Verband: Baumarktgeschäft bleibt schwierig
Sechs Prozent auf alles – auch auf Umsatz

Bei der Praktiker-Gruppe aus dem saarländischen Kirkel läuft das Geschäft aus dem Ruder. Während Deutschlands größter börsennotierter Baumarkt-Konzern deutliche Einbußen hinnehmen musste, konnte Praktiker-Rivale Hornbach zulegen.

DÜSSELDORF. Entgegen eigenen Ankündigungen verlor das MDax-Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr, wie am Donnerstag bekannt wurde, ein Prozent seines Geschäfts. Auf vergleichbarer Verkaufsfläche schrumpfte der Umsatz sogar um sechs Prozent.

Den ohnehin bereits im Sommer nach unten korrigierten Konzernprognosen folgend hatten Analysten zuletzt ein Umsatzplus im niedrigen einstelligen Bereich erwartet. Entsprechend bezweifeln nun viele, ob Praktiker 2008 den versprochenen Betriebsgewinn (Ebita) von 135 bis 140 Mio. liefern wird. "Wir gehen davon aus, dass der Konzern nur noch 125 Mio. Euro erzielt hat", sagte Branchenkenner Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe. Veröffentlicht werden die Ergebnisse erst im März.

Wegen der ungewissen Aussichten stuften Banken wie Dresdner Kleinwort und Sal. Oppenheim die Aktie von Kaufen auf Halten herunter - und das, obwohl viele Analysten die Papiere in Bezug auf den Konzernertrag bereits jetzt als "günstig" bezeichnen. In der Folge verloren die Praktiker-Aktie am Donnerstag zeitweise 15 Prozent ihres Wertes.

Gründe für den Geschäftseinbruch bei Praktiker gibt es reichlich. Schon im Sommer hatte Konzernchef Wolfgang Werner angekündigt, seine Rabattwochen ("20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung") aus Kostengründen deutlich zurückzufahren. Statt an 107 Tagen wie im Vorjahr gab es deshalb bei Praktiker 2008 nur noch an 61 Tagen Preisnachlässe - mit einem kräftigen Kundenschwund als Folge. Auch die Umstellung auf das Selbstbedienungskonzept "Easy to shop", das Praktiker durch niedrige Personalkosten zum Aldi unter den Baumärkten machen sollte, stoppte der Vorstandschef. Hier müsse das Marketing überarbeitet werden, räumte Werner im vergangenen Juli ein.

Zu den Problemen gesellt sich nun überraschend ein schwerer Einbruch im bislang lukrativen Auslandsgeschäft, das in erster Linie die Länder Südost-Europas umfasst. Flächenbereinigt sackten dort die Erlöse im Weihnachtsquartal um 7,6 Prozent nach unten, etwa zur Hälfte bedingt durch ungünstigere Wechselkurse.

Obwohl der Dezember leicht über Vorjahr gelegen habe, heißt es beim Branchenverband BHB, bleibe das Baumarktgeschäft schwierig. Weit über Durchschnitt legte allerdings der börsennotierte Praktiker-Rivale Hornbach zu. Während die Saarländer im Winterquartal deutschlandweit auf vergleichbarer Fläche 3,2 Prozent Umsatz einbüßten, ging es bei Hornbach 1,9 Prozent nach oben. "Hornbach gewinnt massiv Marktanteile", sagte ein Analyst.

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