VC Cockpit fürchtet ein Ausflaggen aus Lufthansa-Konzern
Beim Reisekonzern Thomas Cook gärt es

In der Belegschaft des deutschen Reisekonzerns Thomas Cook rumort es gewaltig. Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) hat gemeinsam mit der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo für heute zu einer Demonstration vor das Condor-Gebäude in Kelsterbach geladen, um auf die „konzeptlosen Management-Entscheidungen der vergangenen Jahre“ aufmerksam zu machen, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

DÜSSELDORF. „Dem Vorstand geht es offenbar nur darum, Arbeitsplätze aus der Condor zu eliminieren. Diesen Weg werden wir nicht mitgehen“, sagte VC-Sprecher Markus Kirschneck dem Handelsblatt. Er kündigte „einen ganz harten Kampf“ an, falls der Vorstand an dieser Strategie festhalte.

Auslöser des offenen Streits sind einschneidende Abbaupläne bei Deutschlands größter Charter-Airline Condor, die seit 2002 unter der Dachmarke Thomas Cook fliegt. Stefan Pichler, Chef der gemeinsamen Reisetochter von Lufthansa und Karstadt-Quelle, hat angesichts roter Zahlen angekündigt, nach diesem Sommer fast 30 % der Ferienflotte stillzulegen: 13 Flugzeuge des Typs Boeing 757 sollen verkauft und rund 340 Stellen abgebaut werden. Damit würden „die Flugkapazitäten der touristischen Nachfrage in Deutschland angepasst“, heißt es bei Thomas Cook. Der früher unter C&N (Condor & Neckermann) firmierende Konzern hatte in den Boomjahren ein europaweites Reise-Portfolio zusammengekauft und sich dabei teure Bieterschlachten mit dem größeren Rivalen Tui geliefert.

Jetzt wird auf beiden Seiten deutlich abgespeckt: Thomas Cook führt an, der deutsche Pauschalreise-Markt sei seit 2001 um 25 % geschrumpft. Derweil seien die Ferienflugkapazitäten durch den Markteintritt zahlreicher Billigflieger um 40 % gestiegen. Weil nicht nur die Flugpreise von Air Berlin, Germanwings und Co. deutlich tiefer liegen, sondern auch deren Kostenstrukturen, steht die Condor mit ihrer Bindung an den Lufthansa-Konzerntarifvertrag vor einem Riesenproblem. „Nur wenn es uns gelingt, auf eine wettbewerbsfähige Stückkostenbasis zu kommen, können wir in dem scharfen Preiswettbewerb mithalten“, sagte ein Thomas-CookSprecher.

VC Cockpit indes fürchtet ein so genanntes Ausflaggen aus dem Lufthansa-Konzern: Kapazitäten würden im eigenen Konzern bewusst reduziert und bei günstiger operierenden Partnerfirmen wie Eurowings oder Germanwings frisch aufgebaut, lautet der Vorwurf. „Von Ausflaggen kann bei uns keine Rede sein“, erwiderte der Thomas-Cook-Sprecher: „Wir vergeben seit Jahren etwa 30 % des Gesamtflugvolumens an Drittcarrier. Dieser Anteil ist bisher nicht gestiegen und soll auch künftig nicht steigen.“ Während VC Cockpit und Ufo heute offen demonstrieren, hat sich der Condor-Betriebsrat inzwischen von dieser harten Linie distanziert: „Es gibt erste konstruktive Verhandlungen“, sagte Betriebsrats-Vize Uwe Strohschön. Eine Beteiligung an der Demonstration wäre deshalb „kontraproduktiv“.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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