VC Cockpit
Lufthansa-Piloten proben den Aufstand

In der Pilotengewerkschaft VC Cockpit ist ein Streit über die Tarifpolitik entbrannt. In einem Brief an Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber und seinen designierten Nachfolger Christoph Franz fordern mehrere Piloten von kleineren Lufthansa-Töchtern das Management auf, sich die künftige Konzernpolitik nicht von den Piloten der Hauptgesellschaft diktieren zu lassen.
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FRANKFURT. Die Verfasser des Briefes, eine Gruppe von Piloten, etwa der Lufthansa-Tochter Cityline, fürchten, dass die Piloten der Mutter künftig stärker Einfluss auf strategische Entscheidungen des Managements nehmen wollen, um ihren Konzerntarifvertrag zu verteidigen oder auszubauen. Dies ginge in ihren Augen zu Lasten jener Piloten, die etwa bei Eurowings oder Cityline nicht dem besser dotierten KTV unterliegen. "Offensichtlich versuchen die LH-Piloten in der aktuellen Tarifrunde unternehmenspolitische Ziele mit tariflichen Mitteln zu erzwingen", heißt es in dem Schreiben wörtlich, das dem Handelsblatt vorliegt. Und weiter: "Widersetzen Sie sich dem augenscheinlichen Willen der Piloten, Unternehmenspolitik zu betreiben."

Lufthansa wollte das Schreiben nicht kommentieren. Auch ein Sprecher von VC Cockpit wollte zu dem Vorgang mit Verweis auf die sensiblen Tarifgespräche nicht Stellung nehmen. Aus dem Umfeld der VC ist zu hören, dass die Tarifkommission ihre Forderungen falsch interpretiert sieht. Es gehe nicht darum Unternehmenspolitik zu beeinflussen. Es würden die Dinge angesprochen, die die Arbeitsplätze der Piloten betreffen.

Die Aktion dokumentiert, wie stark die Interessen der in der VC organisierten Pilotenschaft mittlerweile auseinanderklaffen. Nach monatelangem Richtungsstreit hatte sich in der VC eine Gruppe von Piloten durchgesetzt, die für eine härtere Gangart gegenüber Lufthansa eintritt. Die steht vor einem Problem: Einerseits will sie eine Aushöhlung des Konzerntarifvertrags verhindern. Das Lufthansa-Management hatte zuletzt mehrere Ableger wie Lufthansa Italia oder Aerologic im Frachtbereich gegründet, die diesem nicht unterliegen. Anderseits ist der Kampf gegen ein solches "Unterlaufen" immer auch ein Kampf gegen jenen Teil der VC-Mitglieder, die nicht im KTV fliegen.

So soll zum Beispiel die Regionaltochter Cityline größere und effizientere Flugzeuge mit über 100 Sitzen bekommen. VC pocht auf eine Vereinbarung, nach der Maschinen ab 70 Sitzen nur innerhalb des Konzerntarifvertrages geflogen werden dürfen. "Ohne die größeren Flugzeuge hat die Cityline keine Chance", sagt Alexander Hintze, Flugkapitän und einer der Autoren des Schreibens. Die Cityline-Piloten stehen sowieso schon unter Druck, da das Lufthansa-Management die Regionaltochter umstrukturieren will, mit noch unklaren Folgen für die Arbeitsplätze.

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