Veganer gegen Star-Köchin Wiener
Der Streit um die Tofu-Wurst

Veganer sind auch nicht besser, behauptet Star-Köchin Sarah Wiener. Sie ernährten sich von künstlichen Fleischimitaten aus der konventionellen Industrie. Veganer fühlen sich zu Unrecht beschuldigt und schlagen zurück.

DüsseldorfDie Veganer sind sauer. Sie fühlen sich missverstanden und verunglimpft. Schuld daran: Star-Köchin Sarah Wiener. Sie behauptet, dass sich immer mehr Veganer von fleischlosen Imitaten wie Seitan-Truthan oder Tofuwurst ernähren und damit nicht nur unnatürliche Produkte zu sich nehmen, sondern ebenso die konventionelle Industrie unterstützen, wie alle anderen Konsumenten auch. Und hat damit einen heftigen Streit losgetreten.

Denn jetzt schlagen die Veganer zurück: Das Informationsportal vegan.eu beschuldigt Wiener, eine Scheindiskussion angestoßen zu haben, die mit den tatsächlichen Essgewohnheiten der Veganer nichts zu tun habe – und stützt sich dabei auf eine eigene Umfrage. In der hatte das Informationsportal 1.000 Veganer nach ihren Essgewohnheiten befragt. Das Ergebnis: Fast keiner von ihnen isst jeden Tag Fleischersatz.

Ganz im Gegenteil: Rund 69 Prozent der Befragten essen Fleischersatz seltener als einmal wöchentlich, fast 15 Prozent einmal und weniger als elf Prozent mehrmals pro Woche. Auch der Konsum von Fleisch-Imitaten wie veganem Truthahn oder Schrimps ist laut der Umfrage eine absolute Rarität.

Fakt ist jedoch auch: Der Markt mit veganen Ersatzprodukten boomt. Laut dem Vegetarier Bund Deutschland (Vebu) verzeichnen Fleischalternativen seit 2008 ein stetiges Umsatzplus von jährlich rund 30 Prozent. 2014 betrug der gesamte Jahresumsatz rund 100 Millionen Euro. Auch Tim Koch, Unternehmenssprecher der Bio-Supermarktkette SuperBioMarkt bestätigt den Trend gegenüber dem Handelsblatt. „In den letzten zwei bis drei Jahren wurden in unseren Läden verstärkt Fleischersatzprodukte gekauft. Die Steigerungsraten liegen im zweistelligen Bereich.“

Bei der veganen Supermarktkette Veganz gehören Fleisch-, Wurst oder Käsealternativen ebenfalls seit Jahren zu den stärksten Warengruppen. „Die Produkte sind vor allem für Kunden interessant, die gerade anfangen, sich mit veganer Ernährung zu beschäftigen“, sagt Michele Hengst, Unternehmenssprecherin von Veganz. „Der Schritt hin zu einer fleischlosen Ernährung ist für sie einfacher, wenn sie zu Produkten greifen können, die sie bereits kennen – wie zum Beispiel Tofuwurst.“ Auch die Bio-Handelsmarke Alnatura möchte mit ihren Fleischersatzprodukten verstärkt Kunden ansprechen, die nur ab zu auf eine pflanzliche Alternative Lust haben. Das sagte eine Unternehmenssprecherin dem Handelsblatt.

Tatsächlich bergen die so genannten „Flexitarier“ ein großes Potential für den Lebensmittelhandel: Nach einer repräsentativen Studie der Universitäten Hohenheim und Göttingen vom Sommer 2013 machen diese Gelegenheitsvegetarier 12 Prozent der deutschen Bevölkerung aus. Nur zu drei bis vier von 21 Mahlzeiten in der Woche essen sie ein wenig und dann sehr ausgewähltes Fleisch oder Wurst. Dass immer mehr Verbraucher auf eine fleischlose Ernährung achten, liegt auch an Gesundheitswarnungen vor den Verzehr von Fleisch wie jüngst von der WHO. „Flexitarier“ greifen deshalb auch häufig zu den fleischlosen Imitaten von fleischhaltigen Klassikern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%