Verband: Wachstum der Handelsmarken stößt an Grenzen
Verbraucher greifen wieder stärker zu Markenprodukten

Nach drei Jahren Flaute ist die Markenartikelindustrie im vergangenen Jahr in Deutschland wieder gewachsen. Wie der Markenverband am Dienstag mitteilte, stieg der Umsatz der Hersteller von Markenartikeln im vergangenen Jahr um drei Prozent auf 347 Mrd. Euro. Das Inlandswachstum fiel mit 1,5 Prozent allerdings deutlich geringer aus als die Entwicklung der Exporte (plus 4,8 Prozent).

HB/tel FRANKFURT/M. Für das laufende Jahr ist die Branche trotz des weiter schwierigen Konsumklimas „vorsichtig optimistisch“, sagte Johann C. Lindenberg, Vorsitzender des Markenverbandes. Über die Hälfte der knapp 400 Mitglieder des Markenverbandes rechnen mit Wachstum im Inland, 43 Prozent erwarten eine Steigerung der Exporte. 70 Prozent der Befragten erwarten übrigens, dass ein Regierungswechsel im Herbst für einen Konjunkturaufschwung sorgen wird.

Hat die Branche in den vergangenen drei Jahren deutlich unter dem Wachstum von Handelsmarken und insbesondere der Discounter mit ihren Eigenmarken gelitten, so sieht Lindenberg den starken Aufwärtstrend der so genannten Private Labels im vergangenen Jahr gebrochen: „Im Rückblick scheint vor allem die Einführung des Euro und die damit verbundene Phase der Preisunsicherheit beim Verbraucher das Wachstum der Discounter und der Eigenmarken insgesamt begünstigt zu haben. Hinzu kam die schwierige wirtschaftliche Lage“, sagt er dem Handelsblatt.

Aktuell wachsen laut Zahlen der GFK-Marktforschung insbesondere die Discounter, die ihr Markenartikelsortiment ausweiten. Allen voran Deutschlands zweitgrößter Discounter Lidl, der im vergangenen Jahr 54 Marken oder Submarken neu eingelistet hat. In diesen Warengruppen wächst Lidl zurzeit knapp 30 Prozent schneller als der Durchschnitt aller Vertriebsschienen. Beim Marktführer Aldi, dessen Sortiment nur aus Eigenmarken besteht, gaben die Verbraucher dagegen im ersten Quartal 2,4 Prozent weniger aus, so die Marktforschungszahlen.

Zurücklehnen kann sich die Markenartikelindustrie aber nicht, sagt Klaus Schumann, Deutschlandchef von Procter & Gamble. „Wenn man an die hoch entwickelte Handelsmarkenlandschaft in Großbritannien denkt, so hat der Handel hier zu Lande gewisse Potenziale noch nicht ausgeschöpft“, sagte er dem Handelsblatt.

Für die Markenartikelhersteller sind Innovationen das entscheidende Differenzierungmerkmal gegenüber den Private Labels. „Weil wir permanent jemanden im Nacken haben, müssen wir die Innovationsmaschine ständig weiterdrehen“, sagt Unilever-Manager Lindenberg. Sein Konzern beispielsweise gibt rund 2,5 Prozent seines Umsatzes von rund 40 Mrd. Euro pro Jahr für Forschung und Entwicklung aus. Beim Wettbewerber Procter & Gamble sind es mit 1,8 Mrd. Dollar rund 3,5 Prozent des Jahresumsatzes von zuletzt 51 Mrd. Dollar.

Der Markenverband will in nächster Zeit bei den politischen Entscheidungsträgern verstärkt darauf hinwirken, dass die Marke als einer der wichtigsten „Rohstoffe der Wissensgesellschaft“ und als geistiges Eigentum umfassend geschützt wird. Dazu gehört unter anderem die Forderung nach stärkerer Strafverfolgung bei Produktpiraterie.

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