Utz-Hellmuth Felcht Bahn-Chefaufseher zum Rapport bei Dobrindt

Bei der Deutschen Bahn könnte es erneut einen Personalwechsel geben: Nach Handelsblatt-Informationen steht Aufsichtsratschef Felcht möglicherweise vor dem Rücktritt. Für seine Nachfolge gibt es einen heißen Kandidaten.
Update: 01.02.2017 - 15:54 Uhr 4 Kommentare
Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn steht nach dem Abgang von Rüdiger Grube in der Kritik. Quelle: imago stock&people
Utz-Hellmuth Felcht

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn steht nach dem Abgang von Rüdiger Grube in der Kritik.

(Foto: imago stock&people)

BerlinUtz-Hellmuth Felcht, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn, steht nach Informationen aus Kreisen des Gremiums möglicherweise kurz vor dem Rücktritt. Felcht, der wegen der unerwarteten Kündigung von Bahnchef Rüdiger Grube in die Kritik geraten war, ist am heutigen Mittwoch zum Rapport bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Nach rund einer Stunde verließ er das Ministerium ohne eine Erklärung über den Hinterausgang.

Unmittelbar vor dem Gespräch mit Dobrindt sagte er der Deutschen Presse-Agentur, er erwarte im Ministerium „einen Austausch, eine Diskussion über das, was da am Montag abgelaufen ist“. Die alleinige Verantwortung für Grubes Rückzug wies er von sich: „Wer unsere Pressemeldung richtig gelesen hat, kann eindeutig nachlesen, dass die Entscheidung dort einstimmig gefallen ist.“

Beobachter erwarten, dass Felcht seinen Posten aufgeben wird. Ein Ministeriumssprecher wich am Mittwoch der Frage aus, ob Felcht noch das Vertrauen von Ressortchef Dobrindt genieße. Er werde sich an Personalspekulationen nicht beteiligen, sagte der Sprecher.

Dobrindt, der die ursprünglich vorgesehene Vertragsverlängerung mit Grube über drei Jahre abgesegnet hatte, ist sehr erbost über die ungeschickte Führung der Aufsichtsratssitzung am Montag. Während dieser Sitzung war Grube zurückgetreten, weil ihm plötzlich nur noch zwei Jahre Verlängerung angeboten wurden. Felcht habe die Ereignisse nicht im Griff gehabt, lautet der Vorwurf.

Grube erklärte in einem Brief an die Bahn-Mitarbeiter seine Beweggründe für seinen spontanen Rücktritt. Er habe vom Personalausschuss die Zusage gehabt, „dass mein Vertrag um drei Jahre bis zum 31.12.2020 verlängert wird“, so Grube am Dienstag in dem Schreiben, das „Spiegel online“ veröffentlichte.

Nachdem „man dann in der gestrigen außerordentlichen Aufsichtsratssitzung mir diese bereits erteilte Zusage auf zwei Jahre kürzen wollte, obwohl ich auf Gehaltssteigerung und Abfindung verzichtet hätte, musste ich eine klare Entscheidung treffen“. Grube bat die Mitarbeiter um Verständnis für seine Entscheidung. „Aber wie Sie wissen, komme ich vom Bauernhof, das habe ich gelernt, was Geradlinigkeit und zu seinem Wort stehen bedeuten.“

Als möglicher Nachfolger Felchts wird unter anderem Michael Frenzel gehandelt. Der frühere Tui-Chef war vor gut zwei Jahren in den Bahnaufsichtsrat auf Vorschlag des damaligen Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel (SPD) eingezogen. Schon 2014 gab es Spekulationen, Frenzel könnte eines Tages neuer Bahn-Chefaufseher werden. Der 69-jährige Frenzel war Anfang des Jahrtausends schon einmal für fünf Jahre Chefaufseher der Bahn. „Ich kann mir Herrn Frenzel als Aufsichtsratschef gut vorstellen, zumal er schon Anfang der Legislaturperiode im Gespräch war“, hieß es in Kreisen des Aufsichtsrates. „Er ist die einzige Alternative.“

Mit diesen Kontrolleuren hat sich Ex-Bahnchef Grube überworfen
Utz-Hellmuth Felcht
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Seit 2010 ist Utz-Hellmuth Felcht Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn. Damals berief ihn die schwarz-gelbe Bundesregierung auf den Chefposten im obersten Kontrollgremium. Der studierte Physiker galt lange als Vertrauter von Ex-Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Wie bei Rüdiger Grube verlief auch seine Vertragsverlängerung ziemlich holprig. Als Alexander Dobrindt (CSU) das Verkehrsressort übernahm, war die Fortsetzung seines Vertrag alles andere als selbstverständlich. Doch letztlich setzte sich Felcht als AR-Chef durch. Anders Rüdiger Grube. Der Bahnchef schmiss seinen Job hin, weil sich der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn seiner Meinung nach nicht an Absprachen gehalten haben soll. Grube wollte seinen Ende 2017 auslaufenden Vertrag eigentlich noch um weitere drei Jahre verlängern, der Aufsichtsrat bot ihm aber nur zwei Jahre. Verärgert zog sich Grube nun zurück.

