Verärgerter Großaktionär
Streit um den Hochtief-Aufsichtsrat eskaliert

Der Machtkampf um die künftige Besetzung des Hochtief-Aufsichtsrats eskaliert. Das Kontrollgremium der Essener legte eine eigene Kandidatenliste für anstehende Neubesetzungen vor, die die Wünsche der Spanier missachtet.
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DüsseldorfDer Aufsichtsrat des Essener Bauunternehmens Hochtief legt eine eigene Kandidatenlisten für Neusetzungen des Aufsichtsrates vor - und verärgert damit Großaktionär ACS. Die Spanier nannten das Vorgehen „enttäuschend“ und lassen zugleich die Muskeln spielen: Der Anteil an Hochtief sei bereits auf rund 41 Prozent aufgestockt worden, sagte eine Sprecherin. Bis zur entscheidenden Hauptversammlung im Mai, bei der sich bereits jetzt eine Mehrheit für die Spanier abzeichnet, wolle ACS noch weitere Hochtief-Anteilsscheine unter seine Kontrolle bringen. Gelingt bis zu der Hauptversammlung keine Einigung, droht eine Kampfabstimmung - die ACS Analysten zufolge gewinnen dürfte. 

„Es ist enttäuschend, dass der Aufsichtsrat von Hochtief die marktüblichen Rechte eines Mehrheitsaktionärs missachtet“, sagte eine ACS-Sprecherin. „ACS wird seine Pläne für die anstehende Hauptversammlung rechtzeitig bekanntgeben“, kündigte sie an - die Spanier können auch eigene Personalvorschläge für das Aktionärstreffen unterbreiten. „Bis dahin wird ACS seinen Anteil an Hochtief weiter erhöhen“, betonte sie. Der Konzern von Real-Madrid-Präsident Florentino Perez will Kreisen zufolge die Zahl seiner Sitze im Aufsichtsrat der deutschen Beteiligung Hochtief verdoppeln. ACS strebe vier Sitze in dem Kontrollgremium an, hatte Reuters bereits aus Aufsichtsratskreisen erfahren. Damit würde Perez künftig die Hälfte der Aufsichtsratssitze der Eignerseite bei Hochtief kontrollieren. ACS sei zudem offen für einen Vertreter des zweiten Hochtief-Großaktionärs Katar und drei unabhängige Kandidaten. Die acht Aufsichtsratsposten der Anteilseigner stehen bei der Hauptsversammlung am 12. Mai zur Neuwahl an. 

Geführt wird das Kontrollgremium derzeit von Detlev Bremkamp. Bremkamp fahre im Aufsichtsrat ebenso wie der ehemalige Hochtief-Chef und jetzige BDI-Präsident Hans-Peter Keitel und Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer eine harte Linie gegenüber ACS, hatte es bereits im Umfeld des Aufsichtsrats geheißen. Es zeichne sich ab, dass Bremkamp mit der wachsenden Macht von ACS bei Hochtief seinen Posten verlieren werde. 

Nachfolger könnte der ehemalige Continental-Chef Manfred Wennemer werden, der bereits im Hochtief-Aufsichtsrat sitzt und den Kreisen zufolge ACS nahestehen soll. Neben Bremkamp, Pierer, Keitel und Wennemer finden sich auf der mit der Einladung zur Hauptversammlung verschickten Liste auch der ehemalige E.ON-Manager Wilhelm Simson sowie ein Vertreter Katars und die beiden ACS-Vertreter Angel Garcia Altozano und Marcelino Fernandez Verdes, die bereits jetzt in dem Gremium sitzen. Die Liste sei am 22. März vom Aufsichtsrat abgesegnet worden, sagte eine Hochtief-Sprecherin. Darüber hinaus wollte sie sich nicht äußern. 

Angesichts der Präsenz von Aktionären bei vergangenen Hochtief-Hauptversammlungen sei es unwahrscheinlich, dass die Liste Bestand haben werde, sagte ein Analyst, der sich nicht namentlich zitieren lassen wollte. ACS werde sich durchsetzen, prognostizierte er. Baut ACS seinen Einfluss im Aufsichtsrat aus, kann der Konzern sich auch bei der Besetzung von Vorstandsposten durchsetzen. Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter hatte sich lange erbittert um die Unabhängigkeit von Hochtief bemüht. Derzeit verhandelt er mit ACS über einen Vertrag, der das Zusammenleben in der Zwangsehe mit dem spanischen Angreifer regeln soll. Das Vorgehen des Aufsichtsrats dürfte die Gespräche nicht eben erleichtern, heiß es.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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