US-Nobelkaufhaus übernimmt Mytheresa.com
Ein Luxus-Verkauf „Made in Germany“

Der Münchner Luxushändler Mytheresa wechselt den Besitzer: Die US-Gruppe Neiman Marcus übernimmt die Firma. Während die beiden Unternehmen sich gegenseitig beglückwünschen, zeigen sich Experten skeptisch.
  • 0

DüsseldorfWenn deutsche Luxusmode amerikanisch wird: Die US-Gruppe Neiman Marcus Group (NMG) übernimmt den Münchner Onlinehändler Mytheresa.com sowie das stationäre Handelsgeschäft Theresa. Das gaben die beiden Unternehmen am Montag bekannt. Wie viel NMG für den deutschen Luxushändler zahlt, verschwiegen sie. Zum Verkauf stand der deutsche Anbieter für Luxusmode bereits seit Juni.

Durch den Erwerb von Mytheresa will NMG auf dem ganzen Globus wachsen. In einer Stellungnahme bezeichnete Geschäftsführerin Karen Katz den Kauf als „strategisch signifikanten Schritt“ bei der Internationalisierung des Geschäfts. Mytheresa versendet Luxusmode in 120 Länder weltweit. Die Kernzielgruppe des Unternehmens kommt aus Europa, dem Mittleren Osten und Asien – das Kerngeschäft von NMG liegt bisher in Nordamerika.

Die beiden Gründer von Mytheresa, Christoph und Susanne Botschen, bleiben dem Modehändler aber erhalten. Sie werden im Beirat des Unternehmens vertreten sein. „Beide Parteien werden von dieser Partnerschaft profitieren“, sagten die Botschens in einer Mitteilung. Bisher hatte der Münchner Investor Acton Capital Partners eine Beteiligung an dem Unternehmen gehalten.

Mytheresa und Theresa arbeiten mit rund 170 Designern zusammen, darunter Valentino, Saint Laurent und Dolce & Gabbana. Mit einem Nettoumsatz von 100 Millionen Euro zählt das bisher inhabergeführte Geschäft zu einer internationalen Größe im Luxussegment. Das ist nicht selbstverständlich, wie das Beispiel der Konkurrenz zeigt: Der deutsche Onlinehändler Zalando versuchte, dem bayerischen Unternehmen mit seiner Luxusplattform Emeza Kunden abzuwerben. Doch die Kopie der vom Schweizer Luxushersteller Richemont betriebenen Plattform Net-a-Porter scheiterte nach nur neun Monaten.

E-Commerce-Experte Jochen Krisch bedauerte den Verkauf von Mytheresa ins Ausland daher. Es sei schade, dass „sich kein deutscher Käufer“ für das Unternehmen gefunden habe, sagte er zu Handelsblatt Online – und zweifelt am Sinn des Verkaufs. „In der aktuellen Marktphase wäre ein strategischer Investor einem Exit sicherlich vorzuziehen“, so Krisch. Doch Acton Capital habe offenbar kein Interesse daran gehabt, Mytheresa „mit weiterem Kapital zu unterstützen“.

Die künftige Partnerschaft mit NMG bewertet er kritisch. Man könne Neiman Marcus „eher gratulieren“ als Mytheresa, sagte der Handelsexperte. Neiman Marcus zähle „sicherlich nicht zu den Marktteilnehmern mit dem größten Online-Verständnis“. Insofern werde man abwarten müssen, welche Unterstützung Mytheresa künftig erfährt.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " US-Nobelkaufhaus übernimmt Mytheresa.com: Ein Luxus-Verkauf „Made in Germany“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%