Veranstalter hoffen auf ein Ende der Krise, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben schwierig
Reisebranche fährt nur im ersten Gang

Für die Reisebranche rückt das alles entscheidende Sommergeschäft und damit die Stunde der Wahrheit näher. In den Bundesländern Berlin, Brandenburg und Hamburg beginnen in dieser Woche die großen Ferien. Doch selbst wenn es wie alle Jahre wieder Schlangen auf der Autobahn und reges Treiben an den Flughäfen geben wird: An frühere Boom-Zeiten werden die Reiseveranstalter nicht anknüpfen können, obwohl sie von den schweren Schocks des Vorjahres (Krieg, Terror, SARS) in diesem Frühling verschont blieben.

DÜSSELDORF. „Gedämpfter Optimismus ist derzeit die vorherrschende Gemütsverfassung in den großen Märkten Europas“, beobachtet das Fachmagazin FVW International in einer aktuellen Marktuntersuchung. Es gibt indes auch skeptischere Prognosen: „Der Reisebürospiegel entlarvt die Sonnenscheinmeldungen der Branche. Seit Ostern ist tote Hose am Counter“, schreibt Thomas Hartung, Chefredakteur des Branchenblatts „Travel One“.

Müssen die Touristiker erneut auf Last-Minute-Buchungen hoffen, bei denen die Urlauber auf Schnäppchensuche gehen und die Veranstalter ihre ohnehin dünnen Gewinnmargen riskieren? Die Branchenführer sind jedenfalls bescheiden geworden. Peter Fankhauser, Touristik-Vorstand der Lufthansa/Karstadt-Quelle-Tochter Thomas Cook, ist mit einem aktuellen Buchungsplus in Deutschland von sechs Prozent bereits „sehr zufrieden“. Die Zuwächse, die sich die Branche erhofft, bauen indes auf einem Jahr auf, das der langjährige Chef der Deutschen-Reisebüro-Gruppe, Peter Landsberger, als das dramatisch schlechteste seiner über 40-jährigen Touristikerkarriere bezeichnet (siehe „Nachgefragt“).

Volker Böttcher, Chef von Tui Deutschland, gibt sich ähnlich zurückhaltend: „Der Motor ist wieder angesprungen. Noch fahren wir zwar im ersten Gang. Aber immerhin, die Richtung stimmt wieder.“ Europas größter Reisekonzern verzeichnet derzeit in seinem Heimatmarkt ein Umsatzplus von 3,9 Prozent – verglichen allerdings mit einem überaus schwachen Vorjahr. Dass es nicht steiler aufwärts geht, erklärt Alltours-Chef Willi Verhuven mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland: „Es hat sich vom Umfeld doch nichts verbessert, und daran müssen wir uns wohl gewöhnen“, sagt der Geschäftsführer des viertgrößten deutschen Reiseveranstalters. Verhuven tröstet sich mit einem Blick über die deutsche Unternehmenslandschaft: „Die Autoindustrie leidet stark, vielen anderen Branchen geht es kaum besser. Wenn das Jahr so weiterläuft wie bisher, kann unsere Branche zufrieden sein.“

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