Alexander Kirchner
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Kirchner ist stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn. Darüber hinaus steht er der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vor. Als Gewerkschafter ist er darin geübt, Streit zu schlichten, zum Beispiel im Bahn-Tarifstreit im Jahr 2007. Doch zwischen Rüdiger Grube und dem Aufsichtsrat konnte wohl auch Kirchner am Ende nicht mehr vermitteln.

Michael Frenzel
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Der frühere Tui-Chef Michael Frenzel ist ebenfalls Mitglied im obersten Kontrollgremium der Deutschen Bahn. Zudem ist er Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft. In der Vergangenheit gehörte er auch schon anderen Aufsichtsräten an, etwa bei Volkswagen und der Nord LB. Er steht der SPD bis heute nahe.

Jürgen Großmann
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Jürgen Großmann gilt als Schwergewicht der deutschen Wirtschaft. Von 2007 bis 2012 war er Chef des Energieriesen RWE. Der Gesellschafter der Georgsmarienhütte Holding gehört derzeit auch dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn an. Großmann zählt immer noch zu den Top 100 der reichsten Deutschen. Einem Ranking des Manager Magazins zufolge betrug sein Vermögen im Jahr 2008 rund 1,35 Milliarden Euro. Während er für seinen Einsatz zur Sicherung des Stahlstandorts Georgsmarienhütte mit dem Courage-Preis ausgezeichnet worden ist, gibt es auch Kritik an der Arbeit des Bundesverdienstkreuzträgers 1. Klasse. Der Naturschutzbund Deutschland zeichnete ihn 2010 mit dem Negativ-Preis „Dinosaurier des Jahres Jahres“ aus, weil er sich für die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken eingesetzt hat.

Ingrid Hengster
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Die Managerin Ingrid Hengster ist seit 2014 im Vorstand der KfW. Darüber hinaus ist sie Mitglied des obersten Kontrollgremiums der Deutschen Bahn. Die erfolgreiche Bankerin aus Österreich sitzt auch im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp. Mit dem Jahrgang 1961 zählt die Mutter eines Sohnes zu den jüngsten Mitgliedern des Bahn-Aufsichtsrats.

Jürgen Krumnow
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Der ehemalige Tui-Aufsichtsratschef und Controlling-Chef der Deutschen Bank Jürgen Krumnow kennt das Manager-Dasein. Ebenso wie nun Rüdiger Grube verabschiedete er sich vorzeitig bei der Deutschen Bank. Sein Vertrag wurde dort 1999 nicht verlängert, weil ihn Vorstandskollegen schlicht für überfordert hielten. Dabei arbeitete er mehr als 30 Jahre für Deutschlands größtes Geldhaus. Auch vom Posten des Tui-Aufsichtsratschef verabschiedet er sich 2009 früher als gedacht.

Johannes Schmalzl
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Der Ministerialdirektor im Bundesministerium der Finanzen gehört ebenfalls dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn an. Der FDP-Politiker wurde 2011 für den Posten des Generalbundesanwaltes vorgeschlagen, nach einer öffentlichen Auseinandersetzung mit dem brandenburgischen Generalstaatsanwalt Erardo Cristoforo Rautenberg zog er seine Kandidatur zurück.

Frenzel hatte am Montag in der Diskussion um die Vertragsverlängerung von Vorstandschef Grube zur Mäßigung aufgerufen und auf die Gefahr einer solchen Debatte hingewiesen. Angesichts seiner Rolle als einfaches Aufsichtsratsmitglied habe er sich aber nicht durchsetzen können, hieß es. Frenzel gilt allerdings nicht als gesetzt, da er von der SPD für den Aufsichtsrat vorgeschlagen wurde. Felcht war dagegen auf Vorschlag der CSU zum Aufsichtsratschef gemacht worden.

Aufsichtsräte aus allen Lagern kritisierten nach Informationen der Wochenzeitung „Die Zeit“ die Amtsführung Felchts. Dieser habe die Sitzung am Montag schlecht vorbereitet und dann auch nicht im Griff gehabt. „Das hätte Felcht einfach abmoderieren können, es war ja alles im Vorfeld ausdiskutiert worden“, wird ein Teilnehmer zitiert. Stattdessen habe der Vorsitzende die Diskussion laufen lassen.

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4 Kommentare zu "Utz-Hellmuth Felcht: Bahn-Chefaufseher zum Rapport bei Dobrindt"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Und weiter geht es im munteren Pöstchen geschacher zwischen Politik und Wirtschaft; Fachkompetenz spielt dabei keine Rolle. Alles wie immer!

  • Liebes Handelsblatt,
    Bitte googeln Sie doch mal, recherchieren tut ihr von der Presse ja nicht mehr. Michael Frenzel war sogar schon mal Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn, Schröder noch Kanzler und Mehdorn Bahnchef.

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