Verbandstagung
Einzelhandel rechnet nur mit leichten Einbußen

Eigentlich können die deutschen Einzelhändler mit der Lage zufrieden sein. Angesichts der Wirtschaftkrise zeigt sich die Konsumlust der Deutschen erstaunlich stabil. Dennoch haben die deutschen Einzelhandelsunternehmen kein richtig gutes Gefühl für 2009.

DÜSSELDORF. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) rechnet derzeit noch mit moderaten Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf seine rund 400 000 Mitgliedsfirmen. „Wir gehen davon aus, dass sich der nominale Einzelhandelsumsatz 2009 in einem Korridor von null bis minus ein Prozent bewegt“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth gestern in Düsseldorf. Im Vorjahr waren die deutschen Einzelhändler mit einem kleinen nominalen Plus noch knapp an der Umsatzmarke von 400 Mrd. Euro gescheitert (Grafik).

Die wirtschaftliche Lage des heimischen Einzelhandels sei aber stark abhängig von der Entwicklung des Arbeitsmarktes hierzulande, erläuterte der Verbandschef. Bei einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen auf über vier Millionen müsse eventuell Mitte des Jahres eine Neubewertung der konjunkturellen Lage stattfinden. Doch so lange wolle man die Einzelhandelsumsätze „nicht schlechtreden“, sagte Genth.

Der HDE ist bekannt für seine durchweg optimistischen Prognosen, mit denen er positiv auf die Stimmung der Branche einwirken will. Eine nachträgliche Korrektur der Vorhersagen - beispielsweise über den Verlauf diverser Weihnachtsgeschäfte - betrachtete HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr noch nie als Beinbruch.

Im zweiten Halbjahr 2008 hatten sich die meist mittelständischen Einzelhandelsbetriebe in einem zunehmend schwierigeren Umfeld noch relativ gut behauptet. Doch im Spektrum der Branchen zeichneten sich bereits zum Teil erhebliche Unterschiede ab: Während der Lebensmittelhandel, Sportgeschäfte, Juweliere oder Einrichtungshäuser noch vergleichsweise gut abschnitten, waren Buchhändler, Fotogeschäfte, Elektronikhandel oder Textilkaufhäuser weniger zufrieden, wie eine repräsentative Befragung von HDE-Mitgliedsfirmen ergab.

Im Gegensatz zu vielen Autohändlern steht der HDE der erst kürzlich verlängerten Abwrackprämie für Altautos „sehr skeptisch“ gegenüber. „Konsummittel, die jetzt in Milliardenhöhe in den Kfz-Bereich fließen, werden an anderer Stelle vor allem im Einzelhandel abgezogen“, kritisierte Verbandschef Genth. Der HDE fordert seinerseits vor allem eine kräftige Senkung der Steuern und Abgaben.

Die bisher in den heimischenKonjunkturprogrammen vorgesehenen Senkungen seien zu niedrig dimensioniert, so Genth. Ein Durchschnittshaushalt käme dabei lediglich auf eine Entlastung von monatlich 15 bis 20 Euro.

Eindeutig positiv bewertet der HDE die Rückzahlung der Pendlerpauschale, die Erhöhung des Kindergeldes sowie die Absenkung der Arbeitslosenversicherung. Doch schon droht nach Ansicht der Händler neues Ungemach: Die Gewerkschaft Verdi fordert aktuell Gehaltserhöhungen zwischen sechs und elf Prozent. Bei einer Erfüllung der Forderungen sieht der HDE in seiner Branche bereits das „Aus“ für Zehntausende von Arbeitsplätzen.

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