Veolia
Rückzug aus Deutschland? Niemals!

Zu teuer, zu unübersichtlich zu wachstumsschwach: Lange sah der Einstieg des französischen Umweltkonzerns Veolia ins Geschäft mit dem deutschen Müll nach einem veritablen Flop aus. Denn der Kauf von Deutschlands drittgrößtem Abfallentsorger Sulo brachte zunächst nur hohe Verluste. Dem früheren Mobilcom-Chef Thorsten Grenz könnte nun die Sanierung gelingen.
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HAMBURG. 1,45 Milliarden Euro hatte das Veolia 2007 für den Kauf des Müllunternehmens Sulo auf den Tisch gelegt. Doch statt der erhofften Gewinne bescherte Deutschlands drittgrößte Abfallfirma den Franzosen Verluste und Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe. Viele Entsorgungsverträge mit Kommunen erwiesen sich als unauskömmlich. Zudem sackten die Umsätze ab. Von den 1,3 Milliarden Euro aus dem Deutschlandgeschäft verlor der Weltmarktführer, der auch noch in der Wasser- und Energieversorgung sowie im Nahverkehr aktiv ist, in den vergangenen zwei Jahren 200 Millionen.

Zum Ende des laufenden Geschäftsjahres aber hellen sich die Minen in der Hamburger Zentrale auf. "Die Restrukturierung ist auf gutem Weg, Veolia Umweltservice schreibt wieder schwarze Zahlen", sagte Joachim Bitterlich, der als Chairman Veolias Deutschlandsaktivitäten koordiniert, jetzt dem Handelsblatt.

Zu verdanken hat Veolia dies Thorsten Grenz, dem ehemaligen Mobilcom-Chef, der seit zwei Jahren die Sanierung der deutschen Entsorgungstochter leitet. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit griff der 52-jährige Polizistensohn in Hamburg hart durch. Grenz reduzierte das Verwaltungspersonal, löste Regionalgesellschaften auf und kündigte unrentable Entsorgungsverträge. Gleichzeitig drängte er seine Regionalleiter zu sparsameren Investitionen: Wer weiterhin munter Sammelfahrzeuge und Mülltonnen orderte, dem schaltete Grenz kurzerhand das Bestellprogramm ab. "Die teuren Neuanschaffungen konnten wir uns sparen, indem wir die Logistik optimierten", berichtet Grenz.

Durch die Sanierung gelingt es den Franzosen nach jahrelangen Versuchen zum ersten Mal, auf dem deutschen Entsorgungsmarkt profitabel Fuß zu fassen. Anläufe dazu gab es in der Vergangenheit reichlich: Schon kurz nach dem Börsengang im Jahr 2000 - damals noch unter dem Namen Vivendi Environnement - gingen die Franzosen auf die Suche nach einem Übernahmeziel in Deutschland, blitzten aber mehrfach ab.

In ihrer Verzweiflung schlugen die Pariser, indirekt zu knapp 17 Prozent im Besitz des französischen Staates, 2007 bei Sulo zu. Vorbesitzer waren die beiden Private-Equity-Gesellschaften Apax und Blackstone. Die Integration des 2006 erworbenen Wettbewerbers Cleanaway überließen sie laut Grenz allerdings dem Käufer aus Paris.

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