dieser Zeit von rund einer Milliarde Dollar im Jahr 2005 auf mehr als sechs Milliarden Dollar im Jahr 2014. Nike geriet in dieser Zeit zwar ins Visier der Steuerbehörden, aber die konnten dem Unternehmen nichts anhaben. Es war offensichtlich alles rechtens.

Dann kam das Jahr 2014, in dem eine Steuervereinbarung zwischen Nike und den Niederlanden auslief. Die hatte den Amerikanern die hohen Lizenzzahlungen aus den Niederlanden auf die Bermudas erst ermöglicht. Aber damit ist nun Schluss. Appleby verpasste deshalb dem Sportartikelhersteller wieder eine neue Struktur. Diesmal rieten die Experten, viele Gesellschaften auf den Bermudas aufzulösen und deren Anteile auf Gesellschaften in den Niederlanden zu übertragen. Seitdem gehören viele Markenrechte der „Nike Innovate CV“ in den Niederlanden. Dabei handelt es sich um eine Art Kommanditgesellschaft, die die Lizenzzahlungen entgegennimmt.

Wer jetzt denkt, dass nun die Niederlande die Steuern kassierten, liegt falsch. Auch diesmal schauten die Steuerbehörden laut der Enthüllungen der „Süddeutschen Zeitung“ in die Röhre. Denn in den Niederlanden werden diese CV-Gesellschaften nicht direkt besteuert, sondern nur ihr jeweiliger „General Partner“, was eine Art Hauptgesellschafter ist. Und der General Partner von „Nike Innovate CV“ ist wiederum eine CV-Gesellschaft und deren Gesellschafter auch und deren Gesellschafter auch.

Irgendwann führt die Kette an CV-Gesellschaften zwar nach Delaware, wo Nike in den USA registriert ist. Aber die US-Steuerbehörden fühlen sich nicht zuständig, weil es sich um ein ausländisches Unternehmen handelt, deren Steuern also im Ausland erhoben werden müssten. Auch in den Niederlanden muss Nike keine Steuern zahlen, weil dort die CV-Gesellschaften nicht steuerpflichtig sind. Und so gelingt Nike das Kunststück, dass es kaum Steuern zahlt in Europa.

Das Management kann sich daher damit brüsten, dass es den Steuersatz auf zuletzt nur 13,2 Prozent senken konnte. In seinem Ausblick für das Jahr 2018 erklärte Nike-CEO Mark Parker, das Unternehmen rechne weiterhin mit einem Steuersatz von 15 bis 17 Prozent. Das liegt deutlich unter dem eigentlichen Unternehmenssteuersatz von 35 Prozent, der in den USA anfallen würde.

Die Position von Nike ist die gleiche, die auch Apple, der Fahrdienst Uber und der Botox-Hersteller Allergan vertreten. Sie alle erklärten, dass sie sämtliche Steuerauflagen einhalten. Appleby hat offensichtlich saubere Arbeit geleistet.

Donald Trump will die Unternehmenssteuern mit seiner neuen Steuerreform von 35 Prozent auf 20 Prozent senken. Mit den Kunststücken von Appleby kann er da nicht mithalten.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " US-Konzern: Nike im Steuerparadies"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